Herzgesundheit im Alter: 10 LE8-Punkte mehr bremsen den Verfall um 20 Prozent
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 06:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass eine gezielte Förderung der Herz-Kreislauf-Gesundheit bereits im sechsten Lebensjahrzehnt den körperlichen Verfall sowie die Gebrechlichkeit im höheren Alter signifikant verlangsamen kann.
Eine im Fachmagazin GeroScience veröffentlichte Studie der Universidad AutĂłnoma de Madrid belegt diesen Zusammenhang und liefert detaillierte Kennzahlen zur Auswirkung prĂ€ventiver MaĂnahmen auf die funktionale KapazitĂ€t Ă€lterer Menschen.
Herzgesundheit als Indikator fĂŒr funktionale KapazitĂ€t
Die Forscher der Universidad AutĂłnoma de Madrid untersuchten fĂŒr ihre Analyse Daten der sogenannten Seniors-ENRICA-2-Kohorte. Dabei wurden 2.487 spanische Erwachsene im Alter ab 65 Jahren berĂŒcksichtigt, deren Rekrutierung in den Jahren 2015 bis 2017 erfolgte.
Die mittlere Nachbeobachtungszeit betrug 5,2 Jahre. Zur Erfassung der Herz-Kreislauf-Gesundheit nutzten die Wissenschaftler den âLifeâs Essential 8â-Score (LE8) der American Heart Association, der auf einer Skala von 0 bis 100 basiert. Der Mittelwert der Teilnehmer zu Beginn der Studie lag bei 62,8 Punkten.
Die Ergebnisse verdeutlichen laut einem Bericht vom September 2026 die Korrelation zwischen Herzgesundheit und Alterungsprozessen: Pro Anstieg des LE8-Scores um 10 Punkte sank der sogenannte Deficit Accumulation Index bei Frauen um 2,93 und bei MĂ€nnern um 2,05 Punkte.
Ăhnliche Effekte zeigten sich beim Intrinsic Capacity Impairment Score, der bei einer Verbesserung um 10 Punkte bei Frauen um 3,44 und bei MĂ€nnern um 2,12 Punkte zurĂŒckging.
Im LÀngsschnitt bedeutet ein Plus von 10 Punkten auf der LE8-Skala einen um 0,10 Punkte geringeren jÀhrlichen Anstieg des Defizit-Index. Dies entspreche bei der untersuchten Kohorte einer Verlangsamung des Verfalls um rund 20 Prozent.
Zudem gingen funktionale EinschrĂ€nkungen um 35 Prozent zurĂŒck, wĂ€hrend sich die gesundheitliche SelbsteinschĂ€tzung um 57 Prozent verbesserte. Als stĂ€rkste Einzelfaktoren identifizierte die Studie Bewegung, Schlaf, den Body-Mass-Index (BMI) sowie den Blutzuckerspiegel.
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Biologische Alterungsprozesse und muskulÀre Degeneration
ErgĂ€nzend dazu untersuchte das Deutsche Zentrum fĂŒr Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in einer in Nature Communications veröffentlichten Studie den Zusammenhang zwischen ErnĂ€hrung und biologischem Altern.
Anhand von Blutproben und Daten von etwa 7.500 Erwachsenen wurde festgestellt, dass verschiedene gesunde ErnĂ€hrungsstile â darunter mediterrane, pflanzliche oder nordische DiĂ€ten â mit einem verlangsamten biologischen Altern assoziiert sind.
Prof. Monique Breteler vom DZNE wies darauf hin, dass die Effekte zwar moderat, aber fĂŒr die PrĂ€vention bedeutsam seien. Insbesondere bei Rauchern sei dieser Zusammenhang stark ausgeprĂ€gt.
Parallel dazu identifizierte ein Forschungsverbund der UniversitĂ€t Missouri (Mizzou) eine Ursache fĂŒr den altersbedingten Muskelabbau (Sarkopenie). Laut der im Journal of Clinical Investigation erschienenen Studie versagt im Alter die SignalĂŒbertragung an der neuromuskulĂ€ren Junction aufgrund eines Mangels am Protein NaV1.4. In Tierversuchen konnte dieser Fehler bereits rĂŒckgĂ€ngig gemacht werden.
Gemeinsam mit dem Unternehmen NMD Pharma werde derzeit ein Wirkstoffkandidat getestet, der auf das Protein ClC-1 abzielt. Da fast die HĂ€lfte aller Menschen ĂŒber 80 Jahre von Sarkopenie betroffen ist, kommt diesen Erkenntnissen eine hohe klinische Relevanz zu.
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Herausforderungen in der praktischen Umsetzung und PrÀvention
Trotz der belegten Vorteile prĂ€ventiver MaĂnahmen besteht in der Umsetzung erheblicher Nachholbedarf. Eine reprĂ€sentative Umfrage von Appinio und Haleon Germany unter 992 Menschen in Deutschland ergab im Mai 2026, dass lediglich 35,7 Prozent der Erwachsenen die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von mindestens 150 Minuten moderater körperlicher AktivitĂ€t pro Woche kennen.
Demnach treiben 58,9 Prozent der Befragten nicht regelmĂ€Ăig Sport. Als gröĂte HĂŒrden wurden fehlende Motivation sowie familiĂ€re Verpflichtungen genannt.
Im Rahmen eines gemeinsamen Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Geriatrie (DGG) und der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Gerontologie und Geriatrie (DGGG) in Frankfurt betonten Experten die Notwendigkeit eines Fokuswechsels.
Der Philosoph Prof. Otfried Höffe erklĂ€rte in einem Vortrag, dass nicht die Ăberalterung, sondern die UnterjĂŒngung der Gesellschaft das eigentliche Problem darstelle. KongressprĂ€sident Prof. Hans-Werner Wahl ergĂ€nzte, dass gewonnene Lebensjahre dann einen Gewinn darstellten, wenn Selbstbestimmung und Teilhabe erhalten blieben.
Die Geriatrie solle daher verstĂ€rkt die Ressourcen Ălterer in den Fokus rĂŒcken, um die Gesundheitsspanne zu verlĂ€ngern. Eine verstĂ€rkte Rolle könnten hierbei Apotheken ĂŒbernehmen: Laut der Appinio-Umfrage befĂŒrworten 76 Prozent der Befragten eine erweiterte PrĂ€ventionsrolle der Apotheken als leicht erreichbare Anlaufstellen fĂŒr Gesundheitsfragen.
