Erster Durex Roundtable - FĂŒr eine nachhaltig bessere sexuelle Bildung in Deutschland
22.01.2026 - 10:05:59Der Handlungsbedarf fĂŒr eine bessere sexuelle Bildung ist offensichtlich. Das zeigen auch die Ergebnisse der Durex Global Sex Survey 2024 fĂŒr Deutschland. Rund 40 Prozent der 18 - 24-JĂ€hrigen sind unsicher, wie sie sich vor Geschlechtskrankheiten schĂŒtzen können. Nur etwa die HĂ€lfte fĂŒhlt sich den Erwartungen an die ersten sexuellen Erfahrungen gewachsen. 62 Prozent geben an, dass sie sich unwohl fĂŒhlen, den Partner um die Nutzung eines Kondoms zu bitten; 48 Prozent sind sich nicht sicher, wo und wie sie Hilfe bekommen können. Der Schule kommt dabei eine entscheidende Rolle zu, zugleich empfinden viele Jugendliche sie als am wenigsten hilfreich2.
Beim Durex Roundtable diskutierten EntscheidungstrĂ€ger:innen gemeinsam mit SchĂŒler:innen und LehrkrĂ€ften unter dem Leitmotiv "Wie Lehrer:innen die Generation TikTok aufklĂ€ren können" den Status quo der SexualaufklĂ€rung an Schulen und Perspektiven fĂŒr ihre zeitgemĂ€Ăe Weiterentwicklung. Die Teilnehmenden brachten sich aktiv mit Fragen, Erfahrungen und Impulsen ein. Ziel der Veranstaltung war es, eine breite Debatte anzustoĂen und praxisnahe Lösungen nachhaltig in den Schulalltag zu tragen. Einig waren sich alle: sexuelle Bildung kann und muss in allen SchulfĂ€chern stattfinden und kommt als Sondereinheit im Fach Biologie zu kurz.
Ein Impulsvortrag von Prof. Dr. Heinz JĂŒrgen VoĂ (Hochschule Merseburg) gab einen aktuellen Ăberblick ĂŒber die schulische SexualaufklĂ€rung, beleuchtete Defizite in der Ausbildung von LehrkrĂ€ften und prĂ€sentierte mit SeBiLe 2.0 (Sexuelle Bildung fĂŒr das Lehramt) ein Curriculum als einen Lösungsansatz, der Lehrplan, Fortbildung und Materialien praxisnah verzahnt.
Mangelhafter Status quo: LĂŒcken in der schulischen SexualaufklĂ€rung
Das erste Panel zeigte die Sicht der SchĂŒler:innen auf Unterrichtserfahrungen. Hinzu kamen Einblicke in LehrplĂ€ne und deren Umsetzung auf Landesebene. AuĂerdem wurde Praxisfeedback aus Peer to Peer Angeboten eingebracht und Chancen und Grenzen von Social Media analysiert, insbesondere im Hinblick auf QualitĂ€tsdefizite von Unterrichtsmaterialien und deren Verankerung in Schulstrukturen.
Die BeitrĂ€ge machten zentrale LĂŒcken sichtbar: Viele Jugendliche beziehen ihr Wissen ĂŒber Sex primĂ€r aus Social Media und von Pornoseiten - mit Desinformation, einem verschobenen VerstĂ€ndnis von Sex und hartnĂ€ckigen Mythen als Folge. "SexualaufklĂ€rung muss heute digitale RĂ€ume ernst nehmen. Junge Menschen lernen auf TikTok - dort begegnen ihnen AufklĂ€rung, Mythen und zunehmend konservative Rollenbilder. Schule kann das nicht ignorieren", betont Nina Poppel, Politikwissenschaftlerin und Influencerin. In Schulen fehlen oft sichere, nicht wertende RĂ€ume fĂŒr Fragen; deshalb trauen sich viele SchĂŒler:innen nicht, die Themen anzusprechen, die sie wirklich bewegen. Zudem ist Sexualerziehung oft auf den Biologieunterricht verengt und fĂ€cherĂŒbergreifende ZugĂ€nge oder Kooperationen mit externen Fachstellen werden nur punktuell genutzt. Unterrichtsmaterialien sind teils ĂŒberholt, stereotypisierend und auf die Darstellung klassischer heteronormativer Beziehungstypen beschrĂ€nkt. Schwierigkeiten, die bei LehrkrĂ€ften hĂ€ufig auftreten, sind Unsicherheiten und Scham, Zeitdruck, unterschiedliche Rahmenvorgaben sowie wenig Weiterbildung.
