Psychologie, Halloween

Halloween: Warum manche Menschen Horror besonders mögen

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Ob ein Horrorfilm Spaß macht oder belastet, hĂ€ngt unter anderem von der persönlichen Angstschwelle, dem Umgang mit Unsicherheit und bisherigen Erfahrungen ab. Wer sich freiwillig gruselt, kann Anspannung und Erleichterung als kontrollierbares Erlebnis verbinden.

Horror zwischen Angst und VergnĂŒgen

  • Marc Malmdorf Andersen erklĂ€rt das Gruseln als GefĂŒhl zwischen Gefahr und Nicht-Gefahr.
  • Eine US-Studie aus dem Jahr 2024 untersuchte die Wirkung mehrdeutiger und eindeutig gruseliger Bilder.
  • Eine Studie von 2022 unterschied bei Horrorfans drei Typen: Adrenalin-Junkies, White Knucklers und Dark Copers.
  • Menschen gruseln sich unterschiedlich. (Archivbild) - Bild: Sebastian Gollnow/dpa
  • Jeder Mensch hat seinen eigenen optimalen Grad an Angst. (Archivbild) - Bild: Marcus Brandt/dpa
  • Sich weniger gruseln kann trainiert werden. (Archivbild) - Bild: Lars Penning/dpa
  • Viele Menschen gruseln sich sehr gerne. (Symbolbild) - Bild: Andreea Alexandru/AP/dpa
Menschen gruseln sich unterschiedlich. (Archivbild) - Bild: Sebastian Gollnow/dpa Jeder Mensch hat seinen eigenen optimalen Grad an Angst. (Archivbild) - Bild: Marcus Brandt/dpa Sich weniger gruseln kann trainiert werden. (Archivbild) - Bild: Lars Penning/dpa Viele Menschen gruseln sich sehr gerne. (Symbolbild) - Bild: Andreea Alexandru/AP/dpa

Warum Horror manche Menschen reizt

WÀhrend manche Menschen Halloween mit Horrorfilmen und Gruselaktionen feiern, meiden andere solche Reize konsequent. Der Verhaltensforscher Marc Malmdorf Andersen von der UniversitÀt Aarhus erklÀrt, warum dieselbe Szene bei Menschen unterschiedlich starke Reaktionen auslösen kann.

Unheimlichkeit entsteht durch Unklarheit

Gruseln entsteht hĂ€ufig, wenn eine Situation weder eindeutig gefĂ€hrlich noch harmlos wirkt. Unheimlichkeit beschreibt dabei das GefĂŒhl, dass etwas nicht stimmt, obwohl sichtbare Hinweise auf eine unmittelbare Bedrohung fehlen.

Wie stark die Reaktion ausfÀllt, hÀngt laut Andersen von der persönlichen Angstschwelle ab. Manche Menschen empfinden bereits einen Thriller als ausreichend, andere suchen deutlich stÀrkere Reize.

Mehrdeutigkeit kann Angst verstÀrken

Eine Rolle spielt auch, wie gut Menschen Unbekanntes und Uneindeutigkeit aushalten. Eine 2024 veröffentlichte US-Studie kam zu dem Ergebnis, dass bestimmte Teilnehmer mehrdeutige Bilder als unheimlicher, verwirrender und beunruhigender bewerteten als Motive, die von vornherein als gruselig eingestuft waren.

Erfahrung kann die Reaktion verÀndern. Wer hÀufig Horrorfilme schaut, gewöhnt sich mitunter an Herzklopfen und Anspannung und kann besser einschÀtzen, was in einer Handlung oder im eigenen Körper als NÀchstes geschieht.

Vermeidung hÀlt Erwartungen stabil

Wer Grusel aus Angst vermeidet, bekommt dagegen keine Gelegenheit, seine Erwartungen zu ĂŒberprĂŒfen. In Studien des Teams um Andersen ĂŒberschĂ€tzten viele Menschen vor dem Besuch einer Geisterbahn ihre spĂ€tere Angst und unterschĂ€tzten, wie viel Freude ihnen das Erlebnis bereiten könnte.

Ohne die Erfahrung bleibt die ursprĂŒngliche Erwartung bestehen. Durch eine freiwillige Begegnung mit der Situation kann sie sich verĂ€ndern, erklĂ€rt der Forscher.

Drei Typen von Horrorfans

Eine Studie von Andersen und Mathias Clasen aus dem Jahr 2022 unterschied bei US-amerikanischen und dĂ€nischen Horrorfans drei Grundtypen. Adrenalin-Junkies genießen das Gruseln und fĂŒhlen sich danach besser.

