Hochverarbeitete Lebensmittel: +500 Kalorien täglich, sagt Forscher
01.06.2026 - 09:40:54 | boerse-global.deFachleute fordern eine differenziertere Betrachtung von Lebensmitteln.
Das Konzept der hochverarbeiteten Lebensmittel (Ultra-Processed Foods, UPF) wird zunehmend kritisiert. Drei von fünf Erwachsenen in Europa gelten laut WHO als übergewichtig – doch Experten bemängeln, dass die reine Kategorisierung nach Verarbeitungsgrad wissenschaftlich unpräze sei.
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Was wirklich zählt
Während gesüßte Getränke oder stark verarbeitetes Fleisch gesundheitlich bedenklich sind, können abgepacktes Brot oder bestimmte Frühstückscerealien durchaus Teil einer ausgewogenen Ernährung sein. Ein US-Expertengremium versuchte, das UPF-Konzept durch spezifische Zusatzstoffe wie modifizierte Stärke oder Emulgatoren zu präzisieren. Doch der Fokus bleibt: Die Nährstoffzusammensetzung entscheidet.
Kalorien-Empfehlungen auf dem PrĂĽfstand
Die weit verbreitete 2.000-Kalorien-Regel basiert auf historischen Daten aus den 1990er-Jahren. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht heute deutlich differenziertere Werte vor: 2.300 bis 3.000 Kilokalorien für Männer, 1.800 bis 2.400 für Frauen.
US-Forscher Kevin Hall belegte: Bei hochverarbeiteten Lebensmitteln nehmen Probanden täglich rund 500 Kalorien mehr zu sich. Die Universität Kiel zeigte dagegen, dass gezielte Proteinanreicherung den Konsum um etwa 200 Kalorien reduzieren kann.
High-Protein-Boom: Kritik an teuren Produkten
Der Markt für proteinreiche Lebensmittel wächst rasant – doch Experten bleiben skeptisch. Proteine fördern das Sättigungsgefühl, aber ohne Training wird überschüssiges Eiweiß in Fett umgewandelt. Die DGE empfiehlt 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht – für Gesunde meist ohne Spezialprodukte erreichbar.
Die Verbraucherzentralen kritisieren: High-Protein-Produkte enthalten oft viel Zucker oder Fett, sind teuer und stark verarbeitet. Wirtschaftlich zeigt sich der Trend drastisch: Molkeprotein (Whey) kostet bis zu 28.000 Euro pro Tonne – ein Vielfaches des Preises von 2023.
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Fett-Mythen und „ehrliche Snacks“
In sozialen Medien wird Rapsöl häufig als entzündungsfördernd dargestellt. Experten wie Hans Hauner (TU München) widersprechen: Rapsöl überzeugt durch sein günstiges Omega-6-zu-3-Verhältnis und Hitzestabilität. Moderne Sorten enthalten kaum noch bedenkliche Erucasäure.
Selbst bei Chips und Erdnussflips raten Fachleute zum Blick auf die Zutatenliste. Produkte aus Kartoffeln, Maisgrieß, Öl und Salz ohne künstliche Aromen gelten als „ehrliche Snacks“. Der „Bliss Point“ – optimales Verhältnis von Salz, Fett und Knusprigkeit – ist gezieltes Produktdesign.
Politik gefordert
Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung forderte Ende Mai stärkere staatliche Prävention. Die „Wirtschaftsweisen“ schlagen Lenkungssteuern auf Alkohol und stark zuckerhaltige Lebensmittel sowie Werbebeschränkungen vor. Reine Informationsangebote reichten nicht aus, um das Ernährungsverhalten nachhaltig zu verbessern.
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