Hacktivisten drohen EU: LunarisSec fordert Stopp der Chat-Kontrolle
Veröffentlicht am: 02.08.2026 um 13:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Hacktivistengruppe LunarisSec hat der Europäischen Union mit massiven Cyberangriffen gedroht, sollten die aktuellen Pläne zur sogenannten Chat-Kontrolle nicht aufgegeben werden. Die Gruppe veröffentlichte am Wochenende ein entsprechendes Ultimatum über ihren Telegram-Kanal, der nach vorliegenden Informationen bereits seit Januar 2026 aktiv betrieben wird.
Forderungskatalog und Drohpotenzial
Die Aktivisten fordern in ihrer Stellungnahme den sofortigen Stopp der Gesetzgebungsverfahren Chat Control 1.0 und 2.0. Zu den Kernpunkten ihrer Forderungen gehören der bedingungslose Schutz der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sowie eine umfassende Transparenz bei der Weitergabe von Nutzerdaten. Darüber hinaus verlangt die Gruppe die Etablierung einer unabhängigen Aufsichtsstelle, um die Einhaltung digitaler Bürgerrechte zu gewährleisten.
Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Behauptung von LunarisSec, bereits spezifische Schwachstellen in den IT-Systemen der Europäischen Union identifiziert zu haben. Ob diese Sicherheitslücken tatsächlich existieren und für Angriffe ausgenutzt werden können, ist derzeit nicht verifiziert. Dennoch unterstreicht die Drohung die angespannte Sicherheitslage im Kontext der europäischen Digitalgesetzgebung.
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Politischer Hintergrund und gescheiterte Blockade
Die Drohungen der Hacktivisten fallen zeitlich mit einer richtungsweisenden Abstimmung im EU-Parlament zusammen. Dort scheiterte am Vortag ein Versuch, die Chat-Kontrolle zu blockieren. Bei der Abstimmung votierten 314 Abgeordnete gegen die neuen Regeln, während 276 Parlamentarier dafür stimmten. Es gab 17 Enthaltungen. Da für eine erfolgreiche Blockade eine absolute Mehrheit von 361 Stimmen erforderlich gewesen wäre, verfehlte das Vorhaben das notwendige Quorum.
In der Folge wurde die Regelung Chat Control 1.0 vorerst bis zum Jahr 2028 verlängert. Dieser rechtliche Rahmen erlaubt es Dienstleistern derzeit noch auf freiwilliger Basis, unverschlüsselte Nachrichten zu durchsuchen. Die Kritik von Datenschützern an diesem Vorgehen ist massiv. Unter anderem wies Patrick Breyer auf die Gefahren für die Privatsphäre hin, die mit diesen Überwachungsmaßnahmen einhergehen.
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Ausblick auf Chat Control 2.0
Während Chat Control 1.0 als befristete Maßnahme konzipiert ist, arbeitet die Europäische Union bereits an der dauerhaften Nachfolgeregelung Chat Control 2.0. Diese soll die Durchsuchungsbefugnisse verstetigen und potenziell ausweiten. Die Verhandlungen über die Ausgestaltung dieser zweiten Stufe sollen nach aktuellen Planungen im September aufgenommen werden.
Branchenexperten und Sicherheitsanalysten beobachten die Situation genau, da die Drohungen von LunarisSec eine neue Stufe der Eskalation in der Debatte um digitale Überwachung und Verschlüsselung darstellen. Die EU-Institutionen stehen nun vor der Herausforderung, sowohl die Sicherheit ihrer digitalen Infrastruktur zu gewährleisten als auch den politischen Diskurs über die umstrittenen Überwachungspläne fortzuführen.
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