„White Knucklers“ empfinden die Angst eher als unangenehm, suchen aber die Herausforderung und verbinden sie mit persönlicher Weiterentwicklung. „Dark Copers“ kombinieren beide Muster: Sie genießen die bessere Stimmung und das GefĂŒhl, etwas ĂŒber sich zu lernen.

Angst und VergnĂŒgen liegen nah beieinander

Als GrĂŒnde fĂŒr die Lust am Gruseln nennt Andersen Neugier und Wissbegierde. Menschen können sich freiwillig mit Unsicherheit auseinandersetzen und dabei etwas ĂŒber sich erfahren.

Horror verbindet dabei Angst und VergnĂŒgen, wenn die Sicherheit der Situation grundsĂ€tzlich feststeht. Nach der Anspannung kann die Erleichterung besonders intensiv ausfallen. Gruseln ist dann nicht nur Ablenkung, sondern auch eine kontrollierbare Auseinandersetzung mit Unsicherheit.

Grusel entsteht besonders dann, wenn eine Situation nicht eindeutig als gefĂ€hrlich oder harmlos zu erkennen ist. Dieses GefĂŒhl der Unheimlichkeit unterscheidet sich von klarer Angst: Das Gehirn sucht nach einer ErklĂ€rung, wĂ€hrend die Bedrohung zugleich begrenzt bleibt.

Entscheidend ist, ob Menschen Unsicherheit und Mehrdeutigkeit aushalten. Erfahrungen mit Horror können die Reaktion verĂ€ndern, weil typische AblĂ€ufe und körperliche Signale vertrauter werden. Wer dagegen gruselige Situationen konsequent vermeidet, behĂ€lt seine ursprĂŒngliche Erwartung hĂ€ufig bei und kann sie nicht durch eigene Erfahrungen korrigieren.

Angst als kontrolliertes Erlebnis

Horror funktioniert vor allem unter sicheren Bedingungen. Auf dem Sofa oder in einer Geisterbahn wissen die Beteiligten grundsÀtzlich, dass die Bedrohung inszeniert ist. Dadurch können Anspannung und Erleichterung unmittelbar aufeinanderfolgen. Der Körper reagiert dennoch mit erhöhter Aufmerksamkeit, Herzklopfen und Stress, wÀhrend der Verstand die Situation als kontrollierbar einordnet.

Die Forschung unterscheidet deshalb nicht einfach zwischen Ă€ngstlichen und furchtlosen Menschen. Manche suchen starke Reize, andere nehmen Angst als Herausforderung an. Wieder andere verbinden den Nervenkitzel mit dem GefĂŒhl, etwas ĂŒber sich zu lernen. FĂŒr Leser bedeutet das: Es gibt keinen allgemein richtigen Umgang mit Horror. Ein Reiz, der den einen unterhĂ€lt, kann einen anderen ĂŒberfordern.

Was Erfahrung verÀndern kann

Die Halloween-Saison macht diesen Mechanismus sichtbar. Filme, Attraktionen und Mutproben erlauben es, Unsicherheit in einem begrenzten Rahmen auszuprobieren. Das kann Erwartungen verĂ€ndern und erklĂ€ren, warum regelmĂ€ĂŸige Horrorfans oft stĂ€rkere Reize suchen, wĂ€hrend Vermeidung Ängste stabilisieren kann. Eine solche Konfrontation ist jedoch nur dann sinnvoll, wenn sie freiwillig bleibt und die jeweilige Belastungsgrenze respektiert.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

FOCUS: „Jeder Mensch hat seinen eigenen optimalen Grad an Angst“ (30.10.2026)

Der Beitrag greife die individuelle Angstschwelle, die Wirkung von Erfahrung und die verschiedenen Typen von Horrorfans auf. Er setze damit denselben Schwerpunkt wie die Meldung und ergĂ€nze insbesondere die Einteilung in Adrenalin-Junkies, „White Knucklers“ und „Dark Copers“.

SWR Kultur: „Horror, Thriller, True Crime – Warum wir uns gerne gruseln“ (30.10.2026)

Der Beitrag ordne die Lust am Gruseln zusĂ€tzlich historisch und gesellschaftlich ein. Er stelle den Begriff „Angstlust“ sowie die mögliche Rolle von Horror bei der StressbewĂ€ltigung heraus, wĂ€hrend die dpa-Meldung stĂ€rker auf individuelle Unterschiede und Lernerfahrungen fokussiere.

Beide BeitrĂ€ge stimmten darin ĂŒberein, dass kontrollierte Angst VergnĂŒgen auslösen kann. Unterschiedliche Akzente liegen bei der persönlichen Gewöhnung einerseits und beim Einfluss von Krisen und Zeitgeist andererseits.

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