Hark sammelt 700 Millionen für persönliche KI-Hardware ein
23.05.2026 - 19:17:21 | boerse-global.deDie Robotik-Revolution verlässt die Fabrikhallen und zieht in die heimischen Wohnzimmer ein. Gleich mehrere Unternehmen präsentieren diese Woche bahnbrechende Fortschritte bei persönlichen Robotern und KI-Geräten – mit Milliardeninvestitionen im Rücken.
Der Wandel von der Industrie- zur Privatrobotik beschleunigt sich rasant. Allen voran das US-Startup Hark, das am 21. Mai eine 700 Millionen Euro schwere Series-A-Finanzierung bekannt gab. Das Unternehmen aus San Jose will eine völlig neue Kategorie persönlicher KI-Hardware entwickeln – Branchenkenner sehen darin bereits einen potenziellen Smartphone-Nachfolger.
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Hark: Der Wettlauf um den KI-Begleiter für die Hosentasche
Gegründet wurde Hark bereits 2025 von Brett Adcock, dem CEO von Figure AI. Damals steckte er 100 Millionen Euro eigenen Kapitals in das Projekt. Nach der jüngsten Finanzierungsrunde bewerten Investoren das Startup nun mit sechs Milliarden Euro.
Die Investorenliste liest sich wie das Who-is-Who der Tech-Branche: Parkway Venture Capital führte die Runde an, beteiligt sind zudem Nvidia, AMD, Intel, Qualcomm, Salesforce und ARK Invest. Die Beteiligung gleich mehrerer Chip-Hersteller zeigt: Der Kampf um die leistungsfähigsten Prozessoren für mobile KI-Systeme ist voll entbrannt.
Für das Design verpflichtete Hark Abidur Chowdhury, der zuvor am Apple iPhone Air mitentwickelte. Er soll als Design Director die ästhetische und funktionale Ausrichtung des neuen Geräts prägen. Konkrete Hardware-Details hält das Unternehmen noch unter Verschluss – erste KI-Modelle sollen aber bereits im Sommer 2026 vorgestellt werden. Aktuell beschäftigt Hark 45 Mitarbeiter, bis zur Jahresmitte soll die Belegschaft auf 100 wachsen.
Haushaltsroboter erobern den Alltag
Während Hark auf mobile KI setzt, zielen andere Unternehmen direkt auf den heimischen Haushalt. Das chinesische Unternehmen GigaBrain stellte den Shiguang S1 vor – einen Haushaltsroboter, der kochen, Wäsche falten, putzen und sogar Senioren betreuen kann. Der Clou: Der Roboter lernt neue Aufgaben durch bloßes Zusehen. Ein integriertes Sicherheitssystem stoppt alle Bewegungen, sobald der Roboter einen Menschen oder ein Haustier berührt.
GigaBrain nimmt bereits Bewerbungen für „Seed-User" in Wuhan entgegen. Ein Nachfolgemodell, der GigaBrain 1, soll im dritten Quartal 2026 erscheinen.
Einen anderen Weg geht die KI-Plattform Hugging Face. Mit „LeRobot Humanoid" veröffentlichte das Unternehmen einen 3D-druckbaren, zweibeinigen Roboter – die Materialkosten liegen bei umgerechnet rund 2.300 Euro. Durch offene Hardware-Dateien und Trainingsumgebungen will Hugging Face die Robotik-Forschung demokratisieren. Aktuell beschränkt sich das Projekt auf den Unterkörper, eine Erweiterung für den Oberkörper ist bereits in Entwicklung.
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Auch international tut sich etwas: Doozy Robotics aus Singapur kündigte eine globale Expansion in die USA und andere Regionen an, beginnend im dritten Quartal 2026. Die Plattform des Unternehmens orchestriert Industrie-Roboter und autonome mobile Roboter über das Betriebssystem Eywa-OS. Einen 144-Millionen-Euro-Auftrag eines Industriekonzerns hat Doozy bereits an Land gezogen.
