Grauer Star: Ab 52 ist jeder Zweite betroffen – Tropfen helfen nicht
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 13:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deVeränderungen der Sehkraft gehören zu den häufigsten Begleiterscheinungen des Alterns. Aktuelle medizinische Fachbeiträge stellen klar, dass für den altersbedingten Grauen Star bislang keine konservativen Heilmethoden zur Verfügung stehen, und geben einen Überblick über den Umgang mit der zunehmenden Alterssichtigkeit.
Während Hilfsmittel wie Sehhilfen oder angepasste Beleuchtung im Anfangsstadium Erleichterung verschaffen können, bleibt ein operativer Eingriff der einzige Weg, die Trübung der Augenlinse dauerhaft zu beheben.
Keine Belege fĂĽr konservative Therapien bei Katarakt
Laut dem Berufsverband der Augenärzte ist ab einem Alter von 52 Jahren bereits jeder zweite Mensch von einem Grauen Star betroffen, ab dem Rentenalter nahezu jeder. Unbehandelt kann die Erkrankung zur Erblindung führen. Erste Symptome wie eine erhöhte Blendempfindlichkeit bei Nacht oder Regen treten häufig ab Ende 50 auf, spürbare Seheinbußen machen sich oft um das 70. Lebensjahr bemerkbar.
Trotz zahlreicher Angebote auf dem Gesundheitsmarkt existieren keine belastbaren Belege dafür, dass Augentropfen, Nahrungsergänzungsmittel oder spezielles Augentraining einen altersbedingten Grauen Star rückgängig machen können. Ein Cochrane-Review aus dem Jahr 2017 fand keine überzeugenden Nachweise für die Wirksamkeit von N-Acetylcarnosin-Tropfen.
Eine weitere Cochrane-Analyse aus dem Jahr 2022 zeigte zudem, dass Antioxidantien wie Vitamin C, Vitamin E oder Beta-Carotin das Auftreten der Trübung weder verhindern noch verlangsamen. Zu experimentellen Ansätzen existiert mit Stand Oktober 2026 lediglich eine kleine, placebokontrollierte Pilotstudie (ZOC2017217 / NCT07395986) mit acht Teilnehmenden, deren Resultate noch ausstehen.
Wissenschaftler der Universität Keio wiesen in einem Beitrag der Fachzeitschrift Klinische Ophthalmologie (Ausgabe Oktober 2026) darauf hin, dass ein gesunder Lebensstil mit UV-Schutz, Bewegung und Rauchstopp den Verlauf allenfalls positiv beeinflussen kann, das altersbedingte Risiko aber hoch bleibt.
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Operativer Linsentausch als etablierter Standard
In Deutschland werden jährlich rund 800.000 Katarakt-Operationen durchgeführt. Der Eingriff zählt zu den sichersten Routineoperationen. Nach Angaben von Dr. Paul Niederberger von der Ärztekammer Oberösterreich dauert die Operation in der Regel 10 bis 15 Minuten, erfolgt schmerzfrei unter lokaler Betäubung mit Augentropfen und wird meist ambulant mit Entlassung am selben Tag durchgeführt.
Standardverfahren ist die Phakoemulsifikation, bei der die getrĂĽbte Linse zerkleinert und durch eine Kunstlinse ersetzt wird. Gesetzliche Krankenkassen ĂĽbernehmen die Operation sowie monofokale Standardlinsen; fĂĽr multifokale Linsen fallen im Weinheimer Augenzentrum Zuzahlungen zwischen 2.000 und 6.000 Euro fĂĽr beide Augen an.
Eine Auswertung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) ergab keinen nachgewiesenen generellen Zusatznutzen einer femtosekundenlaserunterstützten Operation gegenüber der Standardmethode. Ein sogenannter Nachstar tritt bei bis zu der Hälfte der Operierten auf und lässt sich schmerzfrei mittels YAG-Laser beseitigen.
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Differenzierung zur Alterssichtigkeit
Vom Grauen Star zu unterscheiden ist die Presbyopie (Alterssichtigkeit), die ab dem 40. Lebensjahr durch den natürlichen Elastizitätsverlust der Linse entsteht und meist bis etwa 65 zunimmt. Beide Zustände können parallel auftreten. Während bei der Katarakt die Linse eintrübt, verliert sie bei der Presbyopie lediglich die Fähigkeit zur Nahakkommodation.
Zur Korrektur stehen Lese-, Gleitsicht- und Bifokalbrillen sowie multifokale Kontaktlinsen bereit. Operative Verfahren wie Laserbehandlungen oder ein vorzeitiger Linsentausch sind reine Selbstzahlerleistungen und medizinisch nie zwingend erforderlich.
Um die Augen im Alltag zu entlasten, raten Fachbeiträge zu regelmäßigen Blickpausen, bei denen alle 20 Minuten für 20 bis 30 Sekunden Objekte in sechs bis acht Metern Entfernung anvisiert werden, sowie zu ausreichendem UV-Schutz.
Treten jedoch Warnsignale wie plötzlicher Sehverlust, Lichtblitze oder Schatten im Gesichtsfeld auf, ist eine sofortige augenärztliche Untersuchung notwendig, um akute Netzhautschäden auszuschließen.
