Herzvorsorge ab 40: Warum normale Blutdruckwerte Plaques nicht ausschließen
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 05:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deGezielte kardiologische Untersuchungen gewinnen für Personen ab 40 Jahren zunehmend an Bedeutung. Medizinische Experten raten dieser Altersgruppe zu einer vertieften Diagnostik, da schwerwiegende Gefäßveränderungen und arterielle Plaques auch bei unauffälligen Routineparametern wie Blutdruck oder Blutzucker entstehen und unerwartet zu akuten Herzinfarkten führen können. Fachleute aus der Intensivmedizin beobachten parallel dazu einen Anstieg von Herzproblemen bei Menschen zwischen 40 und 50 Jahren.
Grenzen klassischer Routineparameter und diagnostische Methoden
Kardiologen empfehlen, bereits in den 30er-Jahren grundlegende Basiswerte für Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker zu erfassen. In den 40ern sollte eine umfassende Gesamtrisikobewertung folgen, die in den 50ern engmaschig re-evaluiert werden muss. Ein Screening müsse dabei dem klinischen Bedarf folgen und nicht allein dem Alter. Da das kardiovaskuläre Risiko dynamisch verläuft, stellt ein einmaliger Normalbefund keine dauerhafte Entwarnung dar.
Zur Abklärung stehen ab dem 40. Lebensjahr verschiedene Verfahren zur Verfügung. Bei Vorliegen von Risikofaktoren oder Symptomen wird ein Koronar-CTA empfohlen. Liegen Synkopen oder Herzrasen vor, kommt ein 24h-EKG zum Einsatz. Ein Herzecho ist bei familiärer Vorbelastung sowie Atemnot angezeigt, während ein Belastungs-EKG sportlich Aktiven oder Risikopersonen angeraten wird.
Experten raten zudem von einer unkritischen Nutzung einfacher Cholesterin-Heimtests ab, da diese oft lediglich das Gesamtcholesterin erfassen. Wichtige Faktoren wie LDL, HDL, Triglyzeride sowie individuelle Risiken durch Rauchen oder Diabetes blieben unberücksichtigt, weshalb eine ärztliche Beurteilung unerlässlich sei.
Gefäßplaques und Koronarkalk als unterschätzte Risikotreiber
Arterielle Veränderungen beginnen oft früh. In der REACT-Studie mit 16.000 Teilnehmenden im Alter von 18 bis 70 Jahren wiesen bereits 7 bis 8 Prozent der 18- bis 29-Jährigen asymptomatische Gefäßplaques auf. In der Gruppe der 30- bis 39-Jährigen stieg dieser Anteil auf 18 Prozent an.
Männer entwickeln entsprechende Ablagerungen im Schnitt fünf bis zehn Jahre früher als Frauen. In jüngeren Jahren sind diese Plaques häufig weich und können durch eine gezielte Senkung des LDL-Cholesterins potenziell reversibel sein.
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Über die reine Plaquebildung hinaus liefert der Koronarkalk-Score (CAC-Score) wichtige Erkenntnisse über Gefäßablagerungen, wenngleich er nicht zwingend eine Stenose abbildet. Zu den wesentlichen Risikofaktoren zählen Rauchen, Diabetes und eingeschränkte Nierenfunktionen.
Eine in der Fachzeitschrift JAMA Cardiology veröffentlichte Untersuchung an 12.847 Teilnehmenden mit einem Durchschnittsalter von 40,5 Jahren zeigte, dass ein CAC-Score über der 90. Perzentile mit einem zweifach höheren Mortalitätsrisiko gegenüber einem Score von 0 einhergeht (Hazard Ratio 1,87; 95%-Konfidenzintervall 1,54–2,27).
Das Risiko für CVD-Mortalität lag bei einer Hazard Ratio von 2,60 (95%-KI 1,77–3,82), das für CHD-Mortalität bei 3,71 (95%-KI 2,24–6,16). Über einen Beobachtungszeitraum von 30 Jahren betrug die Gesamtmortalität in der Gruppe über der 90. Perzentile 12,9 Prozent im Vergleich zu 7,5 Prozent bei einem Score von 0. Zudem traten 30,2 Prozent aller CVD-Todesfälle in dieser Hochrisikogruppe auf.
Liegt der CAC-Score über 100, sprechen Kardiologen von einem mittleren Risiko, das ein aktives Eingreifen verlangt. Die US-Leitlinien für das Jahr 2026 sehen für Männer über 40 und Frauen über 45 Jahren mit einem Wert über 100 einen Zielwert für das LDL-Cholesterin von unter 70 mg/dl vor.
Ergänzend dazu zeigte eine im Fachjournal JACC publizierte Studie an 25.000 Teilnehmenden das Potenzial polygenetischer Risikobewertungen per Bluttest.
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Dieser Ansatz identifiziert Personen mit hohem erblichen Herzinfarktrisiko, die durch Standarduntersuchungen nicht auffallen, und ermöglicht den frühzeitigen Einsatz von Statinen und Verhaltensanpassungen. In Schweden ist die Einführung entsprechender Tests für 40-Jährige für den Zeitraum ab Ende 2026 oder Anfang 2027 geplant.
Warnsignale, saisonale Faktoren und Prävention
Bereits ein bis vier Wochen vor einem akuten kardiovaskulären Ereignis können typische und untypische Vorboten auftreten. Dazu gehören Brustschmerzen, Atemnot, Herzrasen, ein Ruhepuls unter 50 Schlägen pro Minute, Synkopen, unerklärliche Erschöpfung, Magen-Darm-Beschwerden sowie starkes Schwitzen.
Halten Brustschmerzen über rund 15 Minuten ohne Besserung an, besteht dringender Infarktverdacht. Weitere atypische Anzeichen umfassen kalten Schweiß, Übelkeit, Schwäche oder Schmerzausstrahlungen in Arm, Schulter, Hals oder Kiefer.
Kardiologe Valery Sadovoy wies darauf hin, dass insbesondere Temperaturwechsel im Herbst den Blutdruck und die Belastung bei Hypertonie, Atherosklerose, koronarer Herzkrankheit und Rhythmusstörungen erhöhen.
Kürzere Tage, verringerte Bewegung, kalorienreichere Nahrung sowie saisonale Infektionen mit dem Risiko einer Myokarditis stellten zusätzliche Gefahren dar. Als häufigster Patiententyp gelte der Mann über 40 mit Übergewicht, Bluthochdruck und Bewegungsmangel, während Frauen typischerweise meist ab 55 Jahren betroffen seien.
Bezüglich der regionalen Entwicklung auf der Krim berichtete Sadovoy von einem Rückgang der Herz-Kreislauf-Sterblichkeit: Lag diese im Jahr 2014 noch bei 1.200 Fällen pro 100.000 Einwohner, belief sie sich in der ersten Hälfte des Jahres 2026 auf knapp über 670 pro 100.000.
Zur allgemeinen Risikoreduktion empfehlen Fachleute sieben bis acht Stunden Schlaf pro Nacht, regelmäßige moderate Bewegung, konsequenten Stressabbau sowie eine fett- und zuckerarme Ernährung. Treten im mittleren Lebensalter Beschwerden wie Palpitationen oder Atemnot auf, sollten diese stets zeitnah fachärztlich abgeklärt werden.
