Herzmuskelerkrankungen, Gen

Herzmuskelerkrankungen: Gen Walras könnte das höhere Risiko bei MÀnnern erklÀren

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 19:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Zell- und Tiermodelle zeigen hormonabhĂ€ngige Walras-AktivitĂ€t; klinische PrĂŒfungen an Menschen stehen noch aus.
Laborumgebung mit Glasgeschirr und wissenschaftlichen Instrumenten fĂŒr die molekularbiologische Forschung. Illustration mit AI erstellt.

Unterschiede im Auftreten und Verlauf von Herzmuskelerkrankungen zwischen den Geschlechtern beschĂ€ftigen die kardiologische Forschung seit Jahren. Eine wissenschaftliche Untersuchung liefert nun neue Einblicke in die molekularen Ursachen fĂŒr das erhöhte Erkrankungsrisiko bei MĂ€nnern.

Ein Forschungsteam der UniversitÀten Jaén und Cådiz hat in Zusammenarbeit mit weiteren Partnerinstitutionen erstmals das nicht kodierende Gen Walras identifiziert. Die in Zellkulturen sowie Tiermodellen gewonnenen Ergebnisse verdeutlichen, wie dieses Gen zu geschlechtsspezifischen Unterschieden bei Kardiomyopathien beitrÀgt.

Molekulare Mechanismen und der Einfluss von Sexualhormonen

In Laboruntersuchungen an menschlichen Zellen in vitro sowie an Mausmodellen mit unterschiedlichen Kardiomyopathien stellten die Wissenschaftler fest, dass Walras bei mÀnnlichen Individuen mit Herzmuskelerkrankungen eine deutlich höhere AktivitÀt aufweist als bei weiblichen. Die gesteigerte AktivitÀt des Gens geht mit einer Hemmung der Herzfunktion einher.

Den Analysen zufolge produziert Walras ein bestimmtes RNA-MolekĂŒl. GerĂ€t die Zelle unter Stress, begĂŒnstigt dieses MolekĂŒl Prozesse, die letztlich zum Zelltod fĂŒhren. Bei weiblichen Tieren mit Kardiomyopathie maßen die Forschenden hingegen niedrigere Werte.

Dieser Mechanismus steht in direktem Zusammenhang mit dem hormonellen Milieu: WĂ€hrend das Hormon Estradiol die AktivitĂ€t von Walras dĂ€mpft, fĂŒhrt Testosteron zu einer Steigerung der GenaktivitĂ€t. Dieser hormonelle Gegenspielereffekt liefert einen ErklĂ€rungsansatz dafĂŒr, warum das mĂ€nnliche Herz unter bestimmten Belastungen vulnerabler reagiert.

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PrĂ€klinischer Status und Ausblick auf kĂŒnftige Therapien

Die Forschungsergebnisse wurden im Jahr 2026 unter dem Titel „Walras modulates sex-dependent endoplasmic reticulum stress in cardiomyopathy" in der Fachzeitschrift Frontiers in Physiology veröffentlicht.

An der Untersuchung waren neben den UniversitÀten Jaén und Cådiz auch die Fundación MEDINA, das Instituto de Investigación e Innovación Biomédica de Cådiz (INiBICA), das Instituto de Salud Carlos III, das CNIC, CIBERFES sowie die Aix-Marseille Université und die Sorbonne Université beteiligt.

Finanziert wurde das Vorhaben durch die ConsejerĂ­a de Universidad, Industria, EnergĂ­a e InnovaciĂłn im Rahmen des Projekts Excellent sowie durch das spanische Ministerio de Ciencia, Universidades e InnovaciĂłn.

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Bislang befindet sich die Forschungsarbeit in der prĂ€klinischen Phase. Zwar zeigte das menschliche Äquivalent mit der Bezeichnung AP002340.1 in den zellulĂ€ren Analysen vergleichbare Prozesse, klinische Tests an Patientinnen und Patienten stehen jedoch noch aus.

Dennoch gilt das Gen bereits als eine denkbare therapeutische Zielstruktur, um neue AnsĂ€tze gegen Herzmuskelerkrankungen zu entwickeln. Carlos GarcĂ­a Padilla von der UniversitĂ€t JaĂ©n gab diesbezĂŒglich zu bedenken, dass eine spĂ€tere Reparatur des geschĂ€digten Herzens keineswegs einfach sei und es daher wesentlich wirkungsvoller bleibe, zellulĂ€re SchĂ€den frĂŒhzeitig zu vermeiden.

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