Grandma Tourism: 48% der Gen Z suchen emotionale Stabilität
Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 11:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der europäischen Reisebranche zeichnet sich ein deutlicher Wandel in den Präferenzen der jüngeren Generation ab. Berichte von Ende August 2026, unter anderem veröffentlicht von der Washington Post und der BBC, zeigen ein wachsendes Interesse der sogenannten Generation Z an Erfahrungsreisen mit älteren Einheimischen.
Dieser Trend, der unter dem Begriff „Grandma Tourism“ bekannt geworden ist, rückt die Interaktion mit der älteren Generation und das Erlernen traditioneller Fertigkeiten in den Fokus des touristischen Interesses.
Steigende Nachfrage nach generationenübergreifenden Erlebnissen
Analysen der Reiseplattform GetYourGuide unterstreichen die wirtschaftliche Relevanz dieser Entwicklung. Den Daten zufolge würden 76 % der jungen Reisenden aus Frankreich, Deutschland, dem Vereinigten Königreich und den USA Angebote im Bereich des Grandma Tourism buchen. Diese Bereitschaft schlägt sich bereits konkret in den Geschäftszahlen nieder.
Zwischen den Jahren 2023 und 2025 verzeichnete die Plattform einen Anstieg der Suchanfragen und Buchungen im Zusammenhang mit dem Begriff „Grandmother“ um 50 %. Besonders deutlich fielen die Zuwächse bei Workshops aus, die von Großmüttern geleitet werden; hier wurde ein Plus von 250 % registriert.
Preislich bewegen sich diese Erlebnisse in einem moderaten Rahmen zwischen 50 und 100 US-Dollar, was sie für die Zielgruppe der jungen Erwachsenen zugänglich macht.
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Kulturelle Triebfedern und die Rolle sozialer Medien
Der Trend wird maßgeblich durch soziale Netzwerke befeuert und reflektiert eine Sehnsucht nach Nostalgie und Beständigkeit. Auf der Plattform TikTok erzielt der Hashtag #Grandmacore beachtliche Reichweiten und verzeichnete im August 2026 rund 251 Millionen Aufrufe. Dieser digitale Trend übersetzt sich zunehmend in reales Reiseverhalten, bei dem die Authentizität des Erlebten im Vordergrund steht.
Die Motive der jungen Reisenden sind dabei eng mit dem Wunsch nach psychischem Wohlbefinden verknüpft. Laut Erhebungen nennen 48 % der Befragten aus der Generation Z die Suche nach emotionaler Stabilität als Hauptgrund für das Interesse an Reisen mit älteren Menschen. Weitere wichtige Faktoren sind der Wunsch nach einem „Digital Detox“ (36 %), das Interesse an authentischer Kultur (33 %) sowie die Linderung von Burnout-Symptomen (31 %).
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Einordnung für die Tourismusindustrie
Die Entwicklung deutet darauf hin, dass klassische Massentourismus-Modelle für einen Teil der jungen Zielgruppe an Attraktivität verlieren. An ihre Stelle treten kleinteilige, oft lokal verwurzelte Angebote, die einen starken Fokus auf zwischenmenschliche Begegnungen und den Transfer von Erfahrungswissen legen. Für Anbieter bedeutet dies eine Chance, Nischenprodukte zu entwickeln, die über das rein Sightseeing-orientierte Programm hinausgehen.
Der Grandma Tourism fungiert dabei nicht nur als kommerzielles Produkt, sondern auch als Instrument zur Stressbewältigung in einer zunehmend digitalisierten und beschleunigten Welt. Die Kombination aus moderaten Preisen und hohem emotionalen Nutzwert macht diese Form des Reisens zu einem stabilen Faktor im Segment der Erlebnisreisen für junge Konsumenten.
Die Datenlage aus den Jahren 2023 bis 2025 sowie die aktuelle mediale Resonanz im Spätsommer 2026 belegen, dass es sich hierbei um eine nachhaltige Verschiebung der Marktdynamik handelt.
