HörgerÀte, BeeintrÀchtigung

HörgerÀte bei leichter kognitiver BeeintrÀchtigung: Erholung sechsmal wahrscheinlicher

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 05:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei leichter kognitiver BeeintrĂ€chtigung trat mit HörgerĂ€ten hĂ€ufiger eine Erholung ein; ein DemenzĂŒbergang unterschied sich nicht signifikant.
Ein ruhiger, lichtdurchfluteter Wohnraum mit einem hölzernen Beistelltisch in einer natĂŒrlichen, friedlichen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Eine am 28. September 2026 im Fachjournal JAMA Neurology veröffentlichte Untersuchung liefert neue Daten zur Wechselwirkung zwischen Hörvermögen und kognitiver LeistungsfÀhigkeit im Alter.

In der sogenannten CHOICE-Studie der Shanghai Jiao Tong University untersuchten Forschende, in welchem Maße der Einsatz von HörgerĂ€ten bei Personen mit mittelschwerem bis schwerem Hörverlust und gleichzeitiger leichter kognitiver BeeintrĂ€chtigung den weiteren Verlauf beeinflussen kann. Die Ergebnisse zeigen eine statistisch signifikante Steigerung der kognitiven Erholungsrate.

Signifikante Verbesserungen bei leichter kognitiver BeeintrÀchtigung

FĂŒr die Studie wurden insgesamt 21.908 Personen gescreent, von denen 703 Probanden ab einem Alter von 60 Jahren in das Studienprogramm aufgenommen wurden. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden lag bei 74,5 Jahren, der MĂ€nneranteil betrug 64,44 Prozent.

Über den Beobachtungszeitraum von 24 Monaten beendeten 610 Personen (86,77 Prozent) die Untersuchung. Alle Teilnehmenden wiesen zu Beginn einen Wert von 0,5 auf der Clinical Dementia Rating Skala (CDR) auf.

Die Auswertung ergab, dass eine kognitive Erholung – definiert als RĂŒckgang des CDR-Werts von 0,5 auf 0 – in der HörgerĂ€te-Gruppe bei 15,34 Prozent der Probanden eintrat, wĂ€hrend dies in der Kontrollgruppe nur bei 2,36 Prozent der Fall war.

Die adjustierte Chance fĂŒr eine solche Erholung fiel unter Verwendung der Hörhilfen rund sechsfach höher aus. Hinsichtlich des Übergangs in eine manifeste Demenz zeigte sich ein Unterschied von 3,09 Prozent in der Interventionsgruppe gegenĂŒber 4,74 Prozent in der Kontrollgruppe, der jedoch statistisch nicht signifikant war.

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UnerwĂŒnschte Ereignisse wurden wĂ€hrend des Studienverlaufs nicht berichtet. Als Limitationen gelten der Umstand, dass die Festlegung auf den Wert CDR 0,5 vorab nicht registriert worden war, sowie der subjektive Charakter der Erhebungsskala.

Einordnung im Kontext bisheriger Forschung

Ein begleitender Kommentar in JAMA Otolaryngology ordnet die Resultate in das bestehende wissenschaftliche Bild ein und verweist auf die ACHIEVE-Studie aus dem Jahr 2023. Jene Erhebung hatte ĂŒber einen Zeitraum von drei Jahren bei kognitiv unbeeintrĂ€chtigten Ă€lteren Erwachsenen keinen signifikanten Gesamteffekt einer Hörintervention auf den kognitiven Abbau gezeigt.

Allerdings wies eine definierte Hochrisiko-Subgruppe eine um 48 Prozent verlangsamte kognitive Verschlechterung auf. Dies deckt sich mit der Beobachtung, dass Interventionen bei Personen mit bereits erhöhtem Risiko eine stÀrkere Wirkung entfalten können.

Unbehandelter Hörverlust geht nach wissenschaftlicher Datenlage mit einem erhöhten Risiko fĂŒr kognitiver Verfall und Demenzerkrankungen einher. Auch die Weltgesundheitsorganisation stuft HöreinschrĂ€nkungen als relevanten Faktor ein, dessen Einfluss mit dem Grad der SchĂ€digung zunimmt, und empfiehlt bei Bedarf den Einsatz von HörgerĂ€ten.

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Ein direkter monokausaler Zusammenhang besteht indessen nicht: Faktoren wie das biologische Alter, kardiovaskulÀre Parameter, Diabetes, mangelnde körperliche AktivitÀt und soziale Isolation wirken ebenfalls auf das Erkrankungsrisiko ein.

Laut einer Auswertung der Lancet-Kommission ließen sich durch die gezielte Adressierung von 14 modifizierbaren Risikofaktoren rund 45 Prozent der DemenzfĂ€lle weltweit abwenden oder zeitlich verzögern.

Die Relevanz dieser PrÀventionsansÀtze wÀchst vor dem Hintergrund globaler Prognosen: Laut dem Global Burden of Disease wird die Zahl der weltweit von Demenz betroffenen Menschen von rund 57 Millionen im Jahr 2019 auf voraussichtlich 153 Millionen im Jahr 2050 ansteigen.

Gleichzeitig besteht in der Praxis weiterhin eine VersorgungslĂŒcke. Laut der EuroTrak-Studie 2025 schĂ€tzen ĂŒber 9 Millionen Erwachsene in Deutschland (10,9 Prozent der Bevölkerung) ihr Gehör als beeintrĂ€chtigt ein; rund 28 Prozent der Betroffenen nutzen trotz einer vorliegenden Ă€rztlichen Empfehlung bisher keine Hörhilfe.

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