Herpes-Zoster-Impfung: Studie findet 46 Prozent weniger Herz-Kreislauf-Ereignisse
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 17:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine Immunisierung gegen Herpes Zoster mittels rekombinanter Impfstoffe könnte mit einem spĂŒrbar geringeren kardiovaskulĂ€ren Risiko verbunden sein. Darauf weisen aktuelle Auswertungen von Gesundheitsdaten und klinische Beobachtungsstudien hin.
WĂ€hrend Vakzine gegen das Varizella-Zoster-Virus ursprĂŒnglich zur Verhinderung der GĂŒrtelrose und ihrer neurologischen Folgekomplikationen entwickelt wurden, geraten zunehmend potenzielle protektive Effekte auf das Herz-Kreislauf-System in den Fokus der medizinischen Forschung.
Signifikante Risikosenkungen in groĂen Kohorten
Auf dem Fachkongress des American College of Cardiology (ACC.26) vorgestellte Studienergebnisse unterstreichen dieses Potenzial. Eine Analyse von Gesundheitsdaten von ĂŒber 246.000 Erwachsenen in den USA mit atherosklerotischer kardiovaskulĂ€rer Erkrankung verglich geimpfte und ungeimpfte Personen, die nach demografischen Kriterien und ihrem allgemeinen Gesundheitszustand gematcht wurden. Etwa die HĂ€lfte der Kohorte hatte mindestens eine Dosis des Zoster-Impfstoffs erhalten.
Bei den geimpften Personen traten im Zeitraum von einem Monat bis zu einem Jahr nach der Impfung signifikant weniger kardiale Komplikationen auf. Die Immunisierung war mit 46 % weniger schweren kardiovaskulÀren Ereignissen assoziiert.
Im Detail verzeichnete die Untersuchung 27 % weniger Herzinfarkte, 27 % weniger SchlaganfĂ€lle sowie 33 % weniger FĂ€lle von Herzinsuffizienz. Die GesamtmortalitĂ€t lag um 61 % niedriger. Die Studienautoren ordneten diese Reduktionen in einer GröĂenordnung ein, die mit dem prĂ€ventiven Nutzen eines vollstĂ€ndigen Rauchstopps vergleichbar sei.
Zudem berichtete das Deutsche Ărzteblatt ĂŒber eine US-Studie, nach der eine Immunisierung mit dem rekombinanten Zoster-Impfstoff ĂŒber einen Beobachtungszeitraum von sieben Jahren mit einer um 9 % geringeren kardiovaskulĂ€ren Krankheitslast einherging als der Einsatz des Ă€lteren, attenuierten Lebendimpfstoffs.
Gezielte Phase-III-PrĂŒfung soll KausalitĂ€t klĂ€ren
Um den Zusammenhang ĂŒber reine Beobachtungsdaten hinaus prospektiv zu ĂŒberprĂŒfen, treibt der Hersteller GSK die klinische Forschung voran. Das Unternehmen registrierte die Phase-3a-Studie NCT07872046 zum rekombinanten Zoster-Impfstoff (VZV, rekombinantes Proteinvakzin).
Wenn Sie ĂŒber 50 sind und sich um Ihr Herz sorgen, lohnt ein zweiter Blick auf Ihre Impfungen: Eine Auswertung von Daten von mehr als 246.000 Erwachsenen mit atherosklerotischer Erkrankung fand bei Geimpften 46 Prozent weniger schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse. Unser kostenloser Guide ordnet die Studienlage fĂŒr Sie ein und zeigt, welche Fragen Sie Ihrem Arzt stellen sollten. Kostenlosen Herz-Impf-Guide anfordern
Die Untersuchung soll die spezifische Wirkung auf das kardiovaskulÀre Risiko, zerebrovaskulÀre Erkrankungen, Herpes Zoster sowie kardiovaskulÀre Erkrankungen systematisch bewerten.
FĂŒr die Studie ist die Rekrutierung von 16.390 Teilnehmern vorgesehen. Eingeschlossen werden Erwachsene ab einem Alter von 50 Jahren, die entweder eine etablierte kardiovaskulĂ€re Vorerkrankung oder mindestens zwei kardiovaskulĂ€re Risikofaktoren aufweisen.
Als primĂ€rer Endpunkt dient die Zeit bis zum ersten Auftreten eines 3-Punkt-MACE â definiert als nicht-tödlicher Myokardinfarkt, nicht-tödlicher Schlaganfall oder kardiovaskulĂ€rer Tod. Die Nachbeobachtung ist bis zu Monat 74 angesetzt; als geplanter Studienbeginn ist der 30. November 2026 avisiert.
Einordnung in bestehende PrÀventionsstrategien
Trotz der vielversprechenden Signale stufen Fachgremien die Evidenzbasis im Vergleich zu anderen Immunisierungen noch vorsichtig ein. In einem Konsenspapier der spanischen Fachgesellschaft SEMERGEN stellten 15 Experten aus Allgemeinmedizin, Kardiologie und Impfwesen fest, dass antigrippale Impfstoffe derzeit ĂŒber die solideste Evidenz zur Reduktion kardiovaskulĂ€rer Ereignisse verfĂŒgen. Dies gelte besonders fĂŒr Hochrisikopatienten sowie nach akuten kardiovaskulĂ€ren VorfĂ€llen.
FĂŒr Pneumokokken, COVID-19, RSV und Herpes Zoster sei die Datenlage hingegen noch begrenzter. FĂŒr ĂŒber 65-JĂ€hrige mit hohem kardiovaskulĂ€rem Risiko empfahl das Gremium vorrangig Hochdosis-Grippeimpfstoffe mit etwa vierfacher Antigenmenge.
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Gleichzeitig wird der Stellenwert von Vakzinen in der Kardiologie in Fachkreisen diskutiert. Ein in der Zeitschrift Revista 50 veröffentlichter Meinungsbeitrag von Juan Gérvas kritisierte die Bestrebung, Impfungen generell als vierten Pfeiler der kardiovaskulÀren PrÀvention zu etablieren.
Der Beitrag verwies dabei auf bestehende Empfehlungen wie die jĂ€hrliche Grippeimpfung bei chronischer koronarer Herzkrankheit in den AHA/ACC-Leitlinien von 2023, den ESC-Konsens von 2025 sowie den SEMERGEN-Konsens von 2026. Ob die rekombinante Zoster-Impfung kĂŒnftig Eingang in diese kardiologischen Leitlinien finden wird, hĂ€ngt maĂgeblich von den Ergebnissen der anlaufenden randomisierten GroĂstudien ab.
