Handyfasten-Studie, Teilnehmer

Handyfasten-Studie: 46.000 Teilnehmer zeigen weniger Schlafprobleme

Veröffentlicht am: 07.06.2026 um 05:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Schweizer Schulen und Forschungseinrichtungen erproben vielfĂ€ltige AnsĂ€tze zur besseren UnterstĂŒtzung von ADHS-Betroffenen.

Schweiz sucht neue Wege bei ADHS: Von Handyverboten bis Psychedelika
Eine Hand legt ein Smartphone auf einen Nachttisch, wÀhrend Sonnenlicht durch ein Fenster fÀllt und einen friedlichen Morgen andeutet. Illustration mit AI erstellt.

Die Schweiz sucht nach besseren Lösungen fĂŒr ADHS-Betroffene – und stĂ¶ĂŸt dabei an Grenzen.

Schulen am Limit: Große Klassen, kleine Erfolge

LehrkrĂ€fte stehen vor einer Herkulesaufgabe. Das Forschungsprojekt „Fokus“ der Fachhochschule Nordwestschweiz zeigte bereits 2016: Gezielte Maßnahmen senken Unaufmerksamkeit bei SchĂŒlern signifikant. Doch die RealitĂ€t sieht anders aus.

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Franziska Peterhans vom Dachverband Lehrer Schweiz erklĂ€rt das Problem: Klassen mit bis zu 28 Kindern machen individuelle Betreuung fast unmöglich. Alternative Konzepte wie „Flipped Classroom“ werden diskutiert. Urs Utzinger von der PĂ€dagogischen Hochschule Luzern bremst: Die Methode helfe zwar individuellen Lerntypen, fĂŒhre aber nicht automatisch zu besseren Noten.

Positive Signale kommen aus der Sekundarschule Seuzach im Kanton ZĂŒrich. Dort zeigen Pilotprojekte mit „Lernlandschaften“ – SchĂŒler erarbeiten Stoff selbststĂ€ndig – erste Erfolge bei den Klassendurchschnitten.

Stabile Beziehungen: Wunsch und Wirklichkeit

JĂŒrg Forster vom Schulpsychologischen Dienst ZĂŒrich ist klar: Kinder mit ADHS brauchen möglichst wenige, konstante Bezugspersonen. Doch die Entwicklung der letzten 20 Jahre lief genau dagegen. Arbeitspensen einzelner LehrkrĂ€fte sanken, die Zahl der Spezialisten pro Kind stieg.

Der Schulversuch „Fokus starke Lernbeziehungen“ lief seit 2013 an zwölf Schulen. Die Evaluation brachte gemischte Ergebnisse: LehrkrĂ€fte fĂŒhlten sich entlastet, SchĂŒler bewerteten Lernklima und Beziehung zur Lehrperson teils schlechter. Der Versuch endete planmĂ€ĂŸig im Juli 2022. Positive Elemente wie Team-Teaching wandern nun in den Regelbetrieb.

Psychedelika gegen Depressionen: Neue Hoffnung fĂŒr Erwachsene

Die Schweiz positioniert sich als Zentrum fĂŒr Psychedelika-Forschung. Die UniversitĂ€tsklinik ZĂŒrich untersuchte Psilocybin bei therapieresistenten Depressionen – einer hĂ€ufigen Begleiterkrankung von ADHS im Erwachsenenalter.

Die Ergebnisse, publiziert in The Lancet: Etwa jeder vierte Patient erfĂŒllte nach der Behandlung die Depressionskriterien nicht mehr. Die Behandlungen sind in der Schweiz unter bestimmten Voraussetzungen zugelassen.

Doch die Versorgungslage bleibt angespannt. In GraubĂŒnden ist die neue Klinik Waldhaus in Chur seit FrĂŒhjahr 2026 in Betrieb. 21 stationĂ€re PlĂ€tze – und die Einrichtung arbeitet laut Ärztlicher Direktorin Heidi Eckrich am Limit. FĂŒr ambulante Behandlungen gibt es lange Wartelisten.

Handyverbote: Mehr Konzentration durch weniger Medien

Mehrere Schweizer Gemeinden – Baden, Frick, HĂŒnenberg – haben strikte Handyverbote an Schulen eingefĂŒhrt. Der Hintergrund: Bedenken zur psychischen Gesundheit und KonzentrationsfĂ€higkeit.

Die Wissenschaft stĂŒtzt diese Maßnahmen. Ein großangelegtes Experiment zum „Handyfasten“ mit ĂŒber 46.000 Teilnehmern aus dem DACH-Raum lieferte Anfang Juni 2026 Ergebnisse. Nach drei Wochen reduziertem Medienkonsum gingen Schlafprobleme und depressive Symptome messbar zurĂŒck.

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SpÀte Diagnose: Auch mit 60 noch Verbesserung möglich

ADHS verschwindet nicht mit dem Erwachsenenalter. Expertin Astrid Neuy-Lobkowicz betont: Eine spĂ€te Diagnose kann selbst bei 60- bis 70-JĂ€hrigen das Leben verbessern. Grundlage ist eine ausfĂŒhrliche Anamnese. Die Kombination aus AufklĂ€rung und passender Medikation eröffnet vielen Betroffenen neue Perspektiven.

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