Studie, Handynutzung

Studie: Handynutzung erhöht das Krebsrisiko nicht

05.09.2024 - 14:24:48

HartnÀckig hÀlt sich der Glaube, Handystrahlung sei schÀdlich. Forschende haben nun Studien aus aller Welt dazu angeschaut. Sie geben Entwarnung.

Wer Handys nutzt, hat kein erhöhtes Risiko, an Krebs zu erkranken. Das ist die zentrale Aussage der aktuellsten und grĂ¶ĂŸten Meta-Studie, die bisher zu dem Thema durchgefĂŒhrt worden ist. In Auftrag gegeben wurde die Untersuchung von der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Zu den beteiligten Instituten und Behörden gehörte auch das deutsche Bundesamt fĂŒr Strahlenschutz (BfS).

«Wir haben die gesamte wissenschaftliche Evidenz aus epidemiologischen Studien, also Beobachtungsstudien an Menschen, zu dem Thema aus der ganzen Welt analysiert und zusammengefasst», erklĂ€rte BfS-Wissenschaftler Dan Baaken, einer der Autoren der Studie. «Wir können mit hoher Sicherheit sagen, dass wir nichts ĂŒbersehen haben.» 

Fokus auf Hirntumore

FĂŒr die Meta-Studie haben die Forschenden 5.000 Studien der vergangenen Jahrzehnte gesichtet und daraus - nach vorher schon festgelegten und veröffentlichten Kriterien - 63 Studien ausgewĂ€hlt, die ihren Kriterien entsprachen. Dabei ging es um alle Krebsarten, aber vor allem die des Zentralnervensystems wie beispielsweise Hirntumoren.

Das Ergebnis: Das Nutzen von Handys fĂŒhrte nicht zu einem erhöhten Risiko fĂŒr Krebsarten wie Hirntumore, Hypophysen-Tumore, SpeicheldrĂŒsen-Tumore, Hirntumore bei Kindern oder LeukĂ€mien. 

Auch bei kabellosen Festnetz-Telefonen gab es kein erhöhtes Risiko, wie es hieß. GeprĂŒft wurde auch, ob das Leben in der NĂ€he von Rundfunkantennen und Mobilfunksendemasten die Wahrscheinlichkeit von Krebs erhöht - auch das war der Auswertung zufolge nicht der Fall.

Ältere Studien teils fehleranfĂ€llig

Baaken erklĂ€rte, dass sich die Forschenden zudem sogenannte Zeitreihenanalysen angeschaut hĂ€tten. Dabei werden unter anderem die Anzahl der MobilfunkvertrĂ€ge ĂŒber die Jahre mit Daten aus den Krebsregistern etwa aus Australien, SĂŒdkorea, England oder den skandinavischen LĂ€ndern abgeglichen. «Auch da gab es keine Zunahme an Hirntumoren, die auf einen Zusammenhang mit Mobiltelefonen schließen lassen wĂŒrde.»

Einzelne Ă€ltere Fall-Kontroll-Studien, in denen erkrankte Personen etwa zu ihrer Handynutzung befragt wurden und mit Nicht-Erkrankten verglichen, hatten immer mal wieder einen Zusammenhang zwischen Krebserkrankungen und Mobilfunknutzung hergestellt. «Aber die sind anfĂ€llig fĂŒr bestimmte Fehlerarten», erlĂ€uterte Baaken. Mittlerweile gebe es Ergebnisse aus Studien mit großen Gruppen, die in vielen Aspekten den Fall-Kontroll-Studien ĂŒberlegen seien. «Das hat die Einordnung noch mal geĂ€ndert.»

5G noch nicht mit untersucht

Die neue Meta-Studie ist im Fachblatt «Environment International» erschienen. Sie schließt Studien bis Ende 2022 ein, deswegen fehlen Studien etwa zum neuen Mobilfunkstandard 5G. «Wir haben aber Studien mit Kontakt zu Radarquellen eingeschlossen, und Radar hat eine Ă€hnliche Frequenz wie 5G», sagte Baaken.

GrundsĂ€tzlich stellt sich demnach die Frage, ob es ĂŒberhaupt sein kann, dass Strahlung von Mobiltelefonen, also elektromagnetische Wellen, einen Einfluss auf Zellen im Körper haben kann. So etwas wird zum Beispiel auch im Labor getestet. Das Bundesamt erklĂ€rt, so ein Wirkmechanismus sei nicht bekannt. «Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es zum jetzigen Zeitpunkt keinen gesicherten Wirkmechanismus, dass hochfrequente elektromagnetische Felder, die von Mobiltelefonen und Basisstationen ausgehen, Krebs erzeugen.»

@ dpa.de