Hitzebelastung: Keramikwände senken Temperatur um 7 Grad
Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 10:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Temperaturen in Europas Städten steigen, die Tropennächte nehmen zu. Forscher der TU Graz haben nun eine ungewöhnliche Lösung entwickelt: Wände aus 3D-gedruckten Tonwürfeln, die Räume ohne Klimaanlage kühlen.
Keramik statt Klimaanlage
Das Prinzip ist simpel: Verdunstungskühlung. Die porösen Tonwürfel mit 23 Zentimetern Kantenlänge nehmen Wasser auf und geben es langsam wieder ab. Das kühlt die Umgebung spürbar.
In Versuchen in einem Dachgeschoss maßen die Forschenden Anfang August eine Temperaturreduktion von knapp sieben Grad Celsius direkt an der Oberfläche der Elemente. Möglich macht das die poröse Struktur der Würfel, die durch Holzspäne und Pilzkulturen im Herstellungsprozess entsteht.
Ein Prototyp in Form einer zwei mal zwei Meter großen Wand wird derzeit am Campus Neue Technik in Graz getestet. Zukünftig könnten sogar regionale Materialien wie Seeschlamm aus dem Neusiedler See zum Einsatz kommen.
Wenn Hitze auf die Psyche schlägt
Die Bedeutung solcher Lösungen geht über den reinen Komfort hinaus. Neurobiologin Dr. Anna Lorenzen betont: Die unmittelbare Umgebung beeinflusst mentale Regeneration und Kreativität direkt. Während Natur entlastet, lösen Hitzeinseln in dicht bebauten Gebieten Stressreaktionen aus.
Die Temperaturen in Städten steigen – doch es gibt Lösungen: Forscher der TU Graz entwickelten eine Wand aus Keramikwürfeln, die Räume um bis zu 7 Grad kühlt. Erfahren Sie in unserem kostenlosen Leitfaden, wie Sie solche passiven Kühlmethoden auch in Ihrem Gebäude umsetzen können. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern
Städte reagieren bereits: Wien öffnete Anfang August mehrere „Coole Zonen“ in öffentlichen Gebäuden und Pensionisten-Klubs. Dort finden hitzebelastete Menschen kostenlose Rückzugsorte mit regulierten Temperaturen – ein wichtiger Puffer, wenn die eigenen vier Wände zur Sauna werden.
Der große Wurf: Sanierung statt Flickwerk
Langfristig setzt die Branche auf systemische Lösungen. Die Deutsche Energie-Agentur (dena) veröffentlichte im April neue Leitfäden für serielle Sanierungen. Standardisierte Verfahren sollen Effizienz steigern und Risiken minimieren – mit Fokus auf Kreislauffähigkeit.
Digitale Steuerung spielt dabei eine wachsende Rolle. Die Kooperation zwischen Eon One und Danfoss kombiniert intelligente Software mit Hardware. Bereits in über 200.000 Wohneinheiten im Einsatz, sparen die Systeme bis zu 30 Prozent Heizenergie – und helfen indirekt auch bei sommerlicher Hitze.
Hitze belastet nicht nur den Körper, sondern auch die Psyche. Doch Sie können aktiv gegensteuern: Mit den richtigen Sanierungs- und Dämmmaßnahmen senken Sie die Temperatur in Ihren Räumen spürbar. Unser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie Schritt für Schritt vorgehen und welche Förderprogramme Ihnen helfen. Leitfaden für passive Kühlung jetzt sichern
Regionale Initiativen ergänzen die Strategie. ProEco Rheinland vernetzt seit Frühjahr Handwerkskammern und Finanzinstitute in Essen und der Region Bonn-Rhein-Sieg. Immobilieneigentümer sollen so leichter auf Wärmepumpen und energetische Optimierungen umsteigen können.
Die Botschaft ist klar: Angesichts steigender Temperaturen wird die Anpassung des Gebäudebestands zur Überlebensfrage für die Städte. Die Lösungen dafür existieren – jetzt müssen sie in die Breite kommen.
