Grippeimpfung, Apotheke

Grippeimpfung in der Apotheke: Lücke zwischen 38 und 75 Prozent schließen

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 19:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die ABDA plant zusätzliche Impfungen in Apotheken, während sinkende Standortzahlen und uneinheitliche Bewertungen der Honoraranhebung die Branche prägen.

Apotheken sollen Impfangebote deutlich ausweiten und neue Dienste schaffen
Ein heller, minimalistisch gestalteter Beratungsbereich in einer Apotheke mit steriler Atmosphäre und natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Die pharmazeutische Versorgung in Deutschland steht vor einer signifikanten inhaltlichen Neuausrichtung. Apotheken bereiten derzeit eine massive Ausweitung ihrer Impfangebote vor, um den Gesundheitsschutz für die Bevölkerung unkomplizierter zugänglich zu machen.

Während sich das Angebot bislang auf Schutzimpfungen gegen Influenza und COVID-19 konzentrierte, sieht die Planung der Standesvertretung ABDA eine deutliche Ausweitung des Spektrums und der Verfügbarkeit vor.

Erweiterung des Impfspektrums und personelle Qualifizierung

Im Rahmen des Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetzes sollen künftig zusätzliche Impfangebote in den Apothekenalltag integriert werden. Konkret ist vorgesehen, neben den bestehenden Möglichkeiten auch Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten anzubieten.

Diese Maßnahme zielt darauf ab, die Hürden für Auffrischungsimpfungen zu senken und die allgemeine Impfquote zu erhöhen. Um die medizinische Qualität zu gewährleisten, erhält das Personal in den Apotheken spezielle Schulungen für diese zusätzlichen Aufgaben.

Nach Einschätzung von ABDA-Präsident Preis könnte sich die Zahl der impfenden Apotheken in naher Zukunft auf rund 6.000 Standorte verdoppeln. Dieser Ausbau soll schrittweise erfolgen. Neben der Immunisierung sind zudem weitere medizinische Dienstleistungen wie Blutabnahmen und Programme zur Raucherentwöhnung geplant, um die Rolle der Apotheke als primäre Anlaufstelle im Gesundheitssystem zu festigen.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen und struktureller Wandel

Die Ausweitung der Dienstleistungen erfolgt vor dem Hintergrund eines anhaltenden Strukturwandels in der Apothekenlandschaft. Daten der ABDA zufolge gab es Ende Juni 2026 bundesweit noch 16.488 Apotheken. Dies entspricht einem Rückgang von 113 Betriebsstätten seit Beginn des Jahres 2026. In diesem Zeitraum standen 30 Neueröffnungen insgesamt 143 Schließungen gegenüber.

Im Vergleich zum Vorjahres-Halbjahr 2025, in dem der Rückgang noch bei 238 Apotheken lag, hat sich die Geschwindigkeit des Apothekensterbens leicht verringert.

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Nur rund 10 Prozent der Apotheken bieten bislang Grippeimpfungen an — dabei liegt die Impfquote mit 38 Prozent weit unter dem EU-Ziel von 75 Prozent. Wer jetzt ein eigenes Impfangebot aufbaut, erschließt eine Versorgungslücke und ein neues Standbein. Der kostenlose Praxisleitfaden zeigt in 3 Schritten, wie Sie starten. Praxisleitfaden Impfangebot jetzt anfordern

Parallel dazu wurden Anpassungen bei der Vergütung vorgenommen. Nachdem das Fixhonorar für rezeptpflichtige Medikamente über 13 Jahre hinweg nicht erhöht worden war, stieg die Vergütung zum 1. Juli 2026 von 8,35 Euro auf 9,00 Euro pro Packung. Eine weitere Anhebung auf 9,50 Euro ist für den 1. Januar 2027 vorgesehen.

Innerhalb der Branche werden diese Maßnahmen jedoch differenziert bewertet. Laut dem Apothekenklima-Index 2026, einer Umfrage unter 500 Inhabern, betrachten 39 Prozent der Befragten die Honorarerhöhung ohne eine dauerhafte Dynamisierung als wertlos.

Weitere 29 Prozent bezeichneten den Schritt als inkonsequent, während lediglich 15 Prozent darin ein wichtiges Signal sahen. Die aktuelle Gesundheitspolitik wurde von 47 Prozent der Umfrageteilnehmer mit den Noten mangelhaft oder ungenügend bewertet.

Strategische Forderungen an die Bundespolitik

Im Vorfeld des Deutschen Apothekertags, der vom 15. bis 17. September 2026 in München stattfindet, hat die ABDA einen 5-Punkte-Plan formuliert. Dieser richtet sich an Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann und umfasst Kernforderungen zur wirtschaftlichen Stabilisierung, zur Stärkung der Primärversorgung sowie zur Entbürokratisierung.

Ein zentraler Aspekt ist zudem die Eindämmung des Versandhandels, den ABDA-Präsident Preis als Störfaktor bezeichnete. In diesem Zusammenhang wird unter anderem ein Verbot des Zuzahlungserlasses in der Werbung gefordert.

Bedeutung für den Infektionsschutz

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16.488 Apotheken zählte die ABDA Ende Juni 2026 — 113 weniger als zum Jahreswechsel. Wer in diesem Umfeld bestehen will, braucht neue Standbeine: Impfungen, Blutabnahmen, Raucherentwöhnung. Der kostenlose Leitfaden zeigt, welche Zusatzleistungen sich für Ihre Apotheke rechnen. Leitfaden Zusatzleistungen jetzt sichern

Die Relevanz niedrigschwelliger Impfangebote wird durch Daten der Techniker Krankenkasse (TK) unterstrichen. Im Winter 2024/2025 lag die Grippeimpfquote unter TK-Versicherten bei 38 Prozent und damit auf dem Niveau vor der Pandemie. Das von der EU ausgegebene Ziel liegt hingegen bei 75 Prozent.

Regional zeigen sich erhebliche Unterschiede: Während in Sachsen-Anhalt eine Quote von 52 Prozent erreicht wurde, lag diese in Baden-Württemberg lediglich bei 24 Prozent. Da derzeit nur rund 10 Prozent der Apotheken Grippeimpfungen anbieten, wird in der geplanten Ausweitung ein wesentlicher Hebel zur Schließung dieser Versorgungslücken gesehen.

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