Herzdiagnose, Vorhersagegenauigkeit

Herzdiagnose: KI steigert Vorhersagegenauigkeit um bis zu 20%

Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 09:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue KI-Verfahren erhöhen Prognosen bei Herzerkrankungen, beschleunigen EKG-Auswertungen und unterstĂŒtzen individuelle Therapien sowie Genanalysen.

KI verbessert Herzdiagnostik und personalisierte Medizin
Ein minimalistischer, moderner klinischer Untersuchungsraum mit medizinischer AusrĂŒstung in einer sterilen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

In der modernen PrĂ€zisionsmedizin gewinnen computergestĂŒtzte Analyseverfahren zunehmend an Bedeutung fĂŒr die klinische Vorhersage komplexer KrankheitsverlĂ€ufe. Aktuelle Forschungsarbeiten des Inselspitals und der UniversitĂ€t Bern verdeutlichen das Potenzial kĂŒnstlicher Intelligenz (KI), die diagnostische und prognostische PrĂ€zision bei schweren Herzerkrankungen signifikant zu erhöhen.

Wie aus Fachpublikationen des Jahres 2026 hervorgeht, ermöglichen diese Modelle eine deutlich verlÀsslichere EinschÀtzung bei Aortenklappenstenosen und Transthyretin-Amyloidose.

Steigerung der PrognosegĂŒte bei Herzklappenerkrankungen

Ein Forschungsteam des Inselspitals und der UniversitĂ€t Bern hat KI-Modelle entwickelt, welche die Prognosegenauigkeit bei Patienten mit Aortenklappenstenose um 10 bis 15 % verbessern. Die in der Fachzeitschrift Lancet Digital Health veröffentlichten Ergebnisse basieren auf einer Datengrundlage von 2985 Berner Patienten. Zur Validierung der VerlĂ€sslichkeit wurde das System zudem an ĂŒber 1000 Patienten in Japan erfolgreich getestet.

Parallel dazu weisen Forschungsergebnisse in JAMA Cardiology eine Ă€hnliche Entwicklung fĂŒr die Transthyretin-Amyloidose aus. Hier konnten die KI-Modelle, die anhand von 850 Patienten entwickelt wurden, die Vorhersagegenauigkeit um bis zu 20 % steigern. Um die klinische Anwendung zu fördern, sind diese Modelle bereits online fĂŒr Fachkreise verfĂŒgbar.

Beschleunigte Triage durch EKG-Analyse

ErgĂ€nzend zu den Langzeitprognosen rĂŒckt die Geschwindigkeit der Akutdiagnostik in den Fokus der Forschung. Wissenschaftler des Imperial College London stellten auf dem ESC-Kongress in MĂŒnchen im August 2026 ein KI-Verfahren vor, das Herzerkrankungen aus Elektrokardiogrammen (EKG) in unter zwei Sekunden identifizieren kann. Das System wurde mit 1,6 Millionen EKGs aus Brasilien trainiert.

Die vorlĂ€ufigen Daten weisen eine Erkennungsrate von 81 % fĂŒr HerzschwĂ€che und 90 % fĂŒr Klappenerkrankungen auf. Die Entwickler betonten jedoch, dass die Anwendung primĂ€r der effizienten Triage im klinischen Alltag dienen solle und nicht als alleiniges Diagnosewerkzeug zu verstehen sei.

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Ein weiterer prĂ€ventiver Ansatz wurde im Rahmen des ESC-Kongresses 2026 durch die KI-gestĂŒtzte Analyse von Mammogrammen prĂ€sentiert. In einer großangelegten Studie mit 29.921 Frauen und 97.364 Aufnahmen konnte die KI Anzeichen fĂŒr Hypertonie (AUROC 0,79), ischĂ€mische Herzkrankheiten (0,78) und das Schlaganfallrisiko (0,86) identifizieren. Dies deutet darauf hin, dass radiologische Routineuntersuchungen kĂŒnftig verstĂ€rkt fĂŒr ein systemisches kardiovaskulĂ€res Screening genutzt werden könnten.

Personalisierte Therapieentscheidungen und biologisches Alter

Über die Kardiologie hinaus findet KI Anwendung in der Vorhersage von Therapieerfolgen. Ein internationales Team unter Leitung der UniversitĂ€t Hohenheim entwickelte ein Verfahren, das den Erfolg von Adipositas-Behandlungen bereits vor dem Start der Therapie prognostizieren kann. Ein Fachvertreter der UniversitĂ€t, Dr. Benjamin Seethaler, erlĂ€uterte die Details dieses Verfahrens kĂŒrzlich in einem FachgesprĂ€ch.

Zudem ermöglicht die algorithmische Auswertung histologischer PrĂ€parate neue Einblicke in die individuelle Alterung. Wie in Nature Medicine im Jahr 2026 berichtet wurde, kann KI eine beschleunigte Organalterung erkennen. Diese sogenannten „Tissue clocks“ korrelieren mit der GenaktivitĂ€t in Blutzellen. Die zugrunde liegende Untersuchung im Rahmen des GTEx-Projekts umfasste 983 Personen und analysierte 29 Organe sowie 40 Gewebearten.

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Fortschritte in Genetik und Laborinfrastruktur

Auch in der molekularbiologischen Diagnostik werden neue Standards gesetzt. Ein Team um Simone Ahting vom Uniklinikum Leipzig identifizierte mittels mRNA-Sequenzierung relevante Varianten des CFTR-Gens, was fĂŒr die Behandlung der Mukoviszidose entscheidend ist.

In etwa 70 % der FÀlle, in denen die herkömmliche Genetik keine klaren Ergebnisse lieferte, ermöglichte das Next-Generation Sequencing (NGS) eine gesicherte Diagnose und damit den Zugang zu spezifischen Modulatortherapien.

Flankiert werden diese Entwicklungen durch Investitionen in die Forschungsinfrastruktur. Das BG UniversitĂ€tsklinikum Bergmannsheil in Bochum fĂŒhrt ein neues Laborsystem namens „Mantarray“ ein.

Mit Anschaffungskosten von zirka 200.000 Euro dient das System dazu, 3D-Muskelorganoide aus patienteneigenen Stammzellen zu zĂŒchten. Ziel ist es, Krankheitsmechanismen und potenzielle Therapien unter realitĂ€tsnahen Bedingungen außerhalb des menschlichen Körpers zu erproben.

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