Herzgesundheit: NÀchtliche Lichtbelastung erhöht Schlaganfall-Risiko um 33%
Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 04:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine im September 2026 im European Heart Journal veröffentlichte Studie unter Leitung von Lu Qi von der Tulane University bringt nĂ€chtliche Lichtbelastung mit strukturellen VerĂ€nderungen am Herzen in Verbindung. Die Ergebnisse rĂŒcken damit einen bislang wenig beachteten Risikofaktor in den Fokus der kardiovaskulĂ€ren PrĂ€vention, insbesondere fĂŒr Ă€ltere Menschen, bei denen SchlafqualitĂ€t und Herzgesundheit ohnehin eng zusammenhĂ€ngen.
Wie die Studie aufgebaut war
FĂŒr die Untersuchung analysierten die Forscher Daten von rund 11.000 Teilnehmern der UK Biobank im Durchschnittsalter von 61 Jahren. Ăber sieben Tage hinweg wurde die Lichtexposition der Probanden per Sensor gemessen, nach etwa drei Jahren folgte eine Herz-Magnetresonanztomografie.
Bei Personen, die nachts einer LichtintensitĂ€t von mehr als 3 Lux ausgesetzt waren, zeigte sich eine um 2,4 Prozent vergröĂerte linke Herzkammer, eine um 1,5 Prozent erhöhte Wanddicke sowie eine um 1,9 Prozent verringerte Kontraktionsfraktion.
ZusĂ€tzliche Auswertungen ergaben einen RĂŒckgang bei sogenannten Strain-Messungen von rund 3 Prozent, die die Dehnbarkeit des Herzmuskels widerspiegeln. VerĂ€nderungen zeigten sich laut Berichten nicht nur in der linken Herzkammer, sondern auch in der rechten Kammer und im linken Vorhof.
Erhöhtes Risiko fĂŒr schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse
In einer weiteren Auswertung mit rund 73.000 Menschen, die ĂŒber einen Zeitraum von acht bis zehn Jahren beobachtet wurden, fanden die Studienautoren einen Zusammenhang zwischen nĂ€chtlicher Lichtbelastung und einem erhöhten Risiko fĂŒr schwere kardiovaskulĂ€re Ereignisse: Das Risiko fĂŒr HerzschwĂ€che stieg um 29 Prozent, fĂŒr Vorhofflimmern um 15 Prozent, fĂŒr Herzinfarkt um 24 Prozent, fĂŒr Schlaganfall um 33 Prozent und fĂŒr kardiovaskulĂ€ren Tod um 26 Prozent.
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Nach Angaben der Forscher lĂ€sst sich ein Teil dieser Effekte â zwischen 24 und 49 Prozent â auf eine verkĂŒrzte Schlafdauer zurĂŒckfĂŒhren, die mit heller Umgebung wĂ€hrend der Nacht einhergeht. Der ĂŒberwiegende Teil der beobachteten Risikoerhöhung bleibt damit jedoch auch unabhĂ€ngig von der reinen Schlafdauer bestehen.
Eine frĂŒhere Studie derselben Forschungsgruppe hatte bereits ein bis zu 56 Prozent höheres Risiko fĂŒr Herzinsuffizienz bei besonders starker Lichtexposition ĂŒber einen Beobachtungszeitraum von fast zehn Jahren gezeigt. Als praktische Konsequenz wird in Berichten zur aktuellen Studie empfohlen, möglichst dunkel zu schlafen, Bildschirme im Schlafzimmer zu vermeiden und auf VerdunkelungsvorhĂ€nge zurĂŒckzugreifen.
Einordnung in den gröĂeren Kontext von Schlaf und Herzgesundheit
Die Ergebnisse fĂŒgen sich in ein wachsendes Forschungsfeld ein, das die Bedeutung von SchlafqualitĂ€t fĂŒr die Herzgesundheit Ă€lterer Menschen unterstreicht. Eine ebenfalls 2026 in PLOS Medicine erschienene Untersuchung unter Leitung von Shengzhi Sun von der Capital Medical University wertete Daten von 95.559 UK-Biobank-Teilnehmern ĂŒber einen medianen Beobachtungszeitraum von 8,9 Jahren aus.
Demnach senkte ein höherer Anteil an REM-Schlaf das Risiko fĂŒr zahlreiche Krankheiten, darunter Herzinsuffizienz, Demenz und Parkinson. Mehr Tiefschlaf war mit einem geringeren Risiko fĂŒr sieben Krankheiten verbunden, wĂ€hrend eine Gesamtschlafdauer von unter fĂŒnf Stunden das Risiko fĂŒr 37 Erkrankungen erhöhte. Das geringste Risiko fand sich bei einer Schlafdauer von sechs bis acht Stunden.
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Schlafforscher wie Hans-GĂŒnter WeeĂ vom Schlafzentrum der Pfalzklinik weisen darauf hin, dass der Schlafbedarf bei rund 80 Prozent der Menschen zwischen sieben und neun Stunden liegt und dass sowohl chronisch zu wenig als auch chronisch zu viel Schlaf sich negativ auf Gesundheit und Lebenserwartung auswirken können.
FĂŒr die Praxis ergibt sich aus diesen Studien ein konsistentes Bild: Neben der reinen Schlafdauer rĂŒckt zunehmend auch die QualitĂ€t der Schlafumgebung â insbesondere die Lichtbelastung in der Nacht â als eigenstĂ€ndiger Risikofaktor fĂŒr die Herzgesundheit in den Vordergrund, dessen Bedeutung bislang möglicherweise unterschĂ€tzt wurde.
