Hitze-Schäden: 431 Millionen Euro pro Tag über 30 Grad
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 21:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Jeder Hitzetag über 30 Grad verursacht Schäden von 431 Millionen Euro. Steigt das Thermometer auf über 35 Grad, sind es sogar 948 Millionen Euro pro Tag. Das zeigt eine aktuelle Studie des Instituts Prognos im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.
Besonders hart trifft es die IT-Branche. Pro Hitzetag verliert sie rund 17 Millionen Euro durch Produktivitätseinbußen. Insgesamt entfallen 97 Prozent der Gesamtschäden auf verlorene Arbeitsleistung. Pro Vollzeitkraft beträgt der Lohnkostenverlust 12,20 Euro.
Gewerkschaften fordern Hitze-Ausfallgeld
DGB-Chefin Yasmin Fahimi bringt ein gesetzliches Hitze-Ausfallgeld ins Spiel. Eine Umfrage des Gewerkschaftsbunds zeigt: Jeder dritte Beschäftigte fühlt sich durch Hitze am Arbeitsplatz belastet.
Vorbild ist der Tarifvertrag im Dachdeckerhandwerk. Dort gibt es seit Juni 2020 ein Ausfallgeld von 75 Prozent des Stundenlohns für maximal 53 Stunden pro Jahr. Ein Arbeitsrechtler sieht den Vorstoß kritisch – er warnt vor Bürokratie und höheren Kosten für Unternehmen.
Schutzmaßnahmen und neue Technologien
Die IG BAU empfiehlt die WSS-Regel: Wasser, Sonnencreme und Schatten. Arbeitgeber müssen Getränke bereitstellen. Bei schwerer körperlicher Arbeit sind drei bis fünf Liter Wasser pro Tag nötig. Zudem raten Experten zu Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50 und regelmäßiger Hautkrebs-Vorsorge.
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Gleichzeitig drängen technische Innovationen auf den Markt. Japanische Forscher entwickelten ein tragbares Kühlsystem, das wie ein Rucksack getragen wird – gedacht für Baustellen, Fabriken und die Landwirtschaft. Das Unternehmen Exora arbeitet an Adsorptionskühlung, die Abwärme ab 35 Grad nutzt. Ein Prototyp mit 3 Kilowatt Leistung existiert bereits. Bis 2028 soll eine 100-Kilowatt-Einheit folgen, bis 2030 Anlagen im Megawatt-Bereich. Die Systeme brauchen nur zehn Prozent der elektrischen Leistung herkömmlicher Kältemaschinen.
Langfristige Schäden drohen
Die Kosten gehen weit über Produktivitätsverluste hinaus. Eine Hitzewelle Ende Juni verursachte laut Prognos-Berechnungen Schäden von 6,3 Milliarden Euro. Die Ökonomin Claudia Kemfert vom DIW warnt: Ohne umfassende Klimaschutzmaßnahmen sind bis 2050 Schäden zwischen 280 und 900 Milliarden Euro möglich.
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Auch Logistik und Landwirtschaft leiden. BASF berichtet von Problemen beim Gütertransport per Schiff bei Niedrigwasser. Die World Weather Attribution zeigt in einer aktuellen Studie: Bodendürren in Westeuropa sind heute fünfmal wahrscheinlicher als vor der Industrialisierung. Die Folgen sind konkret – etwa die niedrigste Maisernte in Frankreich seit 50 Jahren. Experten fordern daher, die Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe im Grundgesetz zu verankern.
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