HĂ€moglobinwerte, Studie

HÀmoglobinwerte: Studie mit 316.542 Erwachsenen findet erhöhtes Demenzrisiko

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 16:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Langzeitstudie verbindet niedrige und hohe HÀmoglobinwerte mit einem erhöhten Demenzrisiko, belegt jedoch keine Ursache-Wirkung-Beziehung.
Ein steriler Labortisch mit leeren ReagenzglÀsern in einer medizinischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die Zusammensetzung des Blutes liefert der Medizin seit langem wichtige Hinweise auf den allgemeinen Gesundheitszustand. Eine im Oktober 2026 auf dem 39. ECNP-Kongress in MĂŒnchen vorgestellte und im Fachblatt Journal of Alzheimer's Disease publizierte Untersuchung verdeutlicht nun, dass HĂ€moglobinwerte auch als relevanter Indikator fĂŒr das spĂ€tere Demenzrisiko dienen können.

Sowohl auffallend niedrige als auch besonders hohe Werte des sauerstofftransportierenden Proteins stehen demnach in Verbindung mit neurodegenerativen Erkrankungen.

Langzeitbeobachtung an ĂŒber 300.000 Erwachsenen

Grundlage der wissenschaftlichen Auswertung bildete eine umfangreiche Kohorte von 316.542 koreanischen Erwachsenen ab einem Alter von 40 Jahren. Die Teilnehmer hatten in den Jahren 2004 und 2005 an einem standardisierten Gesundheits-Screening teilgenommen, woraufhin eine Nachbeobachtung hinsichtlich auftretender Demenzerkrankungen ĂŒber einen Zeitraum von 15 Jahren bis zum Jahr 2019 stattfand.

Frauen stellten 42 Prozent dieser Studienkohorte; bei ihnen fiel der statistische Zusammenhang zwischen den Blutwerten und dem Erkrankungsrisiko besonders deutlich aus.

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Bei der Einteilung der Probanden in Quintile diente das vierte Quintil als Referenzgruppe. Ein Vergleich zeigte, dass das niedrigste HĂ€moglobin-Quintil mit einem um 16 Prozent erhöhten Gesamtrisiko fĂŒr Demenz assoziiert war. Im höchsten Quintil lag das Risiko um 7 Prozent ĂŒber dem der Referenzgruppe.

Bei einer differenzierten Betrachtung einzelner Krankheitsformen ergaben sich spezifische Muster: Das Risiko fĂŒr eine Alzheimer-Demenz stieg ausschließlich bei niedrigen HĂ€moglobinwerten um 14 Prozent an. Bei vaskulĂ€rer Demenz zeigte sich hingegen ein beidseitiger Anstieg um 19 Prozent bei niedrigem und um 18 Prozent bei hohem HĂ€moglobin.

Mögliche Mechanismen im Gehirn

Fachleute betonen, dass die Daten keinen Kausalnachweis liefern; HĂ€moglobin gelte primĂ€r als Marker fĂŒr die Hirngesundheit und nicht als eigenstĂ€ndige Krankheitsursache. Der Hauptautor der Studie, Hyun Soo Kim von der Dong-A UniversitĂ€t Busan, warnte in diesem Zusammenhang vor einer Eisensupplementierung ohne vorherige Ă€rztliche RĂŒcksprache.

Medizinische ErklĂ€rungsansĂ€tze fĂŒr den beobachteten U-förmigen Verlauf liegen in der Sauerstoff- und Blutversorgung des Denkorgans. Eine FamilienĂ€rztin legte im Oktober 2026 in einem Medieninterview dar, dass eine AnĂ€mie zu einer chronischen Hirnhypoxie fĂŒhren könne.

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Da das menschliche Gehirn bis zu 20 Prozent des gesamten Sauerstoffs verbraucht, sterben unzureichend versorgte Neuronen ab, was neurodegenerative Prozesse in Gang setzt. Umgekehrt sorge ein dauerhaft zu hoher HĂ€moglobin wert fĂŒr eine erhöhte BlutviskositĂ€t. Das zĂ€hflĂŒssigere Blut fĂŒhre zu MikrogefĂ€ĂŸschĂ€den, dem Verschluss von Kapillaren und letztlich zum Absterben grauer Hirnsubstanz.

Potenzial fĂŒr die FrĂŒherkennung

Vor diesem Hintergrund empfehlen Mediziner regelmĂ€ĂŸige Blutbildkontrollen, um AuffĂ€lligkeiten frĂŒhzeitig zu erfassen. Nach EinschĂ€tzung einer befragten FamilienĂ€rztin könne ein routinemĂ€ĂŸiges Blutbild das Demenzrisiko bereits 10 bis 15 Jahre vor dem eigentlichen Beginn klinischer Symptome vorhersagen.

Auch das französische Magazin Top SantĂ© berichtete im Oktober 2026 darĂŒber, dass ein einfacher Bluttest Aufschluss ĂŒber die Hirngesundheit bis zu 15 Jahre vor den ersten Anzeichen einer Erkrankung geben könnte.

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