HBM4-Preise: Vertragspreise steigen binnen einer Woche um 116,6 Prozent
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 05:55 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Massive Kapitalverpflichtungen für die Beschaffung von Halbleitern, Berichte über illegale GPU-Ausfuhren nach China und steil ansteigende Preise für High-Bandwidth-Memory (HBM) setzen Hersteller und Lieferketten im Bereich der Künstlichen Intelligenz unter erheblichen Druck.
Wie mehrere Branchenberichte Anfang Oktober 2026 verdeutlichen, verschärfen sich die Spannungen zwischen strikten US-Exportkontrollen und weltweiten Engpässen bei kritischen Serverkomponenten.
Ermittlungen wegen GPU-Lieferungen nach China
Ende September 2026 erhob eine Grand Jury in Los Angeles auf Betreiben des US-Justizministeriums Anklage gegen Greg Lui, den 38-jährigen Eigentümer des Unternehmens Earthmade Computer. Ihm wird die mutmaßliche illegale Ausfuhr von kontrollierten Servern mit Nvidia-Grafikprozessoren im Wert von über 300 Millionen US-Dollar nach China vorgeworfen. Lui wurde zwei Tage nach der Anklageerhebung festgenommen.
Den Vorwürfen zufolge sollen zwischen 2023 und 2024 Server mit Nvidia-Chips der Typen A100, H100, RTX-4090 und RTX-5090 über Zwischenstationen in Malaysia und Singapur unter Verwendung falscher Endnutzerangaben weitergeleitet worden sein.
Im Jahr 2024 umfassten drei detaillierte Bestellungen mindestens 42,6 Millionen US-Dollar, darunter 27 Server für rund 7,614 Millionen US-Dollar, 92 Einheiten für rund 13 Millionen sowie 100 Server für über 22 Millionen US-Dollar. Ein Einzelauftrag über 27 H100-Server belief sich auf rund 7,6 Millionen US-Dollar.
Die Anklage umfasst drei Punkte: Verschwörung zu Exportkontrollverstößen, Schmuggel sowie Geldwäscheverschwörung. Bei einer Verurteilung drohen Höchststrafen von bis zu 50 Jahren Haft. Lui gilt bis zu einem rechtskräftigen Urteil als unschuldig.
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Nvidia selbst ist nicht angeklagt. Das Unternehmen erklärte gegenüber Bloomberg, dass mutmaßlich weniger als 0,5 Prozent seiner Produkte unrechtmäßig nach China umgeleitet worden seien.
Der Fall reiht sich in frühere behördliche Maßnahmen ein: Im Rahmen der Operation Gatekeeper wurden im Jahr 2025 H100- und H200-Hardware im Wert von rund 160 Millionen US-Dollar beschlagnahmt; weitere Verfahren betrafen Janford mit 400 A100-Chips sowie Supermicro mit mutmaßlich rund 2,5 Milliarden US-Dollar an Servern.
Der im März 2026 im Fachausschuss einstimmig mit 42 zu 0 Stimmen gebilligte Chip Security Act war Anfang Oktober 2026 noch nicht als Gesetz in Kraft getreten.
HBM-Verteuerung und steigende Beschaffungskosten
Parallel zu den Exportkontrollen belastet eine drastische Kostenexplosion beim Arbeitsspeicher die Hardwarehersteller. Laut Marktbeobachtern von Silicon Analysts kletterte der Vertragspreis für HBM4-Stacks binnen einer Woche um 116,6 Prozent.
Der Speicherhersteller Micron gab an, dass über 75 Prozent seiner HBM-Liefermenge für das Geschäftsjahr 2027 zu höheren Preisen vertraglich gebunden seien. Die Unterversorgung im Markt soll bis 2028 anhalten. Micron meldete eine gebundene HBM-Produktion für 2026, während Samsung sein HBM4-Volumen für 2026 als ausverkauft bezeichnete.
Zudem soll Samsung Prototypentests für Nvidias HBM4 bestanden haben und sich in der Qualifikationsphase befinden. Marktforscher von TrendForce halten für 2027 einen weiteren Anstieg der HBM-Vertragspreise um über 50 Prozent für möglich.
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Die Knappheit schlägt sich direkt in den Bilanzen der Chiphersteller nieder. Für das am 26. Juli 2026 beendete Quartal wies Nvidia Lieferverpflichtungen in Höhe von 279 Milliarden US-Dollar aus – mehr als das Doppelte der 119 Milliarden US-Dollar aus dem Vorquartal.
Das Unternehmen führte diesen Anstieg maßgeblich auf Speicherbeschaffungen zurück. Rund 267 Milliarden US-Dollar dieser Summe werden vor dem Ende des Geschäftsjahres 2029 fällig. Der operative Cashflow von Nvidia sank zwischen den beiden Quartalen von 50,3 auf 24,1 Milliarden US-Dollar.
Angespannte Packaging-Kapazitäten
Auch bei der Fertigung bleiben die Ressourcen knapp. Die CoWoS-Kapazitäten des Auftragsfertigers TSMC sind für 2026 zu über 85 Prozent durch Nvidia, Broadcom und AMD belegt, bei Lieferzeiten zwischen 52 und 78 Wochen.
Bis Ende 2026 soll TSMCs Kapazität auf 120.000 bis 140.000 Wafer pro Monat steigen; das Unternehmen meldete eine Ausbeute von über 98 Prozent bei 5,5-Retikel-Packages.
Morgan Stanley prognostiziert für 2027, dass Nvidia 37,3 Prozent, Alphabet 36 Prozent und AMD 12,1 Prozent der weltweiten HBM-Kapazitäten auf sich vereinen werden. SK hynix deckt Schätzungen zufolge 60 bis 70 Prozent der HBM4-Lieferungen für Nvidias Plattform Vera Rubin ab.
Die Speicherknappheit erreicht derweil auch die Endkundenpreise: Am 2. Oktober 2026 kündigte Nvidia eine DGX-Spark-Version mit 64 Gigabyte Unified Memory für 4.999 US-Dollar an, während der Preis des 128-Gigabyte-Modells auf 6.950 US-Dollar stieg – ein Zuwachs von rund 74 Prozent gegenüber dem Einführungspreis.
