Hitzefrei in NRW: Oberstufe darf ab sofort Kurzstunden anordnen
25.06.2026 - 04:52:52 | boerse-global.de
Ab dem 24. Juni 2026 dürfen Schulleitungen jetzt auch in der Sekundarstufe II Kurzunterricht anordnen oder den Nachmittagsunterricht streichen. Die Regelung ist bis zum 31. Juli 2026 befristet.
Bisher galten solche Maßnahmen nur für Grundschulen und die Sekundarstufe I. Die Ausweitung soll Schüler und Lehrkräfte bei extremen Temperaturen besser schützen.
Flexiblere Reaktion auf Hitzeperioden
Schulleitungen können den Unterricht in der Oberstufe auf 30-minütige Kurzstunden reduzieren. Auch ein kompletter Ausfall des Nachmittagsunterrichts ist jetzt möglich. Als Richtwert gilt eine Raumtemperatur von über 27 Grad Celsius. Liegt sie unter 25 Grad, ist Hitzefrei nicht vorgesehen.
Schulministerin Dorothee Feller betont: „Der Gesundheitsschutz hat oberste Priorität." Gleichzeitig müsse ein verlässlicher Unterrichtsbetrieb gewährleistet bleiben. Das Ministerium empfiehlt den Schulen ausdrücklich das Modell der Kurzstunden, um die Belastung in den Mittagsstunden zu senken.
Distanzunterricht bleibt tabu
Ab 27 Grad Raumtemperatur können Schulleitungen Kurzstunden anordnen – doch Distanzunterricht bleibt tabu. Unser Ratgeber zeigt, wie Sie den Unterrichtsausfall planbar machen und Ihre Rechte kennen. Jetzt Hitzefrei-Ratgeber anfordern
Trotz der Lockerungen lehnt die Landesregierung alternative Unterrichtsformen weiter ab. Ein Wechsel in den Distanzunterricht wegen Hitze ist nicht erlaubt. Ein Fall am Käthe-Kollwitz-Gymnasium in Dortmund machte diese Linie deutlich: Die Bezirksregierung Arnsberg untersagte der Schule am 24. Juni 2026 den geplanten Wechsel ins E-Learning – obwohl Schulleitung, Eltern und Schüler dies befürwortet hatten.
Erlaubt sind ausschließlich Hitzefrei oder Kurzstunden. Ein vorzeitiger Ferienbeginn oder eine generelle Umstellung auf Distanzlernen sind in den Erlassen nicht vorgesehen. Die letzte Entscheidung liegt bei der jeweiligen Schulleitung.
Geteiltes Echo bei Verbänden und Politik
Kein Distanzunterricht bei Hitze – aber Kurzstunden sind erlaubt. Damit Sie den Lernstoff nicht verlieren, haben wir einen Notfallplan für Hitzetage zusammengestellt. Notfallplan für Hitzetage sichern
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Philologenverband begrüßten die Ausweitung als notwendigen Schritt. Gleichzeitig mahnten beide Organisationen sowie der Verband Bildung und Erziehung (VBE): Kurzfristige Unterrichtsausfälle seien keine dauerhafte Lösung. Sie forderten bereits am 23. Juni 2026 verbindliche Hitzeschutzkonzepte und massive Investitionen in klimaresiliente Schulgebäude.
Die politische Kritik ließ nicht lange auf sich warten. Die SPD bemängelte die späte Reaktion des Ministeriums. Die FDP-Fraktion forderte mehr Eigenverantwortung für Schulen, um flexibel auf lokale Gegebenheiten reagieren zu können. In Fachkreisen gilt die aktuelle Regelung als Zwischenlösung – die Debatte über notwendige Sanierungen und sommerlichen Wärmeschutz an Schulen geht weiter.
