Greenwashing-Verbot, Regeln

Greenwashing-Verbot: EU schĂ€rft Regeln fĂŒr Umweltclaims ab September

19.06.2026 - 15:12:46 | boerse-global.de

Neue EU-Richtlinie verbietet ab September allgemeine Umweltclaims ohne Nachweis. Auch die Schweiz schrÀnkt Begriffe wie 'klimaneutral' ein.

EU und Schweiz verschĂ€rfen Regeln fĂŒr grĂŒne Werbeversprechen
Greenwashing-Verbot - Eine Gruppe von Fachleuten analysiert eine digitale Grafik, die grĂŒne und graue Balken zeigt, symbolisch fĂŒr Nachhaltigkeitsdaten und Regulierung. 19.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

WĂ€hrend in der Schweiz bereits neue Gesetze gelten, bereitet die EU eine weitere VerschĂ€rfung fĂŒr den Herbst vor.

„Klimaneutral“ in der Schweiz bald tabu

Seit MĂ€rz 2026 ist die Verwendung des Begriffs „klimaneutral“ in der Schweiz untersagt – sofern die Angabe irrefĂŒhrend ist. Grundlage ist eine neue Vollzugshilfe zum Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG). Der Konsumentenschutz mahnte rund 30 Unternehmen ab. Die Molkerei Tilsiter entfernte entsprechende Aussagen nach Interventionen. Die Schweizerische Post kĂŒndigte eine schrittweise Anpassung ihrer Kommunikation auf Fahrzeugen und Webauftritten an.

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EU-Richtlinie verbietet allgemeine Umweltclaims

Ab dem 27. September 2026 greifen in der EU neue Bestimmungen der Richtlinie 2024/825 (EmpCo). Allgemeine Umweltaussagen wie „umweltfreundlich“ sind dann ohne konkreten Nachweis verboten. Erlaubt bleiben nur spezifische Claims, die durch anerkannte Zertifikate belegbar sind. Ein zentraler Punkt: Aussagen zur KlimaneutralitĂ€t, die lediglich auf Kompensationsmaßnahmen basieren, sind nicht mehr zulĂ€ssig. Bei VerstĂ¶ĂŸen drohen Sanktionen von bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes.

Reiche verursachen MilliardenschĂ€den – doch der Preis zĂ€hlt

Eine Studie der UniversitĂ€ten Leiden und Oxford zeigt das Ausmaß der globalen Umweltbelastung durch Konsum. Die reichsten zehn Prozent der Weltbevölkerung verursachen jĂ€hrliche UmweltschĂ€den zwischen 1,7 und 5,7 Billionen US-Dollar. Rund 60 Prozent dieser Gruppe leben in den USA und der EU. FĂŒr Deutschland beziffern die Forscher den pro Kopf verursachten Schaden auf etwa 10.000 US-Dollar pro Jahr. Hauptfaktoren sind Artensterben und Klimawandel.

Doch das reale Einkaufsverhalten bleibt stark von ökonomischen Faktoren geprĂ€gt. Das „Consumer Barometer 2026“ von KPMG zeigt: FĂŒr deutsche Verbraucher sind vor allem die Erreichbarkeit der EinkaufsstĂ€tten (86,5 Prozent) und das Preis-Leistungs-VerhĂ€ltnis (85,9 Prozent) entscheidend. Nachhaltigkeit spielt beim Lebensmitteleinkauf eine untergeordnete Rolle.

Streit um Kompensationsprojekte: Menschenrechte gegen Klimaschutz?

Die Wirksamkeit von Klimaschutzprojekten in Drittstaaten gerĂ€t zunehmend in die Kritik. Im April 2026 wurden ĂŒber 100 Beschwerden gegen ein Kompensationsprojekt in Tansania laut, an dem der Volkswagen-Konzern beteiligt ist. NGOs werfen dem Vorhaben auf einer FlĂ€che von 900.000 Hektar vor, Menschenrechte zu verletzen und die traditionelle Weidewirtschaft der Massai ohne ausreichende Zustimmung umstellen zu wollen. Der beteiligte Projektierer Climatepartner betont hingegen das Ziel einer nachhaltigen Weidewirtschaft.

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Hitzewellen werden teuer: 112 Milliarden Euro bis 2030

Klimatische VerÀnderungen belasten zunehmend die Wirtschaftskraft. Berechnungen von Allianz Trade deuten darauf hin, dass Hitzewellen die deutsche Wirtschaft bis 2030 rund 112 Milliarden Euro kosten könnten. Ab einer Temperatur von 30 Grad Celsius sinkt die ProduktivitÀt pro zusÀtzlichem Grad um etwa drei Prozent. Die Zahl der Krankschreibungen steigt an Hitzetagen um 3,5 Prozent.

Bonner KlimagesprÀche: Viel Rhetorik, wenig Fortschritt

Die internationalen KlimagesprĂ€che in Bonn endeten am 18. Juni 2026 mit verhaltenen Ergebnissen. UmweltverbĂ€nde kritisierten das Tempo der Verhandlungen zur Vorbereitung der nĂ€chsten UN-Klimakonferenz in Antalya. Die TĂŒrkei schlug vor, den globalen Stromanteil am Endenergieverbrauch bis 2035 auf 35 Prozent zu erhöhen. Vertreter der UN und verschiedener Inselstaaten warnten vor einer LĂŒcke zwischen rhetorischen Zusagen und der tatsĂ€chlichen Umsetzung sowie der Finanzierung von Klimamaßnahmen.

In Deutschland stehen zudem die gesetzlichen Rahmenbedingungen fĂŒr erneuerbare Energien in der Diskussion. Experten des DIW wiesen im Juni 2026 auf Risiken in aktuellen GesetzentwĂŒrfen hin. Diese könnten den Ausbau der Solarenergie bremsen und Risiken einseitig auf Betreiber verlagern, statt Speicherlösungen und FlexibilitĂ€t zu fördern.

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