HAWK-Lücke, Anthropic-KI

HAWK-Lücke: Anthropic-KI halbiert Verschlüsselung in 3,5 Stunden

Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 00:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Claude Mythos findet Schwachstellen in Post-Quanten-Kryptografie und AES. Angriffskosten für HAWK-256 drastisch gesenkt.

Anthropic-KI entdeckt kritische Lücken in Verschlüsselungsverfahren
Leuchtender Serverrack mit abstrakten digitalen Datenströmen und kryptografischen geometrischen Mustern in einem Hightech-Labor. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Eine KI von Anthropic hat Sicherheitslücken in kryptografischen Verfahren entdeckt, die jahrelang von Experten übersehen wurden.

Der KI-Assistent Claude Mythos arbeitete weitgehend eigenständig und identifizierte Schwachstellen in mehreren Verschlüsselungsalgorithmen – darunter ein vielversprechender Kandidat für die Post-Quanten-Kryptografie. Das wirft Fragen zur Sicherheit digitaler Infrastrukturen auf.

Gefährliche Lücke in HAWK entdeckt

Der spektakulärste Fund betrifft HAWK, ein digitales Signaturverfahren, das vom US-amerikanischen National Institute of Standards and Technology (NIST) als Post-Quanten-Kandidat geprüft wird. Claude Mythos entdeckte eine nicht-triviale Automorphie, die die kryptografische Schlüsselstärke des Algorithmus effektiv halbierte.

Die konkreten Auswirkungen sind alarmierend: Bei HAWK-256 sanken die Kosten für einen Angriff von 2^64 auf nur noch 2^38 Operationen. Ein handelsüblicher Server mit 96 Kernen könnte einen solchen Angriff in knapp dreieinhalb Stunden durchführen. Zum Vergleich: Bisher galt der Algorithmus als sicher – selbst nach jahranlanger Prüfung durch menschliche Experten.

AES-Angriff um ein Vielfaches beschleunigt

Auch der weltweit verbreitete Verschlüsselungsstandard AES blieb nicht verschont. Claude Mythos verbesserte bestehende Angriffsmethoden auf eine abgespeckte Version des Algorithmus drastisch. Mittels einer Technik namens Möbius Bridge gelang es der KI, Angriffe auf 7-Runden-AES-128 um den Faktor 200 bis 800 zu beschleunigen.

Dabei eliminierte das System rund 2^56 mögliche Schlüsselkombinationen aus dem Angriffsprozess. Das entspricht einer Reduktion, die manuell Jahre gedauert hätte. Darüber hinaus identifizierte die KI Schwachstellen in weiteren Algorithmen wie 13-Runden-LEA, 6-Runden-Serpent-128, Salsa20, Poseidon und SHA-1.

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Autonome Forschung mit hohem Preis

Die KI agierte während der Untersuchungen mit bemerkenswerter Eigenständigkeit. Anthropic-Forscher berichten, dass Claude Mythos als leitender Analyst fungierte, während menschliche Teammitglieder nur noch übergeordnete Projektsteuerung übernahmen.

Die Entdeckung der HAWK-Schwachstelle gelang in 60 Stunden, die verbesserte AES-Attacke wurde über drei Tage entwickelt. Allerdings forderte die Forschung ihren Preis: Jedes der großen Ergebnisse verschlang rund 100.000 Dollar an API-Rechenleistung.

Verantwortungsvoller Umgang mit den Erkenntnissen

Anthropic betont, dass die gefundenen Schwachstellen keine Produktionssysteme gefährden. Die Angriffe zielten entweder auf Kandidatenverfahren oder auf Versionen mit reduzierter Rundenzahl ab. Dennoch handelte das Unternehmen nach dem Prinzip der verantwortungsvollen Offenlegung.

Die Ergebnisse wurden den Autoren des HAWK-Algorithmus, dem NIST sowie verschiedenen Regierungs- und Industriepartnern mitgeteilt. Die HAWK-Entwickler haben den KI-generierten Angriff inzwischen bestätigt, die AES-Ergebnisse wurden unabhängig überprüft.

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CryptanalysisBench: Neuer Maßstab für KI-Sicherheitsforschung

Um die Forschung voranzutreiben, arbeitete Anthropic mit der ETH Zürich, der Universität Tel Aviv und der Universität Haifa zusammen. Gemeinsam veröffentlichten sie CryptanalysisBench – einen neuen Benchmark, der die Fähigkeiten großer Sprachmodelle bei komplexen kryptografischen Analysen bewertet.

Sicherheitsrisiken und staatliche Eingriffe

Die Ergebnisse zeigen einerseits das Potenzial von KI, Sicherheitslücken zu schließen, bevor Angreifer sie ausnutzen. Andererseits werfen sie erhebliche nationale Sicherheitsbedenken auf. Die Claude-Mythos-Vorschauversion ist derzeit nicht öffentlich zugänglich. Berichten zufolge hat die US-Regierung zudem eine Rücknahme von Mythos-5-Modellen angeordnet – wegen befürchteter Risiken für die nationale Sicherheit.

Die Frage, ob KI letztlich mehr zur Sicherheit oder zur Verwundbarkeit digitaler Systeme beiträgt, bleibt damit offen. Klar ist: Die Ära der KI-gestützten Kryptoanalyse hat gerade erst begonnen.

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