GPT-5.6: OpenAI plant Modell mit 1,5 Millionen Token Fenster
26.05.2026 - 20:30:34 | boerse-global.deOpenAI katapultiert seinen KI-Assistenten Codex auf ein neues Level – und das mitten in einer wachsenden Sicherheitskrise.
Der US-Konzern hat eine Funktion namens „Locked Use" für macOS eingeführt. Damit kann Codex Aufgaben ausführen, während der Rechner gesperrt ist. Ein spezielles Apple-Authorization-Plug-in macht dies möglich. Sobald der Nutzer jedoch Maus oder Tastatur berührt, deaktiviert sich die Hintergrundautomatisierung automatisch. Das System benötigt Berechtigungen für Bildschirmaufzeichnung und Bedienungshilfen – die Terminal-Steuerung bleibt bewusst ausgeschlossen.
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Neue Appshots-Funktion und Langzeit-Aufgaben
Bereits am 22. Mai 2026 veröffentlichte OpenAI ein umfangreiches Update für die Codex-Mac-App. Herzstück ist die „Appshots"-Funktion: Per Doppelklick auf die Befehlstaste senden Nutzer einen Screenshot samt Textdaten des aktiven Fensters an die KI. Besonders für Designer und Entwickler ist das ein Gewinn – etwa zur Analyse von Figma-Oberflächen auf Designfehler.
Zudem ist der „/goal"-Befehl nun keine Testphase mehr. Codex kann damit langfristige Aufträge über Stunden oder Tage verwalten. Ein echter Schritt Richtung autonomem Arbeitsagenten.
Doch es gibt einen Haken: Nutzer in der Europäischen Union, Großbritannien, der Schweiz und dem Europäischen Wirtschaftsraum gehen vorerst leer aus. Regionale Regulierungen verhindern den Rollout.
Brasilien-Deal und Enterprise-Offensive
Parallel zu den technischen Neuerungen baut OpenAI sein Geschäft weltweit aus. Ende Mai 2026 sicherte sich das Unternehmen seinen ersten großen kommerziellen Vertrag in Brasilien – mit den Medienriesen Folha de S.Paulo und UOL. Der Deal beendet einen Rechtsstreit aus dem Jahr 2025. Die Verlage liefern künftig Echtzeit-Nachrichten an ChatGPTs rund 900 Millionen Nutzer. Im Gegenzug erhalten sie Zugang zu ChatGPT Enterprise, API-Diensten und der Codex-Plattform.
Brasilien ist für OpenAI ein strategisch wichtiger Markt: Über 50 Millionen monatliche Nutzer generieren dort täglich rund 140 Millionen Nachrichten.
Für Firmenkunden gibt es ein verbessertes Verwaltungs-Dashboard mit Analysepanel für aktive Nutzer, Token-Verbrauch und generierte Codezeilen. Geschäftskunden können zudem benutzerdefinierte Plug-ins unternehmensweit teilen. Branchenbeobachter sehen darin eine direkte Antwort auf die Konkurrenz durch Anthropics Claude Code und Googles Jules.
Milliarden-Wettrüsten um Rechenleistung
Der Kampf um die KI-Vorherrschaft wird zunehmend auf der Infrastrukturebene ausgetragen. Ende Mai 2026 wurden Details zu einem gewaltigen Rechenleistungs-Deal zwischen Anthropic und SpaceX bekannt. Anthropic hat sich für rund 45 Milliarden Euro über drei Jahre – etwa 1,25 Milliarden Euro pro Monat – den Zugriff auf SpaceX‘ Colossus-Rechenzentren gesichert. Diese bieten über 300 Megawatt Leistung und mehr als 220.000 NVIDIA-Grafikprozessoren.
Der Deal kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Anthropic für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von 10,9 Milliarden Euro prognostiziert – das wäre das erste profitable Quartal. OpenAI meldete für das erste Quartal 5,7 Milliarden Euro Umsatz.
Auch die Personalfluktuation zeigt die Dynamik: Andrej Karpathy, ehemaliger OpenAI-Forscher, ist offenbar zu Anthropics Pretraining-Team gewechselt. Die Branche rechnet zudem fest mit einem Börsengang von OpenAI – frühestens im September 2026.
