Herzinfarkte in Deutschland: Zahl sinkt um 14 Prozent – doch neue Risiken wachsen
13.05.2026 - 22:49:14 | boerse-global.de
Das zeigt der aktuelle AOK-Gesundheitsatlas, der heute veröffentlicht wurde. Doch trotz dieses Erfolgs bleiben die regionalen Unterschiede enorm – und neue Risikofaktoren drohen die Fortschritte zunichtezumachen.
Ob Blutdruck oder Cholesterin — viele Deutsche kennen ihre kritischen Werte nicht oder verlassen sich auf grobe Einschätzungen. Dieser kostenlose 25-seitige Ratgeber erklärt verständlich, wie Sie Ihre Laborwerte selbst richtig deuten und aktiv vorsorgen. Hier den Laborwerte-Selbstcheck kostenlos anfordern
185.400 Fälle im Jahr 2024 – Bremen Spitzenreiter
Das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) dokumentierte für das Jahr 2024 rund 185.400 Herzinfarkt-Fälle in deutschen Krankenhäusern. Das entspricht einer Rate von 320 Fällen pro 100.000 Einwohner ab 30 Jahren. Zum Vergleich: 2017 waren es noch 215.600 Fälle.
Doch die Verteilung ist höchst ungleich. Im alters- und geschlechtsbereinigten Vergleich verzeichnet Bremen mit 370 Fällen pro 100.000 Einwohner die höchste Rate bundesweit. Sachsen und Hamburg liegen mit je 270 Fällen am unteren Ende. Thüringen weist ebenfalls eine überdurchschnittlich hohe Belastung auf.
Noch krasser sind die Unterschiede auf lokaler Ebene. In Niedersachsen etwa liegt die Stadt Braunschweig bei nur 230 Fällen pro 100.000 – während die Landkreise Goslar und Wesermarsch mit bis zu 460 Fällen zu kämpfen haben. Die Ursachen sind bekannt: ältere Bevölkerungsstruktur und niedrigerer sozioökonomischer Status.
Das Paradoxon: Weniger Infarkte, aber mehr Risikofaktoren
Der Rückgang der Herzinfarkte ist ein Erfolg – vor allem der besseren medizinischen Akutversorgung und der sinkenden Raucherquote geschuldet. Doch gleichzeitig verschlechtert sich das Risikoprofil der Bevölkerung:
- Typ-2-Diabetes: Die Erkrankungsrate stieg von 10,6 Prozent (2017) auf 11,2 Prozent (2024)
- Bluthochdruck: Der Anteil der Betroffenen wuchs von 28,8 auf 29,9 Prozent
„Die positiven Trends bei Rauchen und Akutversorgung dämpfen die Infarktzahlen“, erklärt Helmut Schröder, Geschäftsführer des WIdO. „Doch die Zunahme von Diabetes und Bluthochdruck ist eine tickende Zeitbombe.“ Diese „stillen“ Risiken müssten durch gezielte Prävention bekämpft werden, sonst drohe die Trendwende.
Geschlechterunterschiede: Männer häufiger betroffen – Frauen oft übersehen
Die Daten zeigen einen deutlichen Gender-Gap: Männer erleiden in allen Altersgruppen häufiger Herzinfarkte. Bei den 85- bis 89-Jährigen liegt die Rate bei Männern bei 1.240 pro 100.000 – fast doppelt so hoch wie bei Frauen (720).
Doch Mediziner warnen: Diese Zahlen könnten trügen. Herzinfarkt-Symptome bei Frauen sind oft unspezifischer – Übelkeit, Rückenschmerzen oder Erschöpfung statt des klassischen Brustschmerzes. Das führt zu häufigeren Fehldiagnosen und verzögerter Behandlung. Die Europäische Kommission hat daher kürzlich Initiativen für ein besseres Screening bei Frauen gestartet.
Während Bluthochdruck als "stiller Killer" oft unbemerkt bleibt, lässt er sich mit den richtigen Methoden häufig ganz ohne Medikamente regulieren. Erfahren Sie in diesem Gratis-Report, wie Sie Ihre Werte mit 8 natürlichen Sofort-Maßnahmen nachhaltig senken. 8 natürliche Wege gegen Bluthochdruck jetzt gratis sichern
Sterblichkeit: Berlin an der Spitze – aber Fortschritte sichtbar
Der Deutsche Herzbericht 2025 (veröffentlicht im September 2025) zeigt: Die Sterblichkeit sinkt, bleibt aber regional sehr unterschiedlich. 2023 verzeichnete Berlin mit 71,2 Todesfällen pro 100.000 Einwohner die höchste Herzinfarkt-Sterblichkeit, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern (66,9) und Brandenburg (59,4).
Positive AusreiĂźer: Sachsen-Anhalt senkte seine Rate innerhalb eines Jahres von 65,2 auf 56,5. Auch Bayern und das Saarland verbesserten sich deutlich. Die Deutsche Gesellschaft fĂĽr Kardiologie (DGK) fĂĽhrt das auf bessere FrĂĽherkennung und effizientere Notfallketten zurĂĽck.
Dennoch bleibt die Belastung immens: 2023 starben knapp 120.000 Menschen an koronarer Herzkrankheit – die häufigste Todesursache in Deutschland.
Die Reha-LĂĽcke: Nur jeder Sechste macht Anschlussheilbehandlung
Ein alarmierender Befund des Herzberichts: Von den 186.000 Patienten, die 2023 mit akutem Herzinfarkt im Krankenhaus lagen, nahmen nur rund 28.500 an einer kardiologischen Rehabilitation teil. Das ist gerade einmal jeder Sechste. Fachleute fordern dringend eine bessere Verzahnung von Akutversorgung und Nachsorge.
EU-Ebene: „Safe Hearts Plan“ als Rettungsanker
Die deutschen Probleme sind kein Einzelfall. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache in Europa. Die EU-Kommission legte daher im Dezember 2025 den „Safe Hearts Plan“ vor – den ersten EU-weiten Ansatz zur Bekämpfung dieser Krankheiten. Ziel: Die vorzeitige Sterblichkeit bis 2035 um 25 Prozent zu senken.
Ein zentrales Element ist das Programm „EU cares for your heart“ – eine personalisierte, digital gestützte Präventionsinitiative. Im Februar 2026 veröffentlichten OECD und EU-Kommission zudem ein neues Dashboard, das die sozialen Ungleichheiten in der Herzgesundheit sichtbar macht.
Hoffnungsträger: „Cardiolotsen“ als Blaupause
In Deutschland setzt man zunehmend auf integrierte Versorgungsmodelle. In Mecklenburg-Vorpommern etwa wurden seit Juli 2025 speziell geschulte „Cardiolotsen“ eingesetzt. Diese Fachkräfte betreuen Patienten unmittelbar nach dem Krankenhausaufenthalt – per Telefon und digitalen Tools. Sie helfen bei der Medikamenteneinnahme, unterstützen bei Lebensstiländerungen und kümmern sich um Reha-Anträge.
Solche Pilotprojekte könnten als Vorbild für eine bundesweite Strategie dienen. Denn klar ist: Die medizinische Versorgung allein wird das Problem nicht lösen. Es braucht eine Präventionsoffensive, die die sozialen und regionalen Ungleichheiten adressiert – bevor die stillen Risiken die Erfolge der letzten Jahre zunichtemachen.
So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!
FĂĽr. Immer. Kostenlos.
