Hirudo-Angriff, App-Ersetzungen

Hirudo-Angriff: Acht App-Ersetzungen zielen auf sieben Banken in Indonesien

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 16:15 Uhr | Redaktion boerse-global.de
ThreatFabric beschreibt Hirudo als Android-SchÀdling mit Fernzugriff, der Bankdaten in mehreren LÀndern ins Visier nimmt.
Dunkler Serverraum mit blau leuchtenden Status-LEDs an Hardware-Racks in einer minimalistischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Sicherheitsexperten des Unternehmens ThreatFabric haben einen neuartigen Android-Banking-Trojaner namens Hirudo identifiziert. Die Schadsoftware wendet eine besonders aggressive Angriffsmethode an: Sie tauscht legitime Online-Banking-Programme auf dem Mobiltelefon gegen manipulierte Nachbauten aus. Diese gefÀlschten Kopien tragen denselben Namen sowie dieselbe Versionsnummer wie das Original, sind jedoch mit einer Test-Key-Signatur versehen.

TĂ€uschung ĂŒber gefĂ€lschte Anwendungs-Aktualisierungen

Die Verbreitung von Hirudo erfolgt laut den Sicherheitsanalysten ĂŒber scheinbar harmlose Anwendungen. Als Köder dienen unter anderem Shopping- sowie Video- und Kurzfilm-Apps wie Shopora, 1V1 X, ZoyaTV und KoiShort.

Das Mobile Threat Intelligence Team beschreibt den Remote Access Trojaner als Werkzeug, das gezielt Zugangsdaten entwendet und die vollstĂ€ndige Kontrolle ĂŒber infizierte Mobiltelefone ĂŒbernimmt. Anwender werden innerhalb der Köder-Apps ĂŒber gefĂ€lschte Update-Aufforderungen dazu gebracht, die Schadsoftware als separates Paket nachzuladen.

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Nach der Installation missbraucht die Schadsoftware das Android-System auf vielfĂ€ltige Weise. Hirudo greift auf die Bedienungshilfen des Betriebssystems zu, setzt Hooking-Techniken ĂŒber YAHFA und Dobby ein und fĂ€lscht das Signaturzertifikat.

Um unentdeckt zu bleiben und Daten abzugreifen, leert der SchÀdling die Liste der Bedienungshilfen und entfernt die Sicherheitsmarkierung FLAG_SECURE, die regulÀr das Anfertigen von Bildschirmfotos in sensiblen Apps blockiert.

Umfassender Fernzugriff und weltweite Ziele

Die Kriminellen verschaffen sich ĂŒber Hirudo weitreichende Kontrollmöglichkeiten. Der Trojaner ermöglicht einen Fernzugriff ĂŒber WebRTC-BildschirmĂŒbertragung, greift auf die GerĂ€tekamera zu und liest SMS sowie eingegebene PINs mit. Zudem leitet er Play-Integrity-PrĂŒfungen an Server der Angreifer weiter. Im Zuge der Untersuchungen wurden eine geleakte Keybox sowie mindestens zwei Zertifikate auf der Widerrufsliste von Google festgestellt.

Backend-Daten aus dem August 2026 belegen das Ausmaß des Schadens: Auf den Servern fanden sich bereits tausende EintrĂ€ge erbeuteter Anmeldedaten. Hirudo enthĂ€lt acht vorbereitete Ersetzungen fĂŒr sieben Bankinstitute in Indonesien. DarĂŒber hinaus zielen die Angreifer auf Kontodaten in China, Indien, Mexiko, Marokko und Thailand ab und nutzen malaysisches Branding bei gefĂ€lschten BezahlvorgĂ€ngen.

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Wachsende Gefahr durch App-Manipulationen

Die Masche reiht sich in eine Serie von Angriffen ein, bei denen Kriminelle legitime GerĂ€tefunktionen und Update-Mechanismen aushebeln. So entdeckte Zscaler ThreatLabz am 8. Oktober einen neuen Installer der Schadsoftware Anatsa in einem PDF-Reader des Entwicklers Duka Zuri mit ĂŒber 10.000 Installationen, der ebenfalls ÜberprĂŒfungen im Play Store durch nachgeladene Aktualisierungen umging.

Sicherheitsexperten weisen darauf hin, dass Finanzinstitute manipulierte Transaktionen oft schwer erkennen, da diese direkt ĂŒber das vertraute GerĂ€t des Nutzers abgewickelt werden. Anwendern wird dringend geraten, keine manuellen Programm-Aktualisierungen außerhalb der offiziellen MarktplĂ€tze zu starten und verdĂ€chtige Aufforderungen zur Rechtevergabe in den Bedienungshilfen konsequent abzulehnen.

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