HERC4-Knockout: MĂ€use bleiben vor schwerer TNF-EntzĂŒndung geschĂŒtzt
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 16:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein internationales Forschungsteam hat das Protein HERC4 als einen zentralen Baustein bei der Regulation des programmierten Zelltods und entzĂŒndlicher Prozesse identifiziert. Die in der Fachzeitschrift Nature Structural and Molecular Biology veröffentlichte Untersuchung beschreibt die essenzielle Rolle des Proteins bei der durch den Tumornekrosefaktor (TNF) ausgelösten Nekroptose sowie Apoptose.
An der Forschungsarbeit waren Wissenschaftler um Professor Sudan He von der Chinesischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften (CAMS) in Suzhou, Professor Henning Walczak von der UniversitÀt zu Köln sowie dem University College London (UCL) und Professor She Chen vom National Institute of Biological Sciences (NIBS) in Peking beteiligt, wie ein Fachbericht von Anfang Oktober 2026 darlegt.
Molekularer Schalter zwischen Signalweiterleitung und Zelltod
Im Zentrum der wissenschaftlichen Analyse steht die genaue Funktionsweise von HERC4 innerhalb der zellulÀren Reaktionskaskaden auf TNF-Signale. Den Ergebnissen zufolge bindet das Protein an kinase-aktives RIPK1 innerhalb des sogenannten Komplexes I. Nach dieser Bindung ubiquitiniert HERC4 das Enzym und leitet dadurch die Bildung des nachfolgenden Komplexes II ein. Dieser sekundÀre Proteinkomplex setzt sich aus RIPK1, RIPK3, dem Adapterprotein FADD, Caspase-8 sowie cFLIP zusammen.
Durch diese molekulare Vermittlung fungiert HERC4 als entscheidendes Scharnier, das steuert, ob und wie Zellen nach einer Aktivierung durch Zytokine in den kontrollierten Zelltod ĂŒbergehen. Sowohl die apoptotische als auch die nekroptotische Zelltodform spielen eine fundamentale Rolle bei Immunreaktionen und GewebeschĂ€den.
Schutzwirkung im Tiermodell belegt
Welche physiologischen Konsequenzen die Deaktivierung des Proteins hat, untersuchten die Wissenschaftler anhand von Tiermodellen. In entsprechenden Versuchen zeigte sich, dass ein genetischer Knockout von HERC4 bei MĂ€usen zu einer signifikanten Schutzwirkung fĂŒhrt. Die Tiere erwiesen sich als geschĂŒtzt vor schweren, durch TNF ausgelösten systemischen EntzĂŒndungsreaktionen.
Das Team um Sudan He, Henning Walczak und She Chen hat HERC4 als Scharnier zwischen TNF-Signalweiterleitung und Zelltod beschrieben â im Mausmodell schĂŒtzte der Knockout vor systemischer EntzĂŒndung und akuter LeberschĂ€digung. Wer den Mechanismus fĂŒr die eigene Wirkstoffarbeit einordnen will, findet in diesem kostenlosen Leitfaden den Signalweg Schritt fĂŒr Schritt erklĂ€rt. Kostenlosen Leitfaden zum HERC4-Signalweg anfordern
Ebenso konnte die Ausschaltung des Gens das Auftreten von akuten LeberschĂ€digungen in den Modellorganismen verhindern. Dies belegt nach Ansicht der beteiligten Forscher, dass das Protein einen maĂgeblichen Treiber fĂŒr ĂŒberschieĂende entzĂŒndliche Gewebszerstörungen darstellt.
Neue Perspektiven fĂŒr entzĂŒndliche Erkrankungen und Krebstherapie
Die Identifizierung dieses Signalwegs eröffnet vielversprechende AnsĂ€tze fĂŒr die biomedizinische Forschung und die Wirkstoffentwicklung. Da Fehlregulationen des TNF-Signalwegs und des damit verbundenen Zelltods an zahlreichen chronischen Leiden beteiligt sind, könnten zielgerichtete Interventionen an HERC4 kĂŒnftig neue Therapieoptionen eröffnen.
FĂŒr rheumatoide Arthritis, CED und Psoriasis fehlen bislang zielgerichtete Optionen, die den TNF-Signalweg prĂ€zise treffen. Der nĂ€chste Entwicklungsschritt liegt laut den beteiligten Forschern bei oral verabreichbaren niedermolekularen Inhibitoren â dieser Leitfaden ordnet ein, welche Krankheitsbilder adressierbar sind und welche Fragen offen bleiben. Leitfaden zu niedermolekularen HERC4-Inhibitoren sichern
Relevanz besitzt der Mechanismus insbesondere fĂŒr Krankheitsbilder wie rheumatoide Arthritis, chronisch-entzĂŒndliche Darmerkrankungen (CED), Psoriasis sowie lebensbedrohliche systemische ZustĂ€nde wie eine Sepsis. DarĂŒber hinaus eröffnen sich Ansatzpunkte fĂŒr die Behandlung bestimmter Krebsarten.
Als nÀchster strategischer Schritt in der translationalen Entwicklung steht nun die Konzeption und Erprobung von Wirkstoffen an: Im Fokus der Forscher liegt die Entwicklung oral verabreichbarer, niedermolekularer Inhibitoren, die gezielt die Funktion von HERC4 hemmen und damit pathologische Zelltodprozesse dÀmpfen sollen.
