Google-Ingenieur angeklagt: Insiderhandel mit Suchdaten auf Polymarket
02.06.2026 - 10:02:47 | boerse-global.de
Michele Spagnuolo soll vertrauliche Suchdaten des Konzerns genutzt haben, um auf der Prognose-Plattform Polymarket Wetten im Wert von Millionen zu platzieren. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die wachsende Regulierungsdebatte um sogenannte Prediction Markets.
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Der Vorwurf: Insiderhandel mit Suchtrends
Die Anklage wirft Spagnuolo Warenbetrug, Überweisungsbetrug und Geldwäsche vor. Der Italiener, der seit über einem Jahrzehnt für Google arbeitete und in der Schweiz lebt, soll sich Zugang zu den streng vertraulichen „Year in Search"-Daten für 2025 verschafft haben. Unter dem Pseudonym „AlphaRaccoon" platzierte er zwischen dem 15. Oktober und dem 4. Dezember 2025 rund 25 Wetten auf der Blockchain-basierten Plattform.
Die Strategie war simpel: Wer würde am häufigsten gegoogelt werden? Zunächst setzte Spagnuolo auf Rapper Kendrick Lamar. Doch interne Daten zeigten einen Trendwechsel – der Ingenieur schwenkte um und wettete auf den Sänger D4vd. Insgesamt riskierte er umgerechnet rund 2,75 Millionen Euro und strich einen Gewinn von etwa 1,2 Millionen Euro ein.
Besonders dreist: Über 937.000 Euro setzte Spagnuolo gegen Bianca Censori, die Ehefrau von Kanye West. Weitere 613.000 Euro wettete er dagegen, dass Papst Leo XIV. die Spitzenposition der Suchanfragen erreichen würde. Die Ermittler fanden heraus, dass der Ingenieur noch am 27. November 2025 auf interne Suchmetriken zugegriffen haben soll, um seine Strategie zu verfeinern.
Festnahme und Konsequenzen
Spagnuolo wurde in New York festgenommen und nach Zahlung einer Kaution von umgerechnet rund 2,25 Millionen Euro wieder freigelassen. Er plädierte auf nicht schuldig. Google stellte den Ingenieur nach Bekanntwerden der Vorwürfe Ende Mai 2026 sofort frei. Neben strafrechtlichen Konsequenzen droht ihm der Verlust von Millionenbeträgen an nicht übertragbaren Aktienoptionen.
Der Fall ist ein Präzedenzfall: Erstmals haben Bundesbehörden Insiderhandelsvorwürfe gegen einen Angestellten eines börsennotierten Unternehmens im Zusammenhang mit einer Prognose-Plattform erhoben. Erst im April 2026 war ein US-Soldat namens Gannon Ken Van Dyke angeklagt worden, der geheime Informationen über Venezuela-Einsätze für Wetten auf Polymarket genutzt haben soll.
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Boom der Prognosemärkte – und wachsende Regulierung
Die Anklage fällt in eine phase rasanten Wachstums. Das kombinierte monatliche Handelsvolumen von Plattformen wie Polymarket und Kalshi stieg von unter fünf Milliarden Dollar im September 2025 auf rund 24 Milliarden Dollar im April 2026. Kalshi, das kürzlich regulierte Perpetual Futures einführte, verzeichnete am 30. Mai 2026 ein Rekordvolumen von über 800 Millionen Dollar.
Die US-Aufsichtsbehörde CFTC pocht auf ihre alleinige Zuständigkeit für Event-Kontrakte und steht unter Druck, bis zum dritten Quartal 2026 neue Regeln zu verabschieden. Polymarket selbst hat nach den jüngsten Skandalen seine internen Regeln verschärft – Wetten auf Basis vertraulicher Informationen sind nun explizit verboten.
Lehren für Unternehmen
Juristen raten Konzernen, ihre Compliance-Richtlinien dringend zu überarbeiten. Prognose-Plattformen müssten explizit erfasst und der Begriff der vertraulichen Informationen weiter gefasst werden, um solche Fälle künftig zu verhindern. Die Entwicklung zeigt: Was als Nischenphänomen begann, ist längst im Finanzmainstream angekommen. Am 1. Juni 2026 senkten sogar Plattformen wie Robinhood die Gebühren für bestimmte Prognose-Wetten – ein weiteres Zeichen für die zunehmende Integration dieser Märkte.
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