Hochverarbeitete, Lebensmittel

Hochverarbeitete Lebensmittel: Insulin steigt trotz fast gleicher NÀhrwerte stÀrker

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 18:35 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei Àhnlichen NÀhrwerten lösten stark verarbeitete Speisen andere Insulin- und Energieumsatzreaktionen aus als minimal verarbeitete Mahlzeiten.
NatĂŒrliche, unverarbeitete Lebensmittel wie ein gekochtes Ei, Bananen, getrocknete Cranberrys und KĂ€se auf einem Holztisch. Illustration mit AI erstellt.

Unterschiede im industriellen Verarbeitungsgrad von Lebensmitteln können unmittelbare Auswirkungen auf den menschlichen Stoffwechsel haben, selbst wenn die NÀhrstoffzusammensetzung nahezu identisch ist. Zu diesem Ergebnis kommt eine Anfang Oktober 2026 in der Fachzeitschrift Nature Metabolism veröffentlichte randomisierte kontrollierte Crossover-Studie.

Das Forschungsteam des Fralin Biomedical Research Institute an der US-Hochschule Virginia Tech unter der Leitung von Alexandra DiFeliceantonio untersuchte darin, wie der Körper auf hochverarbeitete im Vergleich zu minimal verarbeiteten Mahlzeiten reagiert.

Nahezu identische NĂ€hrwerte im direkten Test

An der Untersuchung nahmen 57 gesunde, normalgewichtige Erwachsene im Alter zwischen 18 und 45 Jahren teil, deren Durchschnittsalter bei 26 Jahren lag. Die Probanden erhielten in zufÀlliger Reihenfolge zwei Testmahlzeiten mit jeweils 300 Kalorien, zwischen denen ein zeitlicher Abstand von mindestens drei Tagen lag.

Die MenĂŒs waren so zusammengestellt, dass sich die Mengen an Kalorien, Kohlenhydraten, Fetten, Proteinen, Wasser und Salz um höchstens 1 Prozent und maximal 1,6 Prozent voneinander unterschieden.

Die hochverarbeitete Mahlzeit setzte sich aus einem Erdnussbutter-Marmeladen-Sandwich, Putenaufschnitt beziehungsweise fertiger Wurst, GemĂŒsechips, einem Keks, gesĂŒĂŸtem Weizenzereal sowie Instant-KartoffelpĂŒree zusammen. Als minimal verarbeitetes GegenstĂŒck dienten Banane, getrocknete Cranberrys, KĂ€se, ein gekochtes Ei und Meersalz.

Messbare Unterschiede bei Insulin und Energieumsatz

Die Stoffwechselmessungen, die von 32 Teilnehmenden vollstĂ€ndig abgeschlossen wurden, zeigten deutliche physiologische Divergenzen. Blutproben wurden unmittelbar nach dem Verzehr sowie sechsmal ĂŒber einen Zeitraum von drei Stunden entnommen. Zwar verlief die Blutzuckerantwort weitgehend Ă€hnlich, sie blieb nach dem Verzehr der hochverarbeiteten Mahlzeit jedoch etwas lĂ€nger erhöht.

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Zugleich stieg der Insulinspiegel nach dem industriell verarbeiteten MenĂŒ signifikant stĂ€rker an. Dieser Unterschied zeigte sich ab etwa 40 Minuten nach der Nahrungsaufnahme und hielt bis zum Ende des Messfensters von 40 bis 120 Minuten an (t(28,67)=5,48; p<0,001). Nach drei Stunden erreichten beide Gruppen wieder Werte nahe dem Ausgangsniveau.

DarĂŒber hinaus erfassten die Forscher den Energieumsatz ĂŒber drei Stunden nach dem Essen. Bei der hochverarbeiteten Kost fielen der Energieverbrauch (t(30,73)=2,39; p=0,02) und die Fettoxidation (t(30,84)=3,26; p=0,003) höher aus, wĂ€hrend die Kohlenhydratoxidation geringer war (t(30,76)=-2,47; p=0,02).

Dariush Mozaffarian von der Tufts University sah in den Resultaten Hinweise auf eine lÀnger anhaltende Kohlenhydratoxidation, was theoretisch die Fettoxidation mindern und eine Gewichtsreduktion erschweren könne.

Reaktionen im Gehirn und methodische Grenzen

Neben den Stoffwechseldaten analysierten die Wissenschaftler bei 52 Probanden neuronale AktivitÀtsmuster mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT).

Die Bildgebung wies verĂ€nderte Reaktionen in Hirnarealen fĂŒr Motivation und Belohnung nach, unter anderem im Striatum. Dabei reagierten die entsprechenden Bereiche auf Abbildungen minimal verarbeiteter Speisen eher positiv, auf hochverarbeitete Produkte hingegen eher negativ. Die generelle Zahlungsbereitschaft der Probanden unterschied sich dabei nicht.

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Das Forschungsteam, dessen Arbeit ĂŒber die National Institutes of Health (NIH, Projekt R01 DK132389) sowie ein Graduiertenstipendium der National Science Foundation (NSF) finanziert wurde, wies auf methodische EinschrĂ€nkungen hin. So könnten unterschiedliche Proteinarten und ein höherer Anteil an Zusatzstoffen in der Fertignahrung die Messwerte beeinflusst haben.

Die Stichprobe bestand zudem aus jungen, gesunden Erwachsenen, wobei nur knapp ein Drittel der Teilnehmenden MĂ€nner waren. Langfristige klinische Konsequenzen wie Insulinresistenz, Diabetes oder eine Gewichtszunahme ließen sich aus den Daten nicht ableiten, weshalb umfangreichere Langzeitstudien erforderlich seien.

Relevanz fĂŒr ErnĂ€hrungsgewohnheiten und Marktstrukturen

Bereits eine im Jahr 2019 erschienene erste randomisierte kontrollierte Studie hatte belegt, dass eine ErnĂ€hrungsweise mit hohem Anteil an ultraverarbeiteten Produkten zu einer gesteigerten Kalorienaufnahme und Gewichtszunahme fĂŒhrt.

Die aktuellen Befunde berĂŒhren zentrale Fragen der öffentlichen Gesundheit und der Lebensmittelwirtschaft. In den Vereinigten Staaten entfallen im Schnitt mehr als die HĂ€lfte der tĂ€glichen Kalorienaufnahme auf hochverarbeitete Erzeugnisse. In Deutschland liegt der Anteil an der tĂ€glichen Energiezufuhr bei 39 Prozent, wĂ€hrend schĂ€tzungsweise die HĂ€lfte aller in deutschen SupermĂ€rkten angebotenen Produkte als hochverarbeitet gilt.

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