Herzwochen im November: Bis zu 50 Prozent bemerken Vorhofflimmern kaum
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 05:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie bundesweiten Herzwochen widmen sich im November 2026 der Diagnostik und Behandlung von Herzrhythmusstörungen. Unter dem Motto „Herz aus dem Takt – Vorhofflimmern erkennen und handeln“ veranstaltet die Deutsche Herzstiftung vom 1. bis 30. November 2026 eine Aufklärungskampagne.
Die Initiative bündelt Informationsangebote zu einer Erkrankung, die in Deutschland mehr als 1,6 Millionen Menschen betrifft und erhebliche gesundheitliche Folgerisiken mit sich bringt.
Epidemiologische Dimension und klinische Folgen
Vorhofflimmern gilt als die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung. Nach Angaben der Deutschen Herzstiftung entwickelt mindestens einer von drei Menschen in Europa im Laufe des Lebens diese Erkrankung, während in der Altersgruppe der über 70-Jährigen etwa jeder Zehnte betroffen ist.
Die Diagnostik gestaltet sich dabei oft schwierig: Nur etwa zwei Drittel der Betroffenen verspüren typische Beschwerden, und bis zu 50 Prozent der über 1,6 Millionen Patientinnen und Patienten in Deutschland weisen keine oder kaum merkliche Symptome auf.
Dennoch führt die Erkrankung häufig zu schweren Komplikationen. Nach Daten aus dem Deutschen Herzbericht – Update 2026 verzeichnete das Gesundheitssystem im Jahr 2024 rund 360.800 vollstationäre Krankenhausaufnahmen sowie rund 29.800 Todesfälle pro Jahr. Vorhofflimmern stellt damit die achthäufigste Todesursache in Deutschland dar.
Schätzungsweise 20 bis 30 Prozent aller ischämischen Schlaganfälle, die ihrerseits 80 bis 85 Prozent aller Schlaganfälle ausmachen, werden durch Vorhofflimmern verursacht. Zudem entwickelt mehr als ein Drittel der Betroffenen langfristig eine Herzinsuffizienz – ein Krankheitsbild, von dem in Deutschland insgesamt über 3 Millionen Menschen betroffen sind.
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Leitlinien, Therapieoptionen und Früherkennung
Bei der medikamentösen Versorgung neu diagnostizierter Fälle gelten direkte orale Antikoagulanzien (DOAK) wie Dabigatran, Apixaban, Edoxaban und Rivaroxaban als erste Wahl. Eine entsprechende Antikoagulation wird ab einem Wert von 2 Punkten im sogenannten CHA2DS2-VA-Score empfohlen. Zeigen sich Symptome eines Schlaganfalls, ist unverzüglich der Notruf 112 zu wählen.
Zur Früherkennung tragen auch moderne Technologien bei. Wearables mit EKG- oder PPG-Technik erkennen Vorhofflimmern mit einer Treffsicherheit von über 90 Prozent, ersetzen eine ärztliche Befunderhebung jedoch nicht, da Fehlalarme vorkommen können.
Bei anfallsartigem, sogenanntem paroxysmalem Vorhofflimmern kommen in der klinischen Praxis Langzeit-EKGs über 24 Stunden oder Ereignisrekorder zum Einsatz. Medizinische Empfehlungen sehen vor, dass über 65-Jährige mit Vorerkrankungen wie Bluthochdruck oder koronarer Herzkrankheit sowie über 75-Jährige generell täglich ihren Ruhepuls überprüfen sollten.
Eine normale Herzfrequenz liegt zwischen 60 und 80 Schlägen pro Minute; Unregelmäßigkeiten oder ein Ruhepuls von über 100 Schlägen erfordern eine ärztliche Abklärung.
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Forschung und bundesweite Aufklärungsangebote
Flankierend zur Aufklärungsarbeit stellt die Deutsche Herzstiftung Fördermittel in Höhe von 1 Million Euro für elf wissenschaftliche Forschungsprojekte zu Vorhofflimmern bereit.
Das Begleitprogramm der Herzwochen umfasst wöchentliche Podcasts, kostenfreie Broschüren sowie eine neue gemeinsame Patientenleitlinie der Stiftung und der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK). Zudem werden Kliniken, Praxen und Vereinen Aktionspakete und Social-Media-Vorlagen zur Verfügung gestellt.
Am 4. November wird ein Online-Seminar der Stiftung angeboten. Parallel dazu beteiligen sich bundesweit zahlreiche Kliniken mit Vorträgen und Informationsforen im November 2026 am Aktionsmonat, darunter das Herz- und Gefäßzentrum der Segeberger Kliniken, das Universitätsklinikum Jena, das Städtische Klinikum Karlsruhe, die GRN-Gesundheitszentren Rhein-Neckar, das Universitäre Herzzentrum Lübeck sowie der Klinikverbund Südwest.
Die Veranstaltungen thematisieren neben Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und Übergewicht auch interventionelle Therapien wie die Katheterablation.