Malware-Welle trifft macOS
Während KI-Agenten immer tiefere Systemzugriffe erhalten, passt sich auch die Bedrohungslage an. Am 25. Mai 2026 identifizierten Sicherheitsforscher von SentinelOne einen neuen macOS-Infostealer namens „SHub Reaper". Die Schadsoftware nutzt Social Engineering über das „applescript://"-Protokoll, tarnt sich als legitimes Sicherheitsupdate von Apple oder Google und stiehlt nach erteilter Berechtigung Passwörter, Browserdaten und Zugänge zu 23 verschiedenen Kryptowährungs-Wallets.
Gleichzeitig wurde die Malware „InvisibleFerret" aktualisiert. Sie stammt von der Gruppe Void Dokkaebi und zielt gezielt auf Softwareentwickler ab – mit dem Ziel, CI/CD-Pipelines und Signierschlüssel zu kompromittieren. Die neue Version verwendet Cython-kompilierte Binärdateien statt Python-Skripte, um der Erkennung zu entgehen.
Diese Bedrohungen zeigen die Risiken der weitreichenden Systemberechtigungen, die Tools wie Codex benötigen.
Governance-Tools als Antwort
Als Reaktion auf die wachsenden Risiken werden externe Kontrollinstrumente für Unternehmen immer wichtiger. Tenable hat kürzlich die Claude-Compliance-API in seine Tenable-One-Plattform integriert. Damit können Organisationen die KI-Nutzung überwachen und die Einhaltung von Unternehmensrichtlinien sowie des EU AI Acts sicherstellen.
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Während die geschlossenen Modelle von OpenAI und Anthropic weitgehend vor dem Entfernen von Sicherheitsvorkehrungen geschützt sind, warnte ein Bericht Ende Mai 2026 vor offenen Modellen von Meta und Google. Deren Schutzmechanismen ließen sich mit „De-Safety"-Software in Minuten umgehen. Auf dem Schwarzmarkt für „entschränkte" Modelle wurden bereits über 13 Millionen Downloads verzeichnet – Versionen, die Anleitungen für schädliche Aktivitäten liefern können.
Der Aufstieg des KI-Arbeitsagenten
Die Entwicklung von Codex vom reinen Programmierhelfer zum systemnahen Arbeitsagenten markiert einen fundamentalen Wandel. OpenAI versucht, den lästigen „Kontextwechsel" für Entwickler und Fachleute zu minimieren. Dass Apple für die „Locked Use"-Funktion ein eigenes Authorization-Plug-in verlangt, zeigt: Der iPhone-Konzern öffnet sein Ökosystem für KI-Automatisierung – aber nur unter strenger Kontrolle.
Das Fehlen dieser Funktionen in Europa und Großbritannien deutet darauf hin, dass die Verbindung von autonomen Agenten und Datenschutz eine enorme Hürde bleibt. Während Nutzer in Brasilien und den USA von Hintergrundautomatisierung profitieren, drohen europäische Unternehmen bei der KI-Produktivität zurückzufallen. Diese Fragmentierung des KI-Marktes wird sich wohl fortsetzen, solange die Regulierungen mit den technischen Möglichkeiten nicht Schritt halten.
Ausblick: GPT-5.6 mit riesigem Kontextfenster
Die kommenden Monate versprechen weitere technische Sprünge. Am 26. Mai 2026 tauchten in Codex-Logs Hinweise auf ein unangekündigtes Flaggschiff-Modell auf – den Codenamen „iris-alpha", vermutlich GPT-5.6. Die geleakten Daten deuten auf ein Kontextfenster von 1,5 Millionen Tokens hin – ein Anstieg von 43 Prozent gegenüber dem Vorgänger GPT-5.5. Das erweiterte Fenster würde es dem Modell erlauben, deutlich größere Code-Repositorien und Dokumentationen zu verarbeiten und zu behalten.
Mit einem erwarteten Release von GPT-5.6 im Juni 2026 und dem möglichen Börsengang von OpenAI später im Jahr wird der Fokus wohl auf der Verfeinerung der Agenten-Fähigkeiten von Codex liegen. Der Erfolg dieser Initiativen hängt jedoch entscheidend davon ab, ob die Branche die wachsende macOS-Malware in den Griff bekommt und Governance-Rahmenwerke etabliert, die KI-Agenten im Unternehmenseinsatz kontrollieren können.
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