High-Protein-Produkte, ZDF-Dokumentation

High-Protein-Produkte: Neun von zehn gelten nicht als gesundheitsfördernd

Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 12:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die ZDF-Dokumentation beleuchtet Protein-Marketing, tatsächlichen Bedarf und mögliche Folgen übermäßigen Eiweißkonsums.
Symbolbild: Schüssel mit frischem Salat Illustration mit AI erstellt.

Ob Pudding, Riegel, Chips oder Getränke: Produkte mit dem Zusatzversprechen eines besonders hohen Eiweißgehalts belegen immer größere Flächen in den Supermarktregalen.

Die ZDF-Dokumentationsreihe „next BITE: Proteine neu gedacht – Wie gesund ist High-Protein?“, die bis zum 07.10.2031 in der Mediathek verfügbar ist, widmet sich diesem Trend. Moderator Eric Mayer prüft darin verarbeitete Proteinlebensmittel und trifft unter anderem die deutsche Ruderelite in Ratzeburg.

Die Sendung beleuchtet die Ermittlung des individuellen Proteinbedarfs durch einen Experten für Sporternährung und stellt alternative Proteinquellen wie Wasserbüffelfleisch, Lupinen-Tempeh, im Labor erzeugte Pilzbällchen sowie die traditionelle Skyr-Herstellung in Island vor. Der Hype wirft die Frage auf, wie viel zusätzliches Protein der menschliche Körper tatsächlich benötigt und wo Marketingversprechen beginnen.

Marketingversprechen und verarbeitete Lebensmittel im Fokus

Die Lebensmittelindustrie setzt Eiweiß zunehmend als zentrales Verkaufsargument ein, um Eigenschaften wie langanhaltende Sättigung, Muskelaufbau und gesteigerte Energie zu suggerieren. Laut Berichten aus dem Oktober 2026 sind Supermarktartikel mit der Aufschrift „High Protein“ jedoch nicht zwingend gesünder als herkömmliche Varianten.

Untersuchungen zufolge sind neun von zehn Produkten, die gezielt als proteinreich beworben werden, nicht gesundheitsfördernd. Branchenkenner weisen darauf hin, dass die aktuelle Proteinwelle eng mit Modetrends und Abnehmtherapien verknüpft ist, obwohl bereits eine herkömmliche mediterrane Ernährung den Bedarf decken könne.

Zudem warnen Ernährungsexperten davor, Werbeaussagen wie „High Protein“, „No Added Sugar“, „Natural“ oder „Multigrain“ als automatische Gesundheitsgarantie zu betrachten. Ein hoher Proteingehalt könne den Einsatz von raffiniertem Mehl oder Saatenölen verdecken.

Ebenso bedeute der Verzicht auf Zuckerzusätze nicht, dass ein Produkt frei von Kohlenhydraten sei; so könne ein Protein-Müsli je nach Rezeptur und Portionsgröße zwischen 30 und 40 Gramm Kohlenhydrate enthalten. Ein Diätetiker betonte im Rahmen von Medienberichten, dass in sozialen Netzwerken teils unhaltbare Versprechen zirkulieren.

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Hochverarbeitete Eiweißprodukte bringen zudem spezifische Begleiterscheinungen mit sich. Große Proteinmengen sowie enthaltene Laktose, Zuckeralkohole und künstliche Süßungsmittel können Völlegefühl, Blähungen, Krämpfe oder Durchfall verursachen.

Tatsächlicher Bedarf, Aminosäuren und gesundheitliche Risiken

Für die Verwertung im Körper ist nicht allein die reine Grammzahl entscheidend, sondern die Zusammensetzung der acht essenziellen Aminosäuren: Leucin, Lysin, Valin, Isoleucin, Phenylalanin, Threonin, Methionin und Tryptophan. Das auf Arbeiten von Professor Maurizio Lucà-Moretti basierende Aminosäure-Pattern-Konzept verweist auf diese Balance.

Überschüssiges Eiweiß kann der menschliche Organismus nicht speichern, weshalb er es abbauen muss. Experten warnen davor, dass eine unkontrollierte Überdosierung kontraproduktiv sein, die Fettwerte steigern und Nieren sowie Leber belasten kann.

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Ein Kinderarzt berichtete im Rahmen britischer Veröffentlichungen von einem Todesfall durch Nierenversagen nach extremer Proteinzufuhr bei einem Kind und mahnte zur Vorsicht, da der Proteinpulvermarkt weniger streng reguliert sei als der Arzneimittelsektor.

Hinsichtlich der Bedarfsmenge empfiehlt der britische Gesundheitsdienst NHS Erwachsenen täglich 0,75 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht. Für ältere Menschen und stark körperlich Aktive können Werte von bis zu 2 Gramm pro Kilogramm angemessen sein.

Jugendliche decken ihren Bedarf Fachleuten zufolge problemlos über reguläre Mahlzeiten, wobei 20 bis 25 Gramm Protein pro Mahlzeit empfohlen werden. Ernährungsberaterinnen weisen darauf hin, dass die meisten Menschen, insbesondere Fleischesser, bereits genügend Eiweiß konsumieren.

Zur praktischen Orientierung gelten 25 bis 30 Gramm Protein zum Frühstück als sinnvoller Richtwert für Erwachsene zur Muskelproteinsynthese. Um 30 Gramm über Hühnereier zu erreichen, wären vier bis fünf Stück nötig, da ein Ei rund 6 Gramm Protein liefert.

Alternativen bieten zwei Eier kombiniert mit einer halben Tasse Hüttenkäse für 24 Gramm oder eine Tasse griechischer Joghurt mit Nüssen für 26 Gramm Protein.

Eine Scheibe Vollkorntoast mit vier Scheiben Putenbrust und einer Scheibe Schweizer Käse erreicht 25 Gramm, während zwei Drittel Tasse Skyr mit einem Esslöffel Erdnussbutter auf 26 Gramm kommen. Auch zwei Scheiben Vollkorntoast mit einer halben Avocado, einer Vierteltasse Ricotta und zwei Eiern decken mit 29 Gramm diesen Bedarf ab.

Ernährungswissenschaftlerinnen empfehlen insgesamt, Dogmatismus zu vermeiden. Bewährt habe sich ein Ansatz, der zu 80 Prozent auf gesunde, vollwertige und möglichst unverarbeitete Pflanzenkost setzt und zu 20 Prozent Raum für Genuss lässt.

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