Hörsturz-Therapie: Metaanalyse vergleicht Kortison als Tablette und Spritze
Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 07:01 Uhr | Redaktion boerse-global.deMedizinische Analysen untersuchen die Ersttherapie bei einem idiopathischen Hörsturz und stellen dabei insbesondere den Vergleich zwischen systemisch verabreichten und intratympanalen Kortikosteroiden an.
Wie die Fachpublikation „Ärzte Zeitung“ in einem Bericht vom 18. Oktober 2026 darlegte, vergleicht eine Metaanalyse randomisierter Studien beide Behandlungsformen im Hinblick auf Wirksamkeit und Verträglichkeit.
Bei einem plötzlichen Hörverlust gelten Steroide als medizinischer Standard, wobei die Verabreichung entweder oral oder über eine direkte Injektion durch das Trommelfell in die Paukenhöhle erfolgen kann.
Anwendungsformen und begleitende Therapieansätze
Die Wahl der Verabreichungsform richtet sich häufig nach den Vorerkrankungen der Betroffenen. Bestehen Kontraindikationen gegen eine systemische Gabe – wie etwa bei vorliegendem Diabetes mellitus oder Bluthochdruck –, wird in der Praxis die intratympanale Steroidinjektion bevorzugt.
Neben den Kortikoiden kommen je nach Befund weitere Behandlungsoptionen in Betracht. Bei einer vermuteten Virusinfektion können antivirale Mittel verabreicht werden. Zur Verbesserung der Innenohrdurchblutung werden mitunter Durchblutungsförderer oder Vasodilatatoren verordnet.
Zudem wird in bestimmten Fällen eine hyperbare Sauerstofftherapie in Betracht gezogen. Entsprechende spezialisierte Angebote existieren beispielsweise im Aeos-Ärztezentrum Wiener Neustadt, das als einziges ambulantes Zentrum im Osten Österreichs die hyperbare Sauerstofftherapie für Indikationen wie Hörsturz, akuten Tinnitus und Long-Covid anbietet.
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Zeitfaktor und Verhalten im Akutfall
Für den therapeutischen Erfolg ist das rasche Handeln entscheidend, da ein früher Behandlungsbeginn die Hörerholungsrate erhöht. Fachabteilungen wie die des Seoul National University Hospital und des Asan Medical Center betonen ausdrücklich die Notwendigkeit einer schnellen Diagnose.
Betroffene sollten bei plötzlichem Hörverlust umgehend eine Hals-Nasen-Ohren-Praxis aufsuchen, anstatt auf Routinetermine zu warten. Zudem wird vor einer eigenmächtigen Einnahme von Steroiden oder vorhandenen Restmedikamenten gewarnt.
Auch nach einem akuten Knalltrauma mit Hörsymptomen raten Mediziner zu einer zügigen fachärztlichen Abklärung; entzündungshemmende Kortikoide stellen zwar eine therapeutische Option dar, dürfen jedoch nicht ohne ärztliche Absprache eingenommen werden.
Da unbehandelter Hörverlust als ein erheblicher Risikofaktor für den geistigen Abbau gilt, empfehlen Experten gezielte Übungen für den Alltag. Nur wenige Minuten täglich können den Gedächtnisabbau deutlich verlangsamen – ganz ohne zusätzliche Technik oder Geräte. 7 einfache Übungen für die geistige Fitness gratis sichern
Prognostischer Wert des Trommelfelldrucks
Neben der Wahl der Medikamente steht auch die Aussagekraft diagnostischer Parameter im Fokus der Forschung. Eine im Fachjournal Frontiers in Neurology publizierte retrospektive Kohortenstudie aus dem Jahr 2026 (DOI 10.3389/fneur.2026.1982019) analysierte die Daten von 203 Erwachsenen mit einseitigem plötzlichem sensorineuralem Hörverlust. Dieser war definiert als ein Hörverlust von mindestens 30 dB über drei aufeinanderfolgende Frequenzen innerhalb von 72 Stunden. Vor Beginn der Kortikosteroidtherapie wurde der Tympanometrie-Druck (TPP) auf beiden Ohren ermittelt.
Die Messungen ergaben beim betroffenen Ohr einen medianen TPP von -9,1 daPa gegenĂĽber -8,1 daPa auf dem gesunden Ohr, was einer nicht signifikanten medianen Differenz von -1,2 daPa entspricht.
Ein stark negativer Druck von unter -100 daPa fand sich bei 6,9 Prozent der betroffenen und bei 5,4 Prozent der gesunden Ohren; bei 4 Patienten trat dieser beidseits auf.
Auch hinsichtlich des Therapieerfolgs zeigte sich kein wesentlicher Unterschied: Der Hörgewinn lag bei Patienten mit negativem Druck bei 19,8 dB gegenüber 23,2 dB bei Patienten ohne negativen Druck, was statistisch nicht signifikant war.
Eine klinisch relevante Hörerholung von mindestens 15 dB erreichten 71,4 Prozent der Patienten mit negativem Druck und 70,3 Prozent der Vergleichsgruppe. Die Autoren der Studie schlussfolgern, dass der TPP keine prognostische Aussagekraft für die Hörerholung nach einem Hörsturz besitzt.
