Medizinpreise 2026: Jung-Stiftung zeichnet Forschung zu Schmerztherapie, KI in der Krebschirurgie und Diagnostik seltener Erkrankungen aus
21.05.2026 - 08:00:00 | presseportal.de
Der Jung-Preis fĂŒr Medizin 2026 geht an die Pharmakologin Rohini Kuner von der UniversitĂ€t Heidelberg. Der Jung-Karriere-Förderpreis 2026 wird an die Ărztin und Wissenschaftlerin Fiona Kolbinger von der Dresdner Hochschulmedizin verliehen. Die Jung-Medaille fĂŒr Medizin in Gold 2026 erhĂ€lt der Molekularbiologe Taroh Kinoshita von der University of Osaka. Die ausgezeichneten Forschungsarbeiten verfolgen ein gemeinsames Ziel: Die Entwicklung neuer Therapiemöglichkeiten.
Schmerzforschung: Rohini Kuner erhĂ€lt Jung-Preis fĂŒr Medizin 2026
Professorin Rohini Kuner, (55), Pharmakologisches Institut der Medizinischen FakultĂ€t Heidelberg der UniversitĂ€t Heidelberg, erforscht, wie sich das Nervensystem unter anhaltenden Reizen verĂ€ndert und dadurch chronischer Schmerz entsteht. Im Zentrum steht die neuronale PlastizitĂ€t - die FĂ€higkeit von Nervenzellen, sich strukturell und funktional anzupassen. Ihre Arbeiten zeigen, wie Schmerz im Körper gespeichert und verstĂ€rkt wird. Daraus ergeben sich neue Ansatzpunkte fĂŒr Therapien, die gezielter und langfristig wirksam sind. FĂŒr diese Erkenntnisse erhĂ€lt Kuner den mit 300.000 Euro dotierten Jung-Preis fĂŒr Medizin 2026.
Kuner stammt aus Indien und zog 1991 fĂŒr ihre Promotion in die USA. 1995 fĂŒhrte ihr wissenschaftlicher Weg sie an die UniversitĂ€t Heidelberg, wo sie 2005 habilitierte. Die mehrfach ausgezeichnete Pharmakologin kam dort auch dank einiger Mentoren schnell zur Neurowissenschaft und Schmerzforschung. Seit 2015 leitet Kuner einen groĂen Sonderforschungsbereich, der prĂ€klinische und klinische Forschung zu chronischen Schmerzen vereint, und konzentriert sich innerhalb ihrer eigenen multidisziplinĂ€ren Gruppe insbesondere auf die translationale Forschung. "Ich bin am glĂŒcklichsten, wenn ich im Labor bin, hautnah dran an der Forschung."
KI in der Krebschirurgie: Fiona Kolbinger erhÀlt Jung-Karriere-Förderpreis 2026
Dr. Fiona Kolbinger (30) arbeitet als Ărztin und Wissenschaftlerin an der Klinik fĂŒr Viszeral-, Thorax- und GefĂ€Ăchirurgie am UniversitĂ€tsklinikum Carl Gustav Carus und der Medizinischen FakultĂ€t der Technischen UniversitĂ€t Dresden an der Schnittstelle von Chirurgie, Datenwissenschaft und KĂŒnstlicher Intelligenz. Ihr Forschungsprojekt analysiert Behandlungsergebnisse in der onkologischen Rektumchirurgie mithilfe kausaler Modelle. Ziel ist es, Ursachen fĂŒr Komplikationen zu erkennen und Operationen prĂ€ziser zu planen. Die Forschung soll dazu beitragen, Eingriffe sicherer zu machen und die Versorgung von Patientinnen und Patienten zu verbessern. Die Jung-Stiftung zeichnet Kolbinger dafĂŒr mit dem Jung-Karriere-Förderpreis 2026 aus, der mit 210.000 Euro dotiert ist.
Kolbinger verbindet klinische Praxis mit datengetriebener Forschung und internationaler Zusammenarbeit. Ihre wissenschaftliche Arbeit ist seit Jahren durch die Zusammenarbeit mit dem Else Kröner Fresenius Zentrum (EKFZ) fĂŒr Digitale Gesundheit an der TU Dresden und dem Nationalen Centrum fĂŒr Tumorerkrankungen (NCT/UCC) Dresden eng mit interdisziplinĂ€ren Forschungseinrichtungen in Dresden verbunden. Seit 2023 leitet Kolbinger eine Forschungsgruppe an der Purdue University, einer fĂŒhrenden ingenieurwissenschaftlichen UniversitĂ€t in den USA, in der Mediziner:innen, Datenwissenschaftler:innen und Ingenieur:innen zusammenarbeiten. Ihr Ansatz in Forschung und Leben folgt einer klaren Haltung: "Nur weil noch niemand einen bestimmten Weg gegangen ist, heiĂt das nicht, dass er nicht zum Ziel fĂŒhrt."
Seltene Erkrankungen: Taroh Kinoshita erhĂ€lt Jung-Medaille fĂŒr Medizin 2026
Professor Taroh Kinoshita (74) vom Center for Infectious Disease Education and Research (CiDER) an der University of Osaka hat den Biosyntheseweg der sogenannten GPI-Anker aufgeklĂ€rt. Diese MolekĂŒle sorgen dafĂŒr, dass Proteine korrekt an Zellmembranen verankert werden - ein zentraler Prozess fĂŒr die Funktion vieler Zellen. Seine Forschung hat wesentlich dazu beigetragen, Krankheitsmechanismen besser zu verstehen, insbesondere bei seltenen und komplexen Erkrankungen. Sie bildet eine Grundlage fĂŒr prĂ€zisere Diagnostik und neue therapeutische AnsĂ€tze. FĂŒr sein wissenschaftliches Lebenswerk erhĂ€lt Kinoshita die Jung-Medaille fĂŒr Medizin in Gold 2026. Die Auszeichnung ist mit 30.000 Euro zur Förderung eines/einer Nachwuchswissenschaftler:in verbunden.
Kinoshita prĂ€gte ĂŒber Jahrzehnte die molekularbiologische Forschung und setzte sich frĂŒh klare wissenschaftliche Ziele. Mit der AufklĂ€rung zentraler Mechanismen der GPI-Biosynthese hat er diese konsequent erreicht. RĂŒckblickend zieht er eine nĂŒchterne Bilanz seines Weges: "Als ich mich aus der aktiven Forschung zurĂŒckgezogen habe, hatte ich meine Ziele erreicht." Heute nutzt er seine Erfahrung, um gezielt die nĂ€chste Generation von Forschenden zu fördern.
50 Jahre Jung-Preis fĂŒr Medizin
Die Jung-Stiftung vergibt ihre Medizinpreise jĂ€hrlich fĂŒr herausragende Forschung mit klinischer Relevanz. Der Jung-Preis fĂŒr Medizin wurde im Jahr 1976, also vor genau 50 Jahre, erstmals verliehen. AnlĂ€sslich dieses JubilĂ€ums findet neben der Preisverleihung in diesem Jahr auch ein Senatsempfang fĂŒr geladene GĂ€ste im Hamburger Rathaus statt.
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