Wege zur Reform: Die Strategien fĂŒr eine moderne Sexualbildung
Im zweiten Panel wurden unterschiedliche Wege zur Weiterentwicklung erörtert: Prof. Dr. Heinz JĂŒrgen VoĂ (SeBiLe 2.0) brachte Impulse zur Lehrplaninnovation und evidenzbasierten Ausbildung fĂŒr eine moderne und wirksame SexualaufklĂ€rung: "Dies erfordert eine radikale Neuausrichtung unserer Lehrerausbildung, nur so können wir sicherstellen, dass angehende LehrkrĂ€fte die wissenschaftlich fundierten Kompetenzen erwerben, um junge Menschen in einer sich schnell verĂ€ndernden Welt zu begleiten und zu schĂŒtzen", so Prof. Dr. Heinz JĂŒrgen VoĂ von der Hochschule Merseburg. Daneben wurden Governance und Gelingensfaktoren adressiert, praxisnahe, niedrigschwellige Angebote und Kooperationen vorgestellt und Erfahrungen aus dem Klassenzimmer sowie Reichweiten und Wissensvermittlung ĂŒber Social Media erörtert.
Zur Diskussion standen unter anderem verbindliche Mindeststandards zu Art und Umfang des Sexualkundeunterrichts und eine klare Verankerung in LehrplĂ€nen, verpflichtende Aus und Fortbildungen fĂŒr LehrkrĂ€fte, Optionen fĂŒr Monitoring und PrĂŒfungsbezug, die Aktualisierung von Unterrichtsmaterialien sowie fĂ€cherĂŒbergreifende ZugĂ€nge und verstĂ€rkte Kooperationen mit externen Fachstellen. Als struktureller Hebel wurde eine StĂ€rkung der personellen Ausstattung fĂŒr sexuelle Bildung angeregt. Mehrere BeitrĂ€ge betonten die Bedeutung digitaler Angebote und Strategien gegen Desinformation, zugleich wurde die persönliche Begegnung im geschĂŒtzten schulischen Rahmen als zentral hervorgehoben. Schutzkonzepte, klare Weiterverweisungen und AnsĂ€tze zur Evaluation wurden ebenfalls thematisiert.
Fazit - Es braucht eine ganzheitliche und evidenzbasierte SexualaufklÀrung
Der Bedarf an mehr sexueller Bildung ist unbestritten, die Wege dorthin noch nicht. Das Panel bĂŒndelte Optionen und gab den Startschuss fĂŒr weiteren Austausch. Klar wurde: SexualaufklĂ€rung ist nicht nur ein Biologie Thema, sondern gehört fĂ€cherĂŒbergreifend und in einem gröĂeren AusmaĂ in den Unterricht, ins Schulleben und in die Gesellschaft. Der Durex Roundtable setzt zentrale Impulse: Standards angleichen, LehrkrĂ€fte qualifizieren, Materialien aktualisieren, Schulen fĂŒr externe Expertise öffnen, die Versorgung flĂ€chendeckend stĂ€rken und Online/Offline Angebote verknĂŒpfen. Angesichts steigender STI Zahlen ist evidenzbasierte SexualaufklĂ€rung keine KĂŒr, sondern PrĂ€vention.
Durex langjĂ€hriges Engagement fĂŒr sexuelle Sicherheit fĂŒr bessere AufklĂ€rungsformate
Durex engagiert sich seit Jahrzehnten in Deutschland fĂŒr sexuelle Gesundheit und Wohlbefinden und versteht den Einsatz fĂŒr zeitgemĂ€Ăe SexualaufklĂ€rung als zentralen Bestandteil dieses Engagements. In diesem Rahmen unterstĂŒtzt Durex das Projekt der Hochschule Merseburg: Das neugestaltete Curriculum "SeBiLe 2.0" soll den Sexualkundeunterricht an Schulen an die Anforderungen unserer Zeit anpassen. Seit 2020 arbeitet Durex mit der FAQ YOU Stiftung zusammen und fördert zahlreiche Online- und Offline AufklĂ€rungsformate jenseits des klassischen Unterrichts. DarĂŒber hinaus unterstĂŒtzt Durex lokale Initiativen in Heidelberg, unter anderem die Kooperation mit der PĂ€dagogischen Hochschule Heidelberg, durch die Schulen in der Region ganzheitliche und weiterfĂŒhrende Lernmaterialien fĂŒr den Sexualkundeunterricht erhalten.
1 Koch Insitut, HIV-Jahresbericht 2024
2 Durex Global Sex Survey (2024)
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