Herzinsuffizienz-Markt, Therapien

Herzinsuffizienz-Markt: Therapien sollen bis 2036 auf 19 Milliarden wachsen

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 02:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
DelveInsight erwartet in sieben Pharmamärkten bis 2036 ein Marktvolumen von rund 19 Milliarden US-Dollar; Register sollen Versorgungslücken sichtbar machen.
Ein steriler, modern ausgestatteter medizinischer Laborraum ohne Personen, der den klinischen Kontext der Herzdiagnostik symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Die Behandlung der Herzinsuffizienz steht weltweit vor tiefgreifenden Veränderungen, getrieben von steigenden Patientenzahlen und therapeutischen Fortschritten. Marktanalysen von DelveInsight zeigen einen deutlichen Aufwärtstrend für die sieben großen Pharmamärkte (USA, die EU-Vier, Großbritannien und Japan).

Für diesen Raum wird ein Anstieg des Marktvolumens von circa 9.000 Millionen US-Dollar im Jahr 2025 auf rund 19.000 Millionen US-Dollar bis 2036 erwartet, was einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 8 Prozent im Zeitraum 2026 bis 2036 entspricht. Parallel dazu wird das globale Gesamtvolumen für Herzinsuffizienz-Medikamente auf 17,83 Milliarden US-Dollar beziffert.

Hohe Prävalenz und diagnostische Hürden

Hinter diesen ökonomischen Kennzahlen steht eine erhebliche Krankheitslast. Laut DelveInsight betrug die diagnostizierte Prävalenz in Japan im Jahr 2025 rund 5.366.000 Fälle. In den USA wurden für denselben Zeitraum etwa 4.597.000 Patienten mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF), rund 2.128.000 mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF) sowie circa 758.000 Betroffene mit mäßig reduzierter Ejektionsfraktion (HFmrEF) verzeichnet.

In Europa zeichnet sich ein ähnlich dringliches Bild ab. Laut dem Deutschen Herzbericht werden jährlich rund 3 Millionen Patienten wegen Herzinsuffizienz behandelt, wovon schätzungsweise 50 bis 60 Prozent unter einer HFpEF leiden. In der Schweiz gilt die Erkrankung als häufigster Grund für Spitaleinweisungen; jährlich versterben dort 15 bis 30 Prozent der Betroffenen daran.

Gleichzeitig bleibt die Dunkelziffer eine Herausforderung. Erkenntnisse aus der Versorgungsforschung weisen darauf hin, dass einer von fünf Patienten in der Tertiärversorgung an einer unerkannten Herzinsuffizienz leidet; bei Vorliegen einer koronaren Herzkrankheit (KHK) betrifft dies sogar ein Drittel.

In der klinischen Diagnostik dienen Biomarker als wesentliche Stütze: Bei akuter Dyspnoe (NYHA III/IV) gelten NT-proBNP-Werte ab 450 pg/ml als richtungsweisend, bei chronischer Herzinsuffizienz im ambulanten Bereich (NYHA II) Werte ab 300 pg/ml. Ein Wert von 125 pg/ml oder darunter schließt das Vorliegen weitgehend aus, wobei der Schwellenwert bei adipösen Patienten halbiert werden muss.

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Differenzierte Behandlungsregime und Pipeline-Projekte

Die etablierten Standards unterscheiden sich nach Phänotyp. Bei HFpEF umfasst das Schema Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten (MRA wie Finerenon) kombiniert mit SGLT2-Hemmern sowie bei Bedarf Diuretika.

Bei HFrEF greift eine Vierfach-Therapie aus ARNI oder ACE-Hemmer, Betablocker, MRA und SGLT2-Hemmer. Trotz dieser Optionen bleibt das Rehospitalisierungsrisiko hoch: Innerhalb der ersten 30 Tage nach einer Entlassung liegt es zwischen 20 und 30 Prozent.

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Auf Unternehmensseite identifiziert DelveInsight unter anderem Novartis, Boehringer Ingelheim, Eli Lilly, Bayer, Cytokinetics, BioCardia und Novo Nordisk als treibende Akteure. Fortschritte zeichnen sich auch in der Entwicklungspipeline ab: Für Omecamtiv mecarbil von Cytokinetics wurde die Phase-III-Prüfung abgeschlossen, während BioCardia seine CardiAMP-Zelltherapie im Rahmen des Breakthrough-Therapy-Status in Phase IIIB führt.

Registerdaten sollen Versorgungslücken schließen

Um die Versorgungslage abseits streng kontrollierter Studien zu analysieren, setzt die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) auf systematische Datenerhebungen. Die Register EuroHeart und GRASP sollen Lücken bei unterrepräsentierten Patientengruppen aufdecken. GRASP bindet dabei alle 58 ESC-Mitgliedsgesellschaften sowie 49 assoziierte Organisationen ein.

Zu den laufenden Erhebungen zählen EUROASPIRE VI, der GRASP-HF-Snapshot sowie Register zu chronischen Koronarsyndromen und SCAD. Künftig sollen Snapshots zu ACS-STEMI, Mitral- und Trikuspidalinsuffizienz sowie ein Kardiomyopathie-Register folgen, bevor im August 2027 in London der nächste ESC-Kongress ansteht.

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