Gürtelrose-Impfung, Shingrix

Gürtelrose-Impfung: Shingrix senkt Demenzrisiko in Pflegeheimen um 24 Prozent

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 22:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Beobachtungsdaten verbinden Gürtelrose-Impfungen mit weniger Demenzfällen; ein ursächlicher Schutz ist bislang nicht nachgewiesen.

Gürtelrose-Impfung und Demenzrisiko: Studien zeigen mögliche Zusammenhänge
Ein minimalistischer, steriler Behandlungsraum mit einem leeren Edelstahltablett in einem neutralen, hellen Ambiente. Illustration mit AI erstellt.

Die Impfung gegen Gürtelrose steht zunehmend im Fokus der neurologischen und geriatrischen Präventionsforschung. Mehrere groß angelegte epidemiologische Untersuchungen liefern Hinweise darauf, dass moderne Vakzine nicht nur vor dem Herpes-Zoster-Virus schützen, sondern auch mit einer messbaren Senkung des Demenzrisikos einhergehen könnten. Eine detaillierte Betrachtung der Studienlage verdeutlicht die beobachteten Zusammenhänge, methodischen Grenzen und biologischen Hypothesen.

Erkenntnisse der Brown University bei Pflegeheimbewohnern

Eine im Fachjournal Annals of Internal Medicine veröffentlichte Ziel-Trial-Simulation der Brown University untersuchte die Daten von 509.926 US-Patienten ab 66 Jahren, die zwischen Januar 2017 und Dezember 2022 in Pflegeeinrichtungen lebten.

Bei Personen, die innerhalb von 12 Monaten nach der Aufnahme mindestens eine Dosis des rekombinanten Totimpfstoffs Shingrix erhielten, sank das Demenzrisiko über einen Zeitraum von vier Jahren auf 18,8 Prozent, verglichen mit 24,6 Prozent in der ungeimpften Gruppe. Dies entspricht einem absoluten Rückgang um 5,8 Prozentpunkte sowie einer relativen Verringerung um 24 Prozent. Studienleiterin Kaleen Hayes von der Brown University errechnete, dass damit bis zu 1 von 17 Demenzfällen verhindert werden könnte.

Die Untersuchung ergab jedoch auch, dass lediglich 1,73 Prozent (8.843 Personen) der Kohorte geimpft waren, davon 87 Prozent erst nach der Entlassung. Der Schutzeffekt zeigte sich bei Männern sowie bei Personen mit früherer Zostavax-Impfung schwächer ausgeprägt.

Nach Durchführung einer Negativkontrollanalyse zur Adjustierung auf Gesundheitsunterschiede, die auf eine allgemein gesündere Konstitution der Geimpften hindeutete, verblieb ein relatives Risiko von minus 12 Prozent.

Internationale Vergleichsdaten und die Rolle von Adjuvanzien

Die Resultate ergänzen frühere wissenschaftliche Erkenntnisse. Eine im Jahr 2024 im Fachmagazin Nature erschienene Untersuchung von John Todd, Max Taquet und Paul Harrison an über 200.000 elektronischen Patientenakten in den USA zeigte nach einer Shingrix-Gabe innerhalb von sechs Jahren eine um mindestens 23 bis 27 Prozent niedrigere Demenzdiagnoserate. Dies entsprach einer Verzögerung des Auftretens um 164 Tage oder mehr; für einen Zeitraum von sieben Jahren wurde eine durchschnittliche Verzögerung um fünf bis sechs Monate beziehungsweise eine Risikoreduktion um 20 Prozent geschätzt.

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Auch hier fiel der Schutz bei Frauen stärker aus als bei Männern, was sich mit einer früheren Studie der Stanford University zum Vorgängerimpfstoff Zostavax deckt, die eine Risikominderung von 19,9 Prozent ausschließlich bei Frauen festgestellt hatte.

Eine italienische Auswertung von 21 Studien mit über 104 Millionen Teilnehmern brachte eine Gürtelrose-Impfung mit einem um 47 Prozent geringeren Alzheimer-Risiko und einem um 24 Prozent geringeren Gesamtdemenzrisiko in Verbindung. In Wales analysierten Forschende in einer Nature-Studie 280.000 ältere Erwachsene über sieben Jahre hinweg: Geimpfte wiesen 20 Prozent seltener eine leichte kognitive Beeinträchtigung auf.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen den Generationen von Impfstoffen ist die Zusammensetzung: Shingrix enthält das Adjuvans AS01, der ältere Lebendimpfstoff Zostavax hingegen nicht.

Diesen Wirkverstärker untersuchte auch eine US-Studie an über 430.000 Personen mit dem RSV-Impfstoff Arexvy, der ebenfalls AS01 enthält: Hier zeigte sich ein um 29 Prozent geringeres Demenzrisiko innerhalb von 18 Monaten nach der Impfung, während Standard-Grippeimpfstoffe ohne AS01 keinen vergleichbaren Effekt aufwiesen.

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Eine weitere US-Studie an 3.800 über 70-Jährigen verknüpfte die Herpes-Zoster-Impfung zudem mit verringerter chronischer Entzündung und verlangsamten Genaktivitätsänderungen.

Vaskuläre Effekte und ausstehende Kausalitätsnachweise

Als weitere Erklärung für den Effekt gelten vaskuläre Mechanismen. Eine Oxford-Studie unter Leitung von Max Taquet ergab, dass Shingrix das Risiko für Herzinfarkte oder Hirnschläge um 9 Prozent senkt, basierend auf einer siebenjährigen Nachverfolgung zweier Gruppen von je 36.000 US-Patienten.

Christoph Berger, Immunologe und Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (EKIF), ordnete eine Reduktion um 9 Prozent bei derart häufigen Erkrankungen als sehr großen Effekt für eine Intervention mit nur zwei Dosen ein. In der Schweiz gilt eine Impfempfehlung ab 65 Jahren.

Trotz der konsistenten statistischen Zusammenhänge betonen Forschende bestehende Limitationen: Die vorliegenden Daten beruhen weitgehend auf administrativen Abrechnungssystemen und Beobachtungsstudien; eine Kausalität ist bisher nicht bewiesen.

Demenz-Spezialist Marc Aurel Busche von der Universität Basel verwies darauf, dass der endgültige Beweis noch ausstehe, wenngleich sich bei einer Bestätigung in randomisierten kontrollierten Studien ein erheblicher Effekt auf Bevölkerungsebene ergeben würde. Um belastbare Kausalitätsnachweise zu erbringen, ist in Finnland bereits eine entsprechende Demenz-Studie mit 35.000 Teilnehmenden angelaufen.

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