Hitzerekord, Grad

Hitzerekord 41,7 Grad: Notaufnahmen für Demenzkranke um 19% gestiegen

30.06.2026 - 11:40:51 | boerse-global.de

Italienische Studie belegt elf Prozent mehr Notaufnahmen bei 29,7 Grad. Deutsche Kliniken sind laut Kritikern unzureichend auf Hitzewellen vorbereitet.

Extremwetter: Hitze und Kälte treiben Demenzkranke in Kliniken
Hitzerekord - Eine faltige, ältere Hand, die einen Kühlpack oder eine warme Decke hält, vor unscharfem Hintergrund, der ein Krankenhaus andeutet. 30.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Forscher des IRCCS Bologna werteten Daten von 13.680 Demenz-Patienten und 2.755 Parkinson-Kranken aus dem Zeitraum 2015 bis 2024 aus. Das Ergebnis: Steigt die Durchschnittstemperatur auf 29,7 Grad Celsius, erhöht sich das Risiko für eine Notaufnahme binnen drei Tagen um elf Prozent. Noch gefährlicher ist extreme Kälte: Bei 1,5 Grad Celsius steigt die Einweisungsrate nach zehn Tagen um 14 Prozent.

Besonders betroffen ist die Altersgruppe der 70- bis 90-Jährigen. Bei ihnen stieg die Zahl der Notfälle um 19 Prozent. Für Parkinson-Patienten ließ sich dagegen kein vergleichbar klarer Zusammenhang nachweisen.

Die Wissenschaftler beobachteten zudem einen sogenannten Harvesting-Effekt: Extreme Wetterlagen beschleunigen Ereignisse, die bei den ohnehin geschwächten Patienten kurz bevorstanden.

Rekordhitze überfordert Rettungsdienste

Die statistischen Befunde bestätigen sich in der Praxis. Am 28. Juni kletterte das Thermometer in Neißemünde (Brandenburg) auf 41,7 Grad Celsius – bundesweiter Rekord. Auch in Sachsen und Sachsen-Anhalt wurden bis zu 41,5 Grad gemessen.

Die Folgen waren dramatisch: In Frankfurt am Main verzeichnete die Feuerwehr am Wochenende des 28. und 29. Juni über 500 Rettungsdiensteinsätze pro Tag – eine Steigerung von 50 Prozent. Die Einsatzkräfte sprachen von einem Ausnahmezustand. In Berlin musste die Feuerwehr über 4.000 Einsätze bewältigen, in Mainz verdreifachte sich das Einsatzaufkommen.

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Kliniken in Dortmund und Duisburg meldeten eine Verdopplung der Patientenzahlen in den Notaufnahmen. Im Vordergrund standen Kreislaufprobleme und neurologische Notfälle.

Kliniken fehlt der Hitzeschutz

Trotz der bekannten Risiken sind die Krankenhäuser schlecht gerüstet. Nach Angaben des Marburger Bundes verfügt lediglich ein Drittel der deutschen Kliniken über klimatisierte Patientenzimmer.

Gerald Gaß, Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), übt scharfe Kritik: Die Bundesländer kämen ihrer Investitionsverpflichtung seit Jahrzehnten nicht nach. Kliniken könnten notwendige Modernisierungen wie umfassende Klimatisierungen kaum aus eigener Kraft stemmen.

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Auch Pflegeheime geraten in die Kritik. In Duisburg wurden Ende Juni Vorwürfe gegen ein Altenheim laut. Bewohner seien nicht ausreichend vor der Hitze geschützt worden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt die Zahl der hitzebedingten Todesfälle in Europa seit dem 21. Juni auf über 1.300.

Was jetzt passieren muss

Medizinische Fachgesellschaften und die Bundesärztekammer fordern, den Hitzeschutz als festen Bestandteil der Krisenvorsorge zu etablieren. Einzelne Kliniken handeln bereits: Das Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) aktivierte spezielle Hitzeschutzpläne und schaffte tausende Kühltücher an. In Mainz bereiteten die Einsatzkräfte klimatisierte Hallen für die Notversorgung vor.

Auf politischer Ebene sind städtebauliche Anpassungen im Gespräch. In Berlin fordern SPD-Vertreter mehr Miniparks und zusätzliche Bäume, um innerstädtische Hitzeinseln zu entschärfen.

Experten der World Weather Attribution (WWA) weisen darauf hin, dass die aktuellen Rekordtemperaturen – wie die Nacht mit 29,4 Grad Celsius in Kubschütz – unter den klimatischen Bedingungen früherer Jahrzekte praktisch unmöglich gewesen wären.

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