Hausarzt-Pauschale ab Juli: Neue GOP 03100 fĂŒr vier chronische Erkrankungen
24.06.2026 - 20:49:13 | boerse-global.de
Am 1. Juli 2026 tritt eine neue Abrechnungsstruktur fĂŒr Hausarztpraxen in Kraft. Die GebĂŒhrenordnungsposition (GOP) 03100 ersetzt als Versorgungspauschale mehrere bisherige Leistungen und soll die VergĂŒtung bei chronischen Erkrankungen neu ordnen. Der Beschluss des Bewertungsausschusses vom 11. MĂ€rz 2026 legt die Rahmenbedingungen fest.
Wer profitiert von der neuen Pauschale?
Die GOP 03100 gilt nicht fĂŒr alle chronisch Kranken. Anspruch haben nur Patienten mit einer gesicherten Diagnose aus diesen vier Bereichen:
- Hypothyreose (SchilddrĂŒsenunterfunktion)
- HyperlipidÀmie (Fettstoffwechselstörung)
- Hypertonie (Bluthochdruck)
- Gicht
ZusÀtzlich muss die dauerhafte Einnahme mindestens eines passenden Medikaments nachgewiesen sein.
Die neue Pauschale ersetzt die bisherigen Ziffern GOP 03000, 03220, 03221 und 03222. Eine wichtige EinschrĂ€nkung: Sie lĂ€sst sich maximal zweimal pro Krankheitsfall abrechnen â aber nie in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen. FĂŒr Folgequartale ohne intensiven Betreuungsbedarf ist die Kennziffer 88230 vorgesehen.
Was bringt die neue Regelung finanziell?
Die VergĂŒtung ist altersabhĂ€ngig gestaffelt und in Punktwerten definiert. Je nach KassenĂ€rztlicher Vereinigung ergeben sich leicht abweichende Euro-BetrĂ€ge:
- 18 bis 54 Jahre: 356 Punkte (rund 45,36 bis 45,50 Euro)
- 55 bis 75 Jahre: 403 Punkte (rund 51,34 bis 51,51 Euro)
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FĂŒr besonders aufwendige FĂ€lle gibt es den Zuschlag GOP 03110. Allerdings ist er kontingentiert: Maximal 8 Prozent der GOP-03100-FĂ€lle dĂŒrfen diesen Zuschlag erhalten. Die Bewertung liegt zwischen 152 Punkten (circa 19,37 Euro) und 173 Punkten (circa 22,11 Euro).
Weitere Abrechnungsdetails ab Juli 2026
- Vorhaltepauschalen: Die Ziffern GOP 03043 bis 03048 setzen die KVen automatisch zu.
- Telemedizin: Bei Videosprechstunden gibt es einen Abschlag von 10 Prozent auf die Pauschalen 03100 und 03110. Reine Hausarzt-BerufsausĂŒbungsgemeinschaften (BAG) erhalten auf diese reduzierten SĂ€tze jedoch einen Aufschlag von 11 Prozent.
- Evaluation: Das System wird nach dem ersten Quartal und nach zwei Jahren ĂŒberprĂŒft.
Kritik aus Fachkreisen
Die Neuregelung stöĂt auf deutliche Kritik. Ărztliche VerbĂ€nde bemĂ€ngeln die BeschrĂ€nkung auf nur vier Diagnosegruppen. Viele andere schwere chronische Erkrankungen bleiben auĂen vor â die GOP 03100 ist in der Praxis nur fĂŒr einen Bruchteil der chronisch Kranken anwendbar. Fachmedien bezeichnen die Regelung bereits als hĂŒrdenreich.
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Die Versorgungspauschale liegt im Vergleich zur herkömmlichen Versichertenpauschale rund 10 Prozent höher. Allerdings verfolgte der Bewertungsausschuss das Ziel der KostenneutralitĂ€t. Die finanziellen SpielrĂ€ume fĂŒr einzelne Praxen bleiben daher begrenzt.
Einbettung in die Gesundheitsreform
Parallel zur neuen Pauschale gibt es weitere VerÀnderungen. Im Bereich der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) fördern VertrÀge zwischen HausÀrzteverband und GWQ ServicePlus ab Juli gezielt Teampraxen mit höheren Pauschalen (P1 bis 72 Euro, P2 bis 48 Euro).
Gleichzeitig steigt der Druck durch das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft prognosticert kumulierte Einsparungen von bis zu 30 Milliarden Euro bis 2030. Auch im ambulanten Sektor fallen VermittlungszuschlĂ€ge weg, wĂ€hrend die RĂŒckfĂŒhrung in budgetierte GesamtvergĂŒtungen die wirtschaftliche Kalkulation fĂŒr Hausarztpraxen trotz neuer Pauschalen anspruchsvoll macht. Fachleute betonen: ZusĂ€tzliche PraxisfĂ€lle bleiben nur wirtschaftlich, wenn die variablen Kosten pro Fall niedrig bleiben.
