Harnwegsinfekte, Phagen

Harnwegsinfekte: 15-Millionen-Euro-Projekt testet Phagen statt Antibiotika

05.07.2026 - 12:25:50 | boerse-global.de

Forschung zeigt ZusammenhÀnge zwischen Darmbakterien, Stressresilienz und neuen BehandlungsansÀtzen gegen Harnwegsinfekte.

Darm-Mikrobiom: Neue Studien zu Stress, Bakterien und Therapien
Harnwegsinfekte - Abstrakte Darstellung des Darm-Mikrobioms mit leuchtenden Mikroorganismen und wissenschaftlichen Daten-Overlays. 05.07.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Aktuelle Studien zeigen ZusammenhÀnge zwischen Darmbakterien, psychischer Stressresilienz und neuen TherapieansÀtzen.

Evolution im Darm: Bakterien passen sich an

Bakterielle Populationen im Darm unterliegen einer stĂ€ndigen evolutionĂ€ren Differenzierung. Das zeigt eine Studie der UniversitĂ€t Wien, veröffentlicht im Fachjournal Nature. Bestimmte BakterienstĂ€mme sind demnach mit höherem Lebensalter oder Krankheiten wie Typ-2-Diabetes, chronisch-entzĂŒndlichen Darmerkrankungen (CED) und Darmkrebs assoziiert. Besonders konkurrenzstarke Linien verbreiten sich laut den Wissenschaftlern innerhalb weniger Jahrzehnte weltweit.

Bodenbakterien gegen Stress

Forscher der UniversitĂ€ten Ulm und Frankfurt untersuchten den Einfluss von Bodenbakterien auf die Psyche. Eine Studie in Nature Molecular Psychiatry belegt an Mausmodellen: Das hitzeinaktivierte Bakterium Mycobacterium vaccae kann die Stressresilienz stĂ€rken. Der Effekt wirkt sich sogar generationsĂŒbergreifend aus – Nachkommen behandelter Muttertiere wiesen eine höhere Mikrobiom-Vielfalt und geringere StressschĂ€den an Organen wie Milz und Thymus auf. Die Ergebnisse könnten die Basis fĂŒr kĂŒnftige PrĂ€ventionsstrategien durch Probiotika oder Postbiotika bilden.

EU-Projekt gegen Harnwegsinfektionen

Mit REPhRAME startete ein EU-finanziertes Projekt unter Leitung der UniversitĂ€tsmedizin Frankfurt. 15 Millionen Euro Budget, 16 Partner aus acht LĂ€ndern – darunter die Schweizer Uniklinik Balgrist und die UniversitĂ€t ZĂŒrich. Im Fokus: neue Strategien gegen wiederkehrende Harnwegsinfektionen. Getestet wird eine Kombination aus Phagentherapie und Stuhltransplantationen, unter anderem mit dem Produkt INTESTIFIX 001. Das Ziel: Alternativen zu herkömmlichen Antibiotika entwickeln. Weltweit treten jĂ€hrlich ĂŒber 400 Millionen Harnwegsinfekte auf, ein erheblicher Teil verlĂ€uft rezidivierend.

FrĂŒhkindliche Darmflora im Fokus

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In Kooperation mit der Vietnam Pediatric Association wurden Studien zu Synbiotika durchgefĂŒhrt. Die Ergebnisse der JULIUS- und DRAGON-Untersuchungen deuten darauf hin: Eine spezifische Kombination aus Bifidobacterium breve M-16V und prĂ€biotischen Ballaststoffen kann die Darmflora von Kindern nach Kaiserschnittgeburten oder Antibiotikabehandlungen stabilisieren. Innerhalb von vier Wochen nĂ€herte sich die Mikrobiota der natĂŒrlich geborener Kinder an.

Ballaststoffmangel und fragwĂŒrdige Trends

Trotz des wachsenden Marktes fĂŒr darmgesunde Produkte betonen Experten die Bedeutung der BasisernĂ€hrung. Laut DAK-Gesundheit und ZDF erreichen nur etwa 30 Prozent der Erwachsenen die empfohlene Ballaststoffmenge von 30 Gramm pro Tag. Ballaststoffe dienen als PrĂ€biotika und fördern nĂŒtzliche Bakterienarten. Probiotische Effekte lassen sich durch fermentierte Lebensmittel wie Joghurt, Kefir, Sauerkraut oder Kimchi erzielen – allerdings nur bei regelmĂ€ĂŸiger Zufuhr.

Kritisch bewerten ErnĂ€hrungsexperten und VerbraucherschĂŒtzer neue industrielle Trends. So hinterfragen sie die Sinnhaftigkeit von ballaststoffangereicherten ErfrischungsgetrĂ€nken, wie sie ein Unternehmer aus Minden vorstellte. Eine Übersichtsarbeit der Tufts University warnt zudem vor ĂŒbermĂ€ĂŸigem Konsum von SĂŒĂŸstoffen wie Aspartam oder Sucralose. Die Analyse von 21 randomisierten Studien deutet darauf hin: Diese Stoffe könnten die Darmflora so verĂ€ndern, dass NĂŒchtern-Insulin- und HbA1c-Werte negativ beeinflusst werden.

Gene und Stoffwechselprodukte

Die Forschung identifiziert zunehmend spezifische genetische Faktoren. Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums fĂŒr Infektionsforschung (HZI) stellten fest: StĂ€mme des Bakteriums Segatella copri besitzen durch ein bestimmtes Gen (OxyR) eine bis zu 1000-fach höhere Sauerstofftoleranz. Diese StĂ€mme finden sich vor allem in industrialisierten LĂ€ndern – ein Selektionsvorteil durch moderne Lebensbedingungen.

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Im Fokus stehen auch Metaboliten wie Urolithin B, das im Darm aus EllagsĂ€ure gebildet wird (enthalten in Beeren und GranatĂ€pfeln). Diese Stoffwechselprodukte zeigen Potenzial bei der Behandlung von Typ-2-Diabetes, indem sie oxidativen Stress senken und Mitochondrien schĂŒtzen. Eine Studie in PNAS zeigt zudem, wie das Darmepithel Pathogene wie Salmonellen bekĂ€mpft: Die Zellen entziehen den Bakterien ĂŒber spezifische Transporter lebensnotwendige Metalle wie Eisen und Mangan.

WeiterfĂŒhrende Diskussionen zu Toxinen im Darm und dem Einfluss des Mikrobioms auf das Immunsystem sind fĂŒr den Darmtag Berlin im September angekĂŒndigt.

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