High-Protein-Diäten, Bevölkerung

High-Protein-Diäten: Zehn Prozent der Bevölkerung gefährdet

18.06.2026 - 05:52:27 | boerse-global.de

Mediziner warnen vor Risiken von Intervallfasten und High-Protein-Diäten für Nierenkranke. Neue Studien zu SGLT2-Hemmern und Anämie-Therapie vorgestellt.

Nierengesundheit: Warnung vor Fasten und Protein-Diäten
High-Protein-Diäten - Ein detailliertes Modell einer menschlichen Niere, umgeben von einer leicht verschwommenen medizinischen Umgebung, die Vorsicht bei der Ernährung symbolisiert. 18.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Populäre Fastenmethoden und einseitige Ernährungsformen können für Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion gefährlich werden. Mediziner schlagen Alarm.

Intervallfasten: Risiken fĂĽr Risikogruppen

Dr. Tran Dinh Nghia vom An Sinh General Hospital in Ho-Chi-Minh-Stadt warnt Mitte Juni vor den Gefahren des Intervallfastens. Besonders für Patienten mit chronischen Nierenerkrankungen (CKD) in den Stadien 3b bis 5, Dialysepatienten oder Menschen nach einer Nierentransplantation bestehe ein erhöhtes Risiko für Dehydratation, Elektrolytstörungen und Mangelernährung.

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Auch Diabetiker müssen vorsichtig sein: Die Blutzuckerschwankungen durch Fasten können gefährlich werden. Als sichereren Einstieg empfiehlt der Mediziner einen moderaten 12:12-Rhythmus – zwölf Stunden Fasten, zwölf Stunden Essen. Grundsätzlich gilt: Jede Form des Fastens bei Nierenerkrankungen gehört unter ärztliche Aufsicht.

Eine am 17. Juni veröffentlichte Pilotstudie des King’s College London untersuchte zudem die Effekte von Scheinfasten auf Parodontitis-Patienten. Die Zahnfleischgesundheit verbesserte sich nicht signifikant, wohl aber sanken die Entzündungswerte (hs-CRP) im Blut. Für allgemeingültige Aussagen seien größere Studien nötig, betonen die Autoren.

Protein-Boom: Zehn Prozent der Bevölkerung gefährdet

Parallel zu den Fasten-Warnungen rücken High-Protein-Diäten in den Fokus. Dr. Carl May von der Universität Bristol warnt vor den Folgen unkontrollierter Proteinmengen, die besonders in sozialen Medien beworben werden.

Schätzungen zufolge haben etwa zehn Prozent der Bevölkerung eine genetische Veranlagung, die bei mehr als 200 Gramm Protein pro Tag zu symptomlosen Nierenschäden führen kann – bis hin zur Dialysepflicht. Fachgesellschaften empfehlen stattdessen moderate 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht.

Auch vermeintlich gesunde Naturprodukte werden zum Problem. Kokoswasser enthält bis zu 600 Milligramm Kalium pro 240 Milliliter. Für Nierenkranke, deren Kaliumausscheidung eingeschränkt ist, droht eine Hyperkaliämie – mit schweren Herzrhythmusstörungen als möglicher Folge.

FĂĽnf Lebensmittelgruppen im Visier

Allgemeine Ernährungsempfehlungen zur Nierengesundheit nennen fünf Lebensmittelgruppen, die eingeschränkt werden sollten:
- Salzreiche Speisen
- Verarbeitetes Fleisch (wegen Phosphatgehalt)
- Zuckerhaltige Getränke
- Hochverarbeitete Lebensmittel
- Alkohol

Letzterer könne das Risiko für chronische Nierenerkrankungen laut Fachorganisationen verdoppeln.

SGLT2-Hemmer: Ăśberraschende Schutzfunktion entdeckt

In der Pharmaforschung gibt es neue Erkenntnisse zur Sicherheit von Nierenmedikamenten. Ein Team um Professor Sibylle von Vietinghoff am Universitätsklinikum Bonn klärte im Juni auf, warum SGLT2-Hemmer trotz vermehrter Zuckerausscheidung über den Urin nicht zu mehr Niereninfektionen führen.

Die Hemmung des Proteins Komplement C1q in der Niere verbessert die antibakterielle Abwehr und optimiert die Anlockung von Fresszellen. Ein Mechanismus, der die Sicherheit dieser Medikamentenklasse untermauert.

Neue Hoffnung bei Blutarmut

Modus Therapeutics präsentierte am 13. Juni auf dem EHA-Kongress in Stockholm präklinische Daten zum Wirkstoff Sevuparin. Die Untersuchungen an Mäusen zeigten messbare Effekte gegen Anämie bei chronischer Nierenkrankheit – sowohl in Monotherapie als auch in Kombination mit Erythropoetin (EPO). Eine klinische Phase-IIa-Studie mit noch nicht dialysepflichtigen Patienten läuft bereits.

GLP-1-Präparate: Tablette statt Spritze

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Ende Mai 2026 empfahl ein EMA-Ausschuss die Zulassung einer hochdosierten Semaglutid-Tablette zur Gewichtsreduktion. Studien belegen einen Gewichtsverlust von rund 16 Prozent – vergleichbar mit der injizierbaren Variante.

Doch Experten wie der Endokrinologe Dr. Aleksandar ?ogo mahnen am 16. Juni zur Vorsicht. Eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung sei unerlässlich, medikamentöse Therapien könnten keinen gesunden Lebensstil ersetzen.

In der Schweiz nutzen bereits neun Prozent der Bevölkerung GLP-1-Präparate – Tendenz steigend. Fachleute warnen vor unkontrolliertem Gebrauch und möglichen Auswirkungen auf das Körperbild.

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