Herzüberwachung, Krebs

Herzüberwachung bei Krebs: 61,5 Prozent der Internisten werten jeden LVEF-Abfall

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 11:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Deutsche Klinikärzte bewerten Herzschäden und Kontrollen unterschiedlich; eine US-Studie verknüpft Luftschadstoffe mit kardialen Risiken.
Ein klinischer Untersuchungsraum mit medizinischer Diagnostik-Ausrüstung in einer Universitätsklinik. Illustration mit AI erstellt.

Die Betreuung von Krebspatienten erfordert eine engmaschige kardiovaskuläre Überwachung, um Nebenwirkungen aggressiver Therapien rechtzeitig zu erkennen. Dennoch existieren bei der Festlegung relevanter Grenzwerte für kardiale Schädigungen teils deutliche Diskrepanzen zwischen verschiedenen Fachdisziplinen.

Eine im Jahr 2026 im Fachjournal Cardio-Oncology veröffentlichte multizentrische Umfrage unter deutschen Klinikärzten verdeutlicht diese Unterschiede insbesondere zwischen Kardiologen und Internisten.

Diskrepanzen bei Auswurffraktion und Diagnostikverfahren

Für die Erhebung wurden 1.435 deutsche Klinikärzte kontaktiert. Bei einem Rücklauf von 8,4 Prozent gingen 120 Antworten ein. Der Großteil der teilnehmenden Mediziner – 73,3 Prozent – war an akademischen Lehr- oder Universitätskliniken tätig. Zu den Teilnehmenden zählten 44 Kardiologen, 28 Onkologen, 27 Gynäkologen und 21 Internisten.

Bei der Frage nach dem Schwellenwert für die linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF) zeigten sich signifikante Auffassungsunterschiede: Unter 34 antwortenden Kardiologen stuften 55,9 Prozent einen LVEF-Abfall von mehr als 10 Prozentpunkten als relevant ein, während 38,2 Prozent bereits jeden messbaren Abfall als bedeutsam bewerteten.

Bei 13 befragten Internisten sahen hingegen 61,5 Prozent jeden Abfall als relevant an, während lediglich 23,1 Prozent die Grenze bei mehr als 10 Prozentpunkten zogen.

Auch der Einsatz spezialisierter Ultraschallmethoden unterscheidet sich zwischen den Disziplinen. Die Strain-Echokardiographie wird laut den Umfragedaten von 76,5 Prozent der Kardiologen (26 von 34) routinemäßig eingesetzt. Dagegen gaben dies nur 36,4 Prozent der Internisten (4 von 11) an, was einem statistisch signifikanten Unterschied entspricht (p=0,026).

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Einsatz von Biomarkern und Risikostratifizierung

Uneinheitliche Standards zeichnen sich zudem bei der laborchemischen Überwachung ab. Vor Beginn einer Chemotherapie bestimmen 64,7 Prozent der Kardiologen Biomarker wie NT-proBNP oder Troponin.

Nach sechs Monaten tun dies noch 11,8 Prozent und nach zwölf Monaten 20,6 Prozent. Bei den befragten Internisten führt demnach niemand nach sechs oder zwölf Monaten derartige Tests durch; 18,2 Prozent dieser Gruppe veranlassen überhaupt keine entsprechenden Laborkontrollen.

Hinsichtlich der formellen kardiovaskulären Risikostratifizierung waren 42,9 Prozent der Kardiologen an solchen Prozessen beteiligt. Von 51 zu diesem Aspekt befragten Ärzten gaben 41,2 Prozent an, die Risikobewertung im interdisziplinären Team durchzuführen. 9,8 Prozent nehmen die Einstufung allein vor, während 29,4 Prozent überhaupt keine Risikostratifizierung praktizieren.

Bei denjenigen, die das Assessment durchführten, übersetzten 88,5 Prozent das Ergebnis in eine gemeinsame klinische Bewertung. Die Autoren der Umfrage weisen darauf hin, dass die Resultate auf einer Selbstauskunft der Mediziner beruhen und keine Überprüfung anhand von Patientenakten stattfand.

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Neue Konzepte und externe Einflussfaktoren

Um die klinische Überwachung besser zu vereinheitlichen, führt ein Fachbeitrag das Konzept der sogenannten Cardio-Oncology Surveillance States ein. Dieser konzeptionelle Rahmen verknüpft gemeinsame biologische Schädigungspfade von Krebstherapien mit einer risikoadaptierten kardiovaskulären Überwachung.

Zusätzlich zu den Behandlungsregimen spielen auch externe Faktoren eine Rolle für das kardiale Risiko von Krebspatienten. Eine 2026 in JAMA Network Open erschienene US-Studie untersuchte 580 Brustkrebspatientinnen mit einem medianen Alter von 50 Jahren, die zwischen 2010 und 2018 mit Anthrazyklinen wie Doxorubicin oder Trastuzumab behandelt worden waren.

Anhand von 3.642 zentral ausgewerteten Echokardiografien zeigte sich während eines medianen Follow-ups von 3,1 Jahren bei 17,1 Prozent der Patientinnen eine kardiale Dysfunktion. Die mediane Zeit bis zum Auftreten des Ereignisses lag bei 0,7 Jahren.

Dabei wiesen 99,8 Prozent der Untersuchten eine Feinstaubbelastung oberhalb des WHO-Richtwerts für PM2,5 von 5 µg/m³ auf. Beim Vergleich der höchsten mit der niedrigsten Belastungsstufe trat eine kardiale Dysfunktion unter starker PM2,5-Exposition bei 25,5 Prozent gegenüber 11,0 Prozent auf, was einem rund zweifachen adjustierten Risiko entspricht.

Bei Ozonbelastung lag das Verhältnis bei 24,5 Prozent gegenüber 10,4 Prozent (ebenfalls rund zweifach). Im Verlauf fiel die LVEF bei höherer PM2,5-Belastung um 1,3 Prozentpunkte und bei Ozon um 1,4 Prozentpunkte niedriger aus. Für PM10 und NO2 fand sich kein signifikanter Zusammenhang; die Autoren betonen, dass die Daten keine Kausalaussage zulassen.

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