HereditÀres Angioödem: Deucrictibant lindert Attacken in 1,28 Stunden
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 13:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn der medizinischen Fachzeitschrift The Lancet veröffentlichte Phase-3-Untersuchungen liefern detaillierte Einblicke in neue orale Behandlungsoptionen fĂŒr zwei seltene Erkrankungen: die SichelzellanĂ€mie und das hereditĂ€re Angioödem.
Die klinischen Studien RISE UP und RAPIDe-3 untersuchten die Wirksamkeit und Sicherheit der Wirkstoffe Mitapivat beziehungsweise Deucrictibant und zeigen differenzierte Ergebnisse hinsichtlich ihrer therapeutischen ZielgröĂen.
RISE UP: Mitapivat verbessert HĂ€moglobinwerte, verfehlt Schmerzkrisen-Endpunkt
Die Phase-3-Studie RISE UP evaluierte den Pyruvatkinase-Aktivator Mitapivat bei der Behandlung der SichelzellanĂ€mie. An der Untersuchung nahmen 207 Patientinnen und Patienten an PrĂŒfzentren in 15 LĂ€ndern teil. Im primĂ€ren Fokus stand unter anderem das Ansprechen des HĂ€moglobinwerts.
Hierbei zeigte sich ein signifikanter Unterschied: Eine HĂ€moglobin-Response erreichten 40,6 Prozent der Behandelten unter Mitapivat gegenĂŒber 2,9 Prozent in der Placebogruppe (p<0,0001). Bei den Respondern lag der mittlere Anstieg des HĂ€moglobinwerts bei 1,6 g/dL und hielt ĂŒber einen Median von 50 Wochen an.
Auch der Bedarf an Bluttransfusionen ging zurĂŒck: 23,9 Prozent der Teilnehmenden im Mitapivat-Arm benötigten Transfusionen im Vergleich zu 40,6 Prozent unter Placebo, was einer relativen Reduktion von 41,1 Prozent entspricht.
Einen weiteren klinischen Endpunkt konnte die Studie jedoch nicht signifikant erreichen. Die jĂ€hrliche Rate an Schmerzkrisen lag unter Mitapivat bei 2,6 gegenĂŒber 3,1 unter Placebo. Mit einem p-Wert von 0,1213 verfehlte die Intervention die statistische Signifikanz bei der Reduktion dieser vasookklusiven Krisen.
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RAPIDe-3: Schnelle Symptomlinderung bei hereditÀrem Angioödem
Parallel thematisieren Publikationen in The Lancet die randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Phase-3-Crossover-Studie RAPIDe-3 (NCT06343779).
Untersucht wurde der orale Wirkstoff Deucrictibant (Dosierung 20 mg) zur Akutbehandlung von Attacken des hereditÀren Angioödems an 59 Studienzentren in 24 LÀndern. Insgesamt wurden 134 Personen im Alter von 12 bis 75 Jahren randomisiert; die primÀre Wirksamkeitsanalyse umfasste 88 Patienten und 176 Attacken.
Die mediane Zeit bis zu einem dokumentierten Ansprechen auf der Skala PGI-C (zweimal konsekutiv mindestens eine leichte Besserung innerhalb von 12 Stunden) betrug unter Deucrictibant 1,28 Stunden (95%-Konfidenzintervall 1,05â1,52) gegenĂŒber mehr als 12 Stunden unter Placebo (95%-Konfidenzintervall 5,82 bis ĂŒber 12 Stunden, p<0,0001).
VollstĂ€ndige Symptomfreiheit gemÀà PGI-S wurde nach median 11,95 Stunden (95%-Konfidenzintervall 8,61â21,79) erreicht, wĂ€hrend dieser Wert im Placebo-Arm bei ĂŒber 48 Stunden lag. Auf eine Notfall- oder Rettungsmedikation innerhalb von 24 Stunden griffen unter Deucrictibant 8 von 88 Patienten zurĂŒck, verglichen mit 39 von 88 unter Placebo.
Therapiebedingte unerwĂŒnschte Ereignisse traten insgesamt bei 24 von 100 Patienten unter Verum auf, verglichen mit 17 von 101 unter Placebo; im Zeitfenster von drei Tagen nach Einnahme betrug das VerhĂ€ltnis 15 von 100 gegenĂŒber 2 von 101.
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Die Studienautoren weisen auf methodische EinschrÀnkungen hin: Schwere Kehlkopfattacken waren vom Studienprotokoll ausgeschlossen. Beim Typ mit normalem C1-Inhibitor wurden lediglich zwei Attacken ohne Placebokontrolle erfasst, und ein direkter Vergleich mit etablierten injizierbaren Notfallmedikamenten erfolgte nicht.
Hinsichtlich des regulatorischen Zeitplans gab das Unternehmen Pharvaris am 08.10.2026 bekannt, dass das Zieldatum der US-Arzneimittelbehörde FDA fĂŒr die Entscheidung ĂŒber Deucrictibant auf den 23.04.2027 festgelegt wurde.
