Hirnstimulation ohne OP: Neue Verfahren zeigen Erfolg bei Parkinson
23.06.2026 - 06:42:20 | boerse-global.de
Die sogenannte Temporal Interference Stimulation (TIS) nutzt zwei hochfrequente elektrische Felder, die ĂŒber Elektroden auf der Kopfhaut angelegt werden. Durch ihre Ăberlagerung entsteht ein niederfrequentes Signal in der Tiefe des Gehirns. In MĂ€useversuchen gelang damit eine gezielte Aktivierung.
Dritte Elektrode soll PrÀzision verbessern
Wissenschaftler der UniversitĂ€t Genf, der ETH ZĂŒrich und der EPFL Lausanne arbeiten nun an einer dritten Elektrode. Das Ziel: Die PrĂ€zision erhöhen und unerwĂŒnschte Nebenstimulationen in benachbarten Hirnarealen minimieren. Langfristig könnte TIS eine nicht-invasive Alternative bei Depressionen, Parkinson oder Zwangsstörungen werden. Die klassische tiefe Hirnstimulation ersetzt die Technologie aber noch nicht.
Anzeige: Die neuen Verfahren der Hirnstimulation ohne OP â wie TIS, TUS und tDCS â eröffnen Parkinson-Patienten bisher ungeahnte Behandlungsmöglichkeiten. Welche Methode fĂŒr wen geeignet ist, zeigt dieser Ratgeber. Jetzt kostenlosen Ratgeber anfordern
Parallel dazu zeigt die transkranielle Ultraschallstimulation (TUS) Potenzial. Eine Studie der Yanshan University im Journal of Neuroscience belegt: In einem Mausmodell nach SchlaganfĂ€llen verbesserte TUS die motorische Koordination und förderte die NeuroplastizitĂ€t. Das Verfahren moduliert neuronale AktivitĂ€t ebenfalls von auĂen â ein neuer Ansatz fĂŒr die regenerative Neurologie.
Kombination aus Stimulation und Medikamenten
Ein weiterer Trend: Die Kopplung von Stimulationstechnologien mit Wirkstoffen oder digitalen Assistenten. Die FDA genehmigte ein Expanded-Access-Protokoll fĂŒr NRX-101 â eine Kombination aus D-Cycloserin und Lurasidon. Der Wirkstoff soll die transkranielle Magnetstimulation (TMS) bei schwer depressiven und suizidalen Patienten verstĂ€rken. Die SPARC-TMS-Studie untersucht nun die neuroplastischen Effekte.
Bei Parkinson-Patienten lieferte eine Pilotstudie der UniversitĂ€t Lleida mit 23 Probanden neue Erkenntnisse. Die Ergebnisse in Neurological Sciences zeigen: Eine Kombination aus Laufbandtraining, virtueller RealitĂ€t (VR) und transkranieller Gleichstromstimulation verbessert Gleichgewicht und Gang-Kadenz. Der hybride Ansatz hilft besonders dort, wo Medikamente an Grenzen stoĂen.
Vagusnerv-Stimulation per Wearable
Auch die Vagusnerv-Stimulation (VNS) wird zunehmend transkutan erforscht â ĂŒber das Ohr. Eine Studie in Translational Psychiatry untersuchte diesen Ansatz bei diabetischen MĂ€usen mit depressionsĂ€hnlichem Verhalten. Drei Wochen tĂ€gliche Anwendung senkte den NĂŒchternblutzucker und erhöhte die Serotonin-Rezeptor-Expression im Hypothalamus.
Der Markt reagiert: Mit dem âNuropodâ bewirbt ein Hersteller ein Wearable, das Stress durch Vagusnerv-Stimulation am Tragus des Ohrs reduzieren soll. Der Preis liegt bei rund 900 US-Dollar. UnabhĂ€ngige Forschungsergebnisse fĂŒr solche kommerziellen GerĂ€te fehlen jedoch oft noch.
Anzeige: Viele Parkinson-Patienten stoĂen mit Medikamenten an Grenzen. Nicht-invasive Hirnstimulation könnte eine Alternative sein â ganz ohne OP. Dieser Ratgeber erklĂ€rt die Verfahren und hilft bei der Orientierung. Ratgeber zur nicht-invasiven Stimulation sichern
30 Millionen Euro fĂŒr italienischen Stimulationsspezialisten
Die wirtschaftliche Relevanz zeigt sich in aktuellen Finanzierungsrunden. Das MailĂ€nder Unternehmen WISE S.p.A. schloss eine Serie-D-Finanzierung ĂŒber 30 Millionen Euro ab. AngefĂŒhrt vom strategischen Investor ENEA Tech and Biomedical, flieĂen die Mittel unter anderem in die klinische EinfĂŒhrung der Heron-RĂŒckenmarksstimulationselektrode und den Ausbau des Portfolios fĂŒr kortikale Elektroden.
International verstĂ€rken LĂ€nder ihre Anstrengungen. In Iran hat ein eigenentwickeltes System zur tiefen Hirnstimulation die prĂ€klinische Phase abgeschlossen. Humanstudien sind fĂŒr MĂ€rz 2027 bis MĂ€rz 2028 geplant. Ziel ist die Behandlung von rund 2.000 neuen Patienten pro Jahr mit Parkinson, Epilepsie oder therapieresistenten Depressionen. Damit positioniert sich das Land in einem Markt, den bisher die USA und China dominieren.
