Grippeschutz, RKI-Auswertung

Grippeschutz: RKI-Auswertung zeigt große Impflücken bei chronisch kranken Kindern

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 08:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

RKI-Daten zeigen geringe Influenza-Impfquoten bei Risikogruppen; zugleich geben Kassen und Behörden Hinweise zu Schutz und Impfung.

Grippesaison: Impfquoten bleiben niedrig, Kommunen testen neue Angebote
Ein offenes Fenster in einem minimalistischen Raum mit Blick auf herbstliche Baumkronen bei natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die beginnende Erkältungs- und Grippesaison führt zu Hinweisen von Krankenkassen und Gesundheitsbehörden, wie sich die Bevölkerung auf die kommenden gesundheitlichen Belastungen vorbereiten kann. Mit sinkenden Temperaturen steigen die Fallzahlen bei Atemwegsinfekten erfahrungsgemäß kontinuierlich an.

Infektionswellen im Herbst und Winter

Daten der Krankenkassen verdeutlichen den saisonalen Verlauf. Nach Angaben der AOK nehmen Arztbesuche wegen Atemwegsinfekten ab Ende September bis zum Jahreswechsel zu. Krankmeldungen bei der Techniker Krankenkasse (TK) verzeichnen einen ersten Anstieg im Oktober, gefolgt von einer weiteren Zunahme im Januar und dem eigentlichen Höhepunkt im Februar.

Um Infektionen im Alltag vorzubeugen, rät die AOK dazu, Abstand zu erkrankten Personen zu halten oder andernfalls eine Maske zu tragen. Zudem schütze gründliches Händewaschen über einen Zeitraum von 20 bis 30 Sekunden mit Wasser und Seife.

Die TK empfiehlt das regelmäßige Lüften von Büros sowie Gemeinschaftsräumen und verweist darauf, dass ein Luftbefeuchter helfen könne. Die AOK schränkt hierbei ein, dass ein infektionsvorbeugender Effekt durch höhere Luftfeuchtigkeit wissenschaftlich nur schwach belegt sei.

Rolle von Schlaf, Stress und Lebensstil

Neben Hygiene spielen Lebensstilfaktoren eine Rolle für das Immunsystem. Die TK verweist auf Studien, nach denen Schlafmangel und Stress die Abwehrkräfte schwächen. Laut der AOK dämpft das Stresshormon Cortisol die Immunabwehr.

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Zur Stärkung können laut TK Saunagänge und Wechselduschen beitragen, wenngleich nicht als alleinige Maßnahme. Die AOK verweist auf eine deutsche Studie mit je 25 Teilnehmern, in der sich Saunagänger etwa halb so oft erkälteten; für gesicherte Aussagen seien jedoch weitere Untersuchungen nötig.

Hinsichtlich der Ernährung hält die TK Nahrungsergänzungsmittel für gesunde Menschen mit ausgewogener Kost in der Regel für unnötig. Nach Auswertung zahlreicher Studien sieht auch die AOK keine Belege dafür, dass Vitamin C, Zink, Knoblauch oder Vitamin D die Infektionsrate senken.

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Hat eine Erkältung bereits eingesetzt, rät die AOK zu viel Flüssigkeit und Ruhe. In diesem Stadium können Vitamin C und Zink die Krankheitsdauer verkürzen. Beide Kassen empfehlen Erkrankten, drei bis fies Tage zu Hause zu bleiben.

Impfangebote und Empfehlungen für Risikogruppen

Als wichtigste Schutzmaßnahme gegen schwere Verläufe gilt die Grippeschutzimpfung. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die jährliche Impfung insbesondere Personen ab 60 Jahren, Menschen mit Vorerkrankungen, Bewohnern von Pflegeeinrichtungen, Schwangeren ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel sowie Beschäftigten mit erhöhtem beruflichem Infektionsrisiko.

Der Impfstoff wird jährlich angepasst, der Aufbau des Schutzes dauert rund zwei Wochen. Laut STIKO kann zeitgleich auch eine indizierte COVID-19-Impfung verabreicht werden. Kommunale Ämter, darunter das Kreisgesundheitsamt Neuss und das Gesundheitsamt Münster, raten vorzugsweise zu einer Impfung zwischen Oktober und Mitte Dezember.

Dass bei der Inanspruchnahme Lücken bestehen, zeigt eine Auswertung des Robert Koch-Instituts (RKI) im Epidemiologischen Bulletin vom September 2026: Über elf Saisons hinweg waren nur rund 10 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit chronischen Grunderkrankungen gegen Influenza geimpft.

Bei Erwachsenen mit Grunderkrankung lag die Quote in der Saison 2024/25 bei 12 Prozent, bei Über-60-Jährigen bei 35 Prozent. Kommunen erproben daher auch neue Zugangswege: In München richtete die Stadt auf dem Oktoberfest ein niedrigschwelliges Impfangebot ein, bei dem innerhalb der ersten sechs Tage 322 Dosen verabreicht wurden.

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