Heißer, Tee

Heißer Tee: Brennende Trinktemperatur mit 16 Prozent höherem Gefäßrisiko verknüpft

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 12:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Daten aus China verknüpfen regelmäßigen Teegenuss mit geringerem Gefäßrisiko; Fachleute betonen jedoch die Grenzen der Beobachtungsstudie.
Eine gläserne Teekanne mit bernsteinfarbenem Tee auf einem Holztisch in einer ruhigen, hellen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Eine großangelegte Untersuchung der Chinese Academy of Medical Sciences und des Peking Union Medical College widmet sich dem Zusammenhang zwischen regelmäßigem Teegenuss und dem Auftreten von Gefäßerkrankungen. Die im Journal of Internal Medicine veröffentlichte Forschungsarbeit stützt sich auf die Daten von 485.934 Erwachsenen in China im Alter zwischen 30 und 79 Jahren.

Über eine mediane Nachbeobachtungszeit von 9,05 Jahren hinweg dokumentierten die Forschenden 14.863 Neuerkrankungen, darunter Herz-Kreislauf-, zerebrovaskuläre und pulmonale Herzerkrankungen sowie periphere Arterienerkrankungen.

Beobachtete Zusammenhänge nach Konsummenge und Teesorte

Den Studienautoren zufolge war ein regelmäßiger Teekonsum an mindestens drei Tagen pro Woche mit einem um 11 Prozent geringeren Risiko für diese Gefäßerkrankungen verbunden, was einem Risikoverhältnis von 0,888 gegenüber der Vergleichsgruppe entspricht.

Eine absolute Risikoreduktion pro Einzelperson lasse sich daraus jedoch nicht ableiten. Innerhalb der Gruppe der wöchentlichen Teetrinker lag das geringste geschätzte Risiko bei etwa sechs bis acht Tassen pro Tag, mit einem statistischen Maximum bei durchschnittlich 7,17 Tassen täglich.

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Sieben Tassen schwarzer Tee pro Tag waren mit einem um 34 Prozent reduzierten Risiko assoziiert. Bei höheren Mengen stieg das relative Risiko wieder an: Ein Konsum von rund 20 Tassen täglich wies denselben Effekt auf wie der Verzicht auf Tee.

Zudem zeigte schwarzer Tee konsistentere inverse Zusammenhänge als grüner Tee, was die Forschenden auf Oxidationsprodukte wie Theaflavin zurückführen. Mittelstarker Aufguss war dabei mit dem niedrigsten Risiko verknüpft.

Im Gegensatz dazu stand brennend heiß servierter Tee mit einem um 16 Prozent höheren Risiko in Verbindung (Risikoverhältnis 1,160), während moderate Trinktemperaturen tendenziell geringere Risiken aufwiesen.

Eine am 21. Oktober 2026 hervorgehobene Kombination aus gewohnheitsmäßigem Teetrinken, Nichtrauchen und hoher körperlicher Aktivität ging mit der stärksten Risikosenkung einher; die Angaben dazu reichen von rund 41 Prozent bis etwa 45 Prozent.

Wissenschaftliche Einordnung und methodische Grenzen

Fachleute weisen auf methodische Einschränkungen hin. Dell Stanford von der British Heart Foundation betonte, dass die festgestellte relative Risikominderung von 11 Prozent keinen Beweis für einen tatsächlichen Schutzeffekt liefere. Die beobachteten sechs bis acht Tassen stellten keine Handlungsempfehlung dar.

Da es sich um eine Beobachtungsstudie ohne Kausalitätsnachweis handle, der Konsum lediglich einmal erfasst worden sei und die Tassengrößen nicht standardisiert gewesen seien, bleibe zudem unklar, inwieweit sich die Ergebnisse aus China auf Großbritannien übertragen ließen.

Dr. Charalampos Rallis von der Queen Mary University of London gab zu bedenken, dass das statistische Modell nicht vollständig für Ernährungsgewohnheiten und Einkommen adjustiert worden sei. Die Befunde zu schwarzem sowie sehr heißem Tee seien daher als rein explorativ zu bewerten.

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Auch die Studienautoren selbst verweisen auf Limitationen durch Selbstauskünfte sowie subjektive Volumen- und Temperaturangaben. Definitive Empfehlungen für eine Zufuhr von sechs bis acht Tassen oder allgemeine Ernährungsrichtlinien ließen sich nicht ableiten, und eine Gültigkeit für die Bevölkerung in Korea sei nicht belegt.

Koffeingehalt und weitere Studienbefunde

Hinsichtlich der Inhaltsstoffe beziffern die Autoren den Koffeingehalt auf 30 bis 50 Milligramm pro 240 Milliliter schwarzem Tee; bezogen auf 100 Milliliter liegen die Werte bei 25 bis 50 Milligramm für grünen Tee und 20 bei 60 Milligramm für schwarzen Tee.

Die US-Behörde FDA erachtet für gesunde Erwachsene eine Tagesdosis von 400 Milligramm Koffein als unbedenklich, für Schwangere maximal 200 Milligramm.

Ergänzend ordnete Dr. Patrick Neumann-Schniedewind vom MEDIZINICUM Hamburg frühere Erkenntnisse ein. Systematische Übersichtsarbeiten belegen demnach eine minimale Blutdrucksenkung durch Katechine bei Hypertonikern, was jedoch keinesfalls eine medikamentöse Therapie ersetzen könne. Für Betroffene empfahl er ein bis drei Tassen grünen Tee täglich.

Eine chinesische Langzeitstudie aus dem Jahr 2020 mit 100.000 Probanden über sieben Jahre hatte bereits gezeigt, dass mindestens drei Tassen pro Woche das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse wie Schlaganfälle um etwa 20 Prozent verringerten und die Lebenserwartung ab 50 Jahren statistisch um 1,26 Jahre stieg.

Zudem verwies Neumann-Schniedewind darauf, dass die EFSA im Jahr 2023 die EGCG-Tagesdosis in Nahrungsergänzungsmitteln auf 800 Milligramm begrenzte und zu hohe Koffeindosen den Blutdruck kurzfristig steigern können.

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