Der menschliche Rivale: Roboter arbeiten fast so schnell wie wir
Einen eindrucksvollen Beleg für die Leistungsfähigkeit moderner Robotik lieferte Figure AI. In einem live übertragenen Test absolvierte der humanoide Roboter F.03, liebevoll „Rose" genannt, eine 200-stündige Dauerschicht – ohne eine einzige Pause. Angetrieben vom Helix-KI-System sortierte Rose 249.558 Pakete, völlig ohne menschlichen Eingriff.
Der direkte Vergleich mit einem menschlichen Praktikanten fällt verblüffend aus: In einem zehnstündigen Segment sortierte der Mensch 12.924 Pakete (2,79 Sekunden pro Einheit), der Roboter 12.732 Pakete (2,83 Sekunden pro Einheit). Der Mensch war minimal schneller – doch der Roboter arbeitete durchgehend. Über die gesamten 200 Stunden erzielte Rose so eine deutlich höhere Gesamtleistung.
Brett Adcock kommentierte: „Dieser Test markiert vermutlich die letzte Phase, in der Menschen bei solchen repetitiven Aufgaben noch die Nase vorn haben."
Vom Code zum neuronalen Netz
Nur einen Tag später, am 22. Mai, präsentierte Figure AI weitere technische Fortschritte. Das neue System Helix 02 ersetzt 109.504 Zeilen traditionellen C++-Codes durch ein neuronales Netz mit zehn Millionen Parametern. Der Beweis: Der Roboter erledigte eine 61-Schritte-Aufgabe – das Einräumen einer Spülmaschine – in vier Minuten.
Für die Weiterentwicklung sucht Figure AI derzeit Mechatronik-Ingenieure in San Jose. Die Gehälter liegen zwischen 110.000 und 230.000 Euro.
Tesla, Boston Dynamics und der Weg zur Massenproduktion
Auch Tesla macht Fortschritte. Am 21. Mai veröffentlichte das Unternehmen Aufnahmen seines Optimus-Humanoiden, der einem Menschen eine Wasserflasche übergibt – in einer unkontrollierten Umgebung. Die neue „Gen 3"-Hand verfügt über 22 Freiheitsgrade und zeigt deutlich verbesserte Greiffähigkeiten. In etwa fünf Wochen will Tesla die Produktionslinie in Fremont hochfahren – die Massenproduktion von Optimus ist für Juli oder August 2026 geplant.
Boston Dynamics setzt bei seinem elektrischen Atlas-Roboter auf Reinforcement Learning. Millionen Stunden GPU-Simulation halfen dem Roboter, innerhalb von 24 Stunden Training zu lernen, einen 23 Kilogramm schweren Minikühlschrank zu heben und schwere Geräte in einem Lager zu bewegen. Der neue Atlas ist vollständig elektrisch und nutzt modulare Aktuatoren, die eine „endlose Rotation" der Gelenke ermöglichen.
Die Hyundai Motor Group, Eigentümer von Boston Dynamics, kündigte am 20. Mai an, mehr als 25.000 Atlas-Einheiten in ihren Fertigungsanlagen einsetzen zu wollen. Die erste große Welle rollt 2028 im Metaplant America in Savannah, Georgia. Dort sollen die Roboter Teile liefern und montieren. In Südkorea laufen derweil Verhandlungen mit Gewerkschaften über die Auswirkungen der Automatisierung auf die Belegschaft.
Ausblick: Was die nächsten Monate bringen
Die Robotik-Branche steht an einem Wendepunkt. Prototypen aus dem Labor werden zu kommerziellen Produkten – für Zuhause und die Fabrik. Zwar zeigten sich Experten auf der IROS 2025 noch skeptisch, ob bis 2050 die Mehrheit der menschlichen Arbeiter ersetzt sein wird. Der kurzfristige Fokus liegt auf Zuverlässigkeit und Nischenanwendungen.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Versprechen halten, was die Investitionen versprechen. Der Sommer 2026 mit Harks KI-Modellen und die Expansion von Doozy Robotics nach Nordamerika werden erste Gradmesser sein. Und während Boston Dynamics den Verkauf seiner Systeme an einen Polizeiausrüster ablehnte – aus ethischen Bedenken –, zeichnet sich ab: Die Debatte über den richtigen Einsatz von Robotern hat gerade erst begonnen.
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