Herzinfarkt-Risiko: Genetische Tests finden 2.495 Patienten, die Standard-Tests ĂŒbersehen
Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 21:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Klinische Standardmodelle zur Bestimmung des kardiovaskulĂ€ren Risikos erfassen nicht alle gefĂ€hrdeten Personen. Wie Daten der PROACT-Studie zeigen, ermöglicht eine genotyp-basierte Strategie die gezielte Identifikation von Risikogruppen fĂŒr koronare Herzkrankheiten bei Patienten, die nach herkömmlichen klinischen Parametern als unauffĂ€llig gelten. Ăber die im Fachjournal J Am Coll Cardiol (2026;88(10):1050-1067) veröffentlichten Ergebnisse berichtete medxy.ai am 15. September 2026.
Hohes genetisches Risiko trotz niedriger Standardwerte
FĂŒr die Untersuchung bildete eine Kohorte von 64.092 genotypisierten Erwachsenen im Alter von 40 bis 75 Jahren die Grundlage. Aus diesem Kollektiv filterte das Studienteam 2.495 Personen heraus, die einen hohen polygenen Risikoscore fĂŒr koronare Herzkrankheiten (CAD-PRS) aufwiesen, gleichzeitig jedoch nach den herkömmlichen klinischen Pooled Cohort Equations (PCE) als Niedrigrisikopatienten eingestuft wurden. Der Median des 10-Jahres-Risikos fĂŒr atherosklerotische kardiovaskulĂ€re Erkrankungen (ASCVD) lag bei diesen Personen bei lediglich 3 Prozent.
Dieser deutliche Widerspruch zwischen dem errechneten genetischen Risikoprofil und den konventionellen klinischen Scores verdeutlicht eine diagnostische LĂŒcke: Patienten mit erblicher Vorbelastung bleiben in Standard-Screenings hĂ€ufig unentdeckt, da klassische Risikofaktoren wie Blutdruck oder Cholesterinspiegel in der Routine noch keine auffĂ€lligen Werte zeigen.
Bildgebung belegt subklinische GefĂ€ĂverĂ€nderungen
Ein unauffĂ€lliger Check-up ist kein Freibrief: In der PROACT-Studie trugen 2.495 von 64.092 genotypisierten Erwachsenen ein hohes genetisches Risiko fĂŒr koronare Herzkrankheit â und wurden von den klassischen Risikomodellen als Niedrigrisiko eingestuft. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen, welche Fragen Sie Ihrem Kardiologen stellen und welche Warnsignale in Ihrer Familiengeschichte Sie ernst nehmen sollten. Kostenlosen Herzrisiko-Leitfaden anfordern
Um festzustellen, ob sich das erhöhte genetische Risiko bereits in strukturellen GefĂ€ĂverĂ€nderungen manifestiert, luden die Studienleiter 1.314 Personen aus der identifizierten Risikogruppe zu weiterfĂŒhrenden Untersuchungen ein. Von diesen willigten 21,5 Prozent in die Teilnahme ein, wĂ€hrend 15,5 Prozent die anschlieĂende Koronar-CT-Angiographie (CCTA) vollstĂ€ndig abschlossen.
Die Auswertung der ersten 204 CCTA-Teilnehmer mit einem mittleren Alter von 56,3 Jahren bestĂ€tigte das Vorliegen frĂŒher GefĂ€ĂschĂ€den:
- Bei 50 Prozent der untersuchten Personen wurden subklinische Plaques nachgewiesen.
- Unter den mÀnnlichen Teilnehmern lag der Anteil mit Plaque-Befunden bei 76,2 Prozent.
- Bei den Frauen wiesen 38,3 Prozent subklinische Plaques auf.
Die Ergebnisse der bildgebenden Diagnostik unterstreichen, dass die genetische Risikostratifizierung tatsÀchliche atherosklerotische VerÀnderungen sichtbar machen kann, noch bevor klinische Symptome auftreten.
Bei 50 Prozent der untersuchten RisikotrĂ€ger zeigten sich in der PROACT-Studie bereits subklinische Plaques â sichtbar, bevor irgendein Symptom auftrat. Wer erblich vorbelastet ist, sollte nicht auf den ersten Warnschuss warten: Unser Leitfaden bĂŒndelt die wichtigsten Vorsorge-Schritte und die Werte, die Sie im Blick behalten sollten. Vorsorge-Leitfaden jetzt kostenlos sichern
NĂ€chste Schritte im Rahmen von PROACT 2
Aufbauend auf diesen Beobachtungen richtet sich der Blick auf prĂ€ventive Interventionen fĂŒr TrĂ€ger hoher genetischer Risiken. Unter der Bezeichnung PROACT 2 wird derzeit eine Folgestudie durchgefĂŒhrt, die gezielte medikamentöse BehandlungsansĂ€tze prĂŒft. Dabei werden der Einsatz von Statinen sowie die Gabe von niedrig dosiertem Colchicin untersucht, um das Fortschreiten der subklinischen GefĂ€ĂverĂ€nderungen bei Betroffenen frĂŒhzeitig zu verlangsamen.
