GrayKey und iPhones: Forensik-Tool soll Neustart-Schutz nach 72 Stunden umgehen
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 22:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das digitale Forensik-Werkzeug GrayKey des Anbieters Magnet Forensics, das laut Berichten von ĂŒber 1.200 Behörden in 40 LĂ€ndern genutzt wird, soll eine zentrale Schutzfunktion moderner iPhones umgehen können.
Im Fokus steht der sogenannte InaktivitĂ€ts-Neustart, den Apple 2024 mit iOS 18 â laut mehreren Berichten konkret mit Version 18.1 â eingefĂŒhrt hat. GrayKey soll in der Lage sein, betroffene GerĂ€te trotz dieser SicherheitsmaĂnahme in einem Zustand zu halten, der den Zugriff auf gespeicherte Inhalte erleichtert.
Gezielte Umgehung des Schutzes nach 72 Stunden
Apples Schutzmechanismus veranlasst einen automatischen Neustart, wenn ein iPhone 72 Stunden lang nicht entsperrt wurde. Durch diesen Vorgang wechselt das GerĂ€t aus dem Zustand nach dem ersten Entsperren (AFU) in den deutlich besser geschĂŒtzten Modus vor dem ersten Entsperren (BFU).
WÀhrend im AFU-Zustand bestimmte Daten im Speicher leichter zugÀnglich sind, bleiben viele sensible Informationen nach dem Neustart bis zur erneuten Passcode-Eingabe gesperrt.
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Grundlage der Berichte ĂŒber das Umgehen dieser Barriere ist ein internes Schulungsvideo von Magnet Forensics, das von der Plattform 404 Media beschafft wurde. Das Material richtet sich an Strafverfolgungsbehörden und stammt offenbar von Anfang 2025, was auf einen Einsatz der Methode seit mindestens Anfang 2025 hindeutet.
Im Zentrum der Softwarefunktionen stehen GrayKey Preserve sowie ein spezieller Beweissicherungsmodus. Diese Mechanismen sollen iPhones trotz des InaktivitĂ€ts-Neustarts im AFU-Zustand halten â dem Vernehmen nach selbst nach einem Neustart oder bei Stromverlust.
Zudem werden laut dem Video sĂ€mtliche Funkverbindungen ĂŒber WLAN, Bluetooth und den Mobilfunk getrennt. Der Beweissicherungsmodus soll darĂŒber hinaus automatisch gelöschte Standortdaten, Kurznachrichten ĂŒber iMessage und Bilder dauerhaft sichern.
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Unklare Schwachstelle und Manipulationsverdacht
Auf welchem technischen Weg die Software das Betriebssystem ĂŒberlistet, ist bislang unbestĂ€tigt. Ebenso bleibt offen, wie die Methode im Detail funktioniert und ob sie bei aktuellen iOS-Versionen weiterhin greift.
In Fachkreisen kursieren verschiedene Annahmen ĂŒber das Vorgehen. So Ă€uĂerte die Sicherheitsexpertin Jiska Classen die Vermutung, dass eine Manipulation der GerĂ€tezeit beziehungsweise der internen Uhr vorliegen könnte.
Auch andere Experten vermuten Eingriffe in die interne Uhr, um die entsprechenden AblaufzĂ€hler fĂŒr den Neustart zu deaktivieren. Neben der Uhrzeit stehen zudem Beeinflussungen von Hintergrundprozessen im Raum, wĂ€hrend die betroffenen iOS-Versionen weiterhin unklar sind.
