Heidelbeeren, FĂ€lschung

Heidelbeeren: Jede zweite ist eine FĂ€lschung – BVL warnt

Veröffentlicht am: 24.06.2026 um 08:07 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien belegen hohe FĂ€lschungsraten bei Heidelbeerprodukten. Gerichte stoppen irrefĂŒhrende Werbung fĂŒr Antihistaminika. Das Vertrauen der Verbraucher sinkt.

Gesundheitsmarkt: FĂ€lschungen und irrefĂŒhrende Werbung auf dem Vormarsch
Nahaufnahme verschiedener NahrungsergÀnzungsmittel wie Pillen und Pulver, mit einer einzelnen frischen Heidelbeere dazwischen. Illustration mit AI erstellt.

Doch zwischen Werbeversprechen und RealitĂ€t klaffen oft erhebliche LĂŒcken. VerbraucherschĂŒtzer, Gerichte und Wissenschaftler melden alarmierende Defizite.

Jede zweite Heidelbeere ist eine FĂ€lschung

Der Pro-Kopf-Verbrauch von Heidelbeeren hat sich in Deutschland zwischen 2018 und 2024 auf etwa ein Kilo verdoppelt. Die Beliebtheit lockt BetrĂŒger an. Ein Test des Bundesamtes fĂŒr Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) aus dem Jahr 2024 ergab: Rund 50 Prozent der untersuchten Proben enthielten keine echten Waldheidelbeeren.

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Besonders bei NahrungsergĂ€nzungsmitteln warnen Experten vor FĂ€lschungen. Statt der wertvollen Frucht landen oft schwarzer Reis oder kĂŒnstliche Farbstoffe in den Kapseln. Echte Heidelbeeren erkennt man an ihrem dunklen Fruchtfleisch. Die Ersatzstoffe tĂ€uschen ĂŒber den tatsĂ€chlichen Gehalt an gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen hinweg.

Glucosamin: Risiko oder Schutz fĂŒrs Gehirn?

Um den Wirkstoff Glucosamin, der hĂ€ufig in Arthrose-Mitteln steckt, entbrennt eine wissenschaftliche Kontroverse. Eine Studie in „Nature Metabolism“ untersuchte den Einfluss auf die kognitive Gesundheit. Das Ergebnis: Bei Personen mit leichten kognitiven BeeintrĂ€chtigungen (MCI) könnte die Einnahme mit einem 25 Prozent höheren Alzheimer-Risiko verbunden sein.

Eine britische Studie an gesunden Erwachsenen kommt zum gegenteiligen Ergebnis: Sie beobachtete ein bis zu 26 Prozent niedrigeres Demenzrisiko bei Glucosamin-Einnahme. FachĂ€rzte raten daher MCI- oder Demenz-Patienten, die Einnahme vorerst zu pausieren. FĂŒr gesunde Menschen bestehe kein Grund zur Beunruhigung.

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Gericht stoppt irrefĂŒhrende Werbung

Auch bei der Vermarktung ziehen Gerichte engere Grenzen. Das Landgericht Frankfurt entschied im April 2026 (Az. 2-06 O 135/26): Die Bewerbung eines Antihistaminikums mit der Aussage „macht nicht mĂŒde“ ist irrefĂŒhrend. In den offiziellen Fachinformationen sind SchlĂ€frigkeit und MĂŒdigkeit als Nebenwirkungen aufgefĂŒhrt. Ein Hinweis auf Placebo-Vergleiche reiche nicht aus, um die Werbeaussage zu rechtfertigen.

Die Verbraucherzentrale warnt zudem vor kriminellen Machenschaften im Online-Handel. Der Jahresbericht 2025 einer Beratungsstelle dokumentierte unter anderem Betrug mit gefĂ€lschten Diabetespillen. Solche Produkte werden oft ĂŒber Fakeshops vertrieben. Ein spezielles Analyse-Tool entdeckt monatlich rund 1.800 neue betrĂŒgerische Angebote.

Vertrauen in Verbraucherschutz sinkt

Die Stimmung in der Bevölkerung spiegelt die Probleme wider. Der Verbraucherreport 2026 des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) zeigt: 86 Prozent der Befragten fordern ein stĂ€rkeres Eingreifen der Politik. Das Vertrauen in die Maßnahmen bröckelt jedoch. Nur noch 20 Prozent vertrauen der Politik in diesem Bereich – 2024 waren es 24 Prozent, 2025 noch 22 Prozent.

Besonders beim Thema ErnÀhrung sehen 74 Prozent der Verbraucher deutliche Defizite beim Schutz vor TÀuschung und Gesundheitsrisiken. KI-generierte Inhalte und gefÀlschte Werbeversprechen in digitalen Medien verstÀrken die Skepsis. Experten fordern eine strengere Regulierung und schnellere Reaktionszeiten der Behörden. Sonst droht das Vertrauen in den Gesundheits- und ErnÀhrungsmarkt weiter zu schwinden.

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