Hacker-Angriffe: Drittanbieter-Infiltration steigt um 60 Prozent
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 23:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Hacker setzen verstärkt auf vertrauenswürdige Software und KI-Plattformen, um Unternehmen zu infiltrieren. Die Zahl der Angriffe über Drittanbieter ist innerhalb eines Jahres um 60 Prozent gestiegen.
Die neue Masche: Vertrauen als Einfallstor
Cyberkriminelle haben ihre Taktik grundlegend geändert. Statt plumper Phishing-Mails setzen sie auf ausgeklügelte Methoden, die das Vertrauen der Nutzer in bekannte Software und KI-Tools ausnutzen. Der aktuelle „Verizon Data Breach Investigations Report 2026" zeigt: Fast die Hälfte aller registrierten Sicherheitsvorfälle (48 Prozent) geht auf Angriffe über Drittanbieter zurück.
Besonders perfide: Die Angreifer nutzen die Beliebtheit von KI-Plattformen wie ChatGPT und Claude für ihre Zwecke.
„FakeAgent"-Kampagne: Wenn Werbung zur Falle wird
Mitte Juli entdeckten Sicherheitsforscher eine ausgeklügelte Malvertising-Kampagne mit dem Namen „FakeAgent". Zwischen dem 21. und 22. Juli wurden mindestens 29 Organisationen kompromittiert. Die Angreifer schalteten gesponserte Bing-Anzeigen für eine angebliche „Claude Desktop App". Nutzer wurden zwar auf die legitime Domain claude.ai weitergeleitet, landeten dann aber auf einem manipulierten „Claude Artifact" – einer Funktion zum Teilen KI-generierter Inhalte –, das einen Software-Installer vortäuschte.
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Bevor die schadhafte Seite vom Netz ging, verzeichnete sie rund 7.100 Aufrufe. Im Hintergrund installierte sich der Schädling SectopRAT – ein Trojaner mit Fernzugriff, der seit 2019 aktiv ist und Zugangsdaten, Kreditkarteninformationen sowie Nachrichtenverläufe stehlen kann. Die Tarnung ist hochprofessionell: Die Angreifer nutzen die Ethereum-Blockchain, um ihre Kommando- und Kontrollbefehle zu verstecken – eine Technik namens „EtherHiding".
„FakeGit": 14 Millionen Downloads aus Schad-Repositories
Noch größer dimensioniert ist die „FakeGit"-Kampagne, die im Frühjahr 2026 ihren Höhepunkt erreichte. Rund 7.600 schadhafte GitHub-Repositories wurden identifiziert. Über 800 davon tarnten sich als KI-Fähigkeiten oder MCP-Server (Model Context Protocol).
Die Masche ist besonders tückisch: KI-Coding-Agenten entdecken und empfehlen diese schädlichen Repositories autonom an die Nutzer – eine Technik, die als „AgentBaiting" bezeichnet wird. Rund 200 der betroffenen Repositories verzeichneten insgesamt über 14 Millionen Downloads. Die ausgelieferte Malware: SmartLoader und StealC.
Trojanisierte Plugins: Wenn die vertraute Software zur Waffe wird
Das ukrainische CERT-UA warnt vor einer aktuellen Kampagne der Hackergruppe UAC-0099. Die Angreifer nutzen die Plugin-Architektur legitimer Software aus – konkret eine manipulierte Version des NppExport.dll-Plugins für den Texteditor Notepad++.
Die Angreifer verteilen ein ZIP-Archiv mit einer legitimen Notepad++-Version 8.8.3 und der schadhaften Plugin-Datei. Startet der Nutzer das Programm, lädt es die manipulierte DLL, die dann die Schadsoftware BurnyBear und MatchBoil V2 nachlädt. Die Notepad++-Entwickler betonen: Es handelt sich nicht um eine Sicherheitslücke, sondern um die reguläre Plugin-Funktionalität, die hier missbraucht wird.
CERT-UA empfiehlt als Schutzmaßnahme, kritische Software auf die aktuellsten Versionen zu aktualisieren – konkret Notepad++ 8.9.7, 7-Zip 26.02 und WinRAR 7.23.
Phishing: Microsoft bleibt Spitzenreiter, ChatGPT neu in den Top 10
Markenimitation bleibt der häufigste Einstiegsweg für Angreifer. Im zweiten Quartal 2026 war Microsoft mit 22,6 Prozent aller Phishing-Versuche die am häufigsten imitierte Marke. Erstmals tauchte auch ChatGPT in den Top 10 auf – mit einem Anteil von 1,1 Prozent. Besonders perfide: Im Juni wurden gefälschte E-Mails mit dem Betreff „ChatGPT Plus-Zahlung fehlgeschlagen" verschickt, um an Finanzdaten zu gelangen.
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Angriff auf die Infrastruktur: DNS-Poisoning in Hotels
Eine neue Bedrohungsquelle betrifft Geschäftsreisende. Seit Juni 2026 läuft eine DNS-Poisoning-Kampagne, die auf Hotel- und Konferenz-WLAN-Netzwerke in den USA, Indien und Saudi-Arabien abzielt. Die Angreifer kompromittieren die Captive-Portal-Geräte der Hotels und leiten Nutzer auf gefälschte Microsoft-365-Anmeldeseiten um, um Unternehmenszugangsdaten zu stehlen.
Zero-Click-Angriffe: Kein Klick nötig für die Katastrophe
Das britische National Cyber Security Centre (NCSC) warnt zudem vor „Zero-Click"-Phishing-Kampagnen gegen die Zimbra Collaboration Suite. Laut aktuellen Daten von Rapid7 entfallen mittlerweile 38 Prozent aller initialen Zugriffe auf die Ausnutzung von Sicherheitslücken – mehr als die Hälfte davon sind Zero-Click-Angriffe, die keinerlei Nutzerinteraktion erfordern.
Schutzmaßnahmen: Von statischen Checklisten zu Echtzeit-Überwachung
Der Verizon DBIR 2026 rät Unternehmen dringend, von jährlichen statischen Sicherheitschecklisten Abstand zu nehmen. Stattdessen empfehlen Experten:
- Code-Herkunft prüfen: Jedes heruntergeladene Skript, Plugin oder Artefakt auf Herkunft und Integrität kontrollieren
- Verhaltensanalyse: Ungewöhnliche geplante Tasks oder Änderungen an Sicherheitseinstellungen überwachen
- Zero-Trust-Konnektivität: Immer aktive VPNs durchsetzen und veraltete Protokolle wie WPAD deaktivieren
- KI-Tool-Isolation: Neue KI-Fähigkeiten oder Repository-basierte Tools vor dem Einsatz in der Produktion in Sandbox-Umgebungen testen
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