Homöopathie-Streit: 1.200 Ărzte fordern Beibehaltung der GKV-Erstattung
Veröffentlicht am: 18.06.2026 um 18:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein breites BĂŒndnis aus Politik, Medizin und Gesellschaft lĂ€uft Sturm gegen die PlĂ€ne von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU). Sie will Homöopathie und anthroposophische Medizin aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) streichen. Die Entscheidung im Bundestag wurde auf den Sommer verschoben.
Prominente Allianz gegen LeistungskĂŒrzungen
Ehemalige Spitzenpolitiker, Mediziner und Kulturschaffende haben sich formiert. In einem Brief an Ministerin Warken fordern unter anderem Winfried Kretschmann, Malu Dreyer, Otto Schily und Thomas Goppel die Beibehaltung der ErstattungsfÀhigkeit. Malu Dreyer betonte die Bedeutung der integrativen Medizin. Die Unterzeichner bezeichnen die geplante Streichung als unethisch.
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Homöopathische AnsĂ€tze könnten den Einsatz von Antibiotika senken, argumentieren sie. Parallel warnt der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ărzte (DZVhĂ) vor einem gesellschaftlichen und ökonomischen Flurschaden. Rund 1.200 Mediziner unterstĂŒtzen das Schreiben. Ein Wegfall könnte Patienten zu teureren konventionellen Medikamenten greifen lassen, was die Kassen zusĂ€tzlich belasten wĂŒrde.
Zweifel an der Sparwirkung
Das Bundesgesundheitsministerium beziffert die möglichen Einsparungen auf jĂ€hrlich rund 50 Millionen Euro. Warken begrĂŒndet den Schritt mit fehlender wissenschaftlicher Evidenz. Nur Leistungen mit gesicherter Wirkung sollten vergĂŒtet werden.
Der GKV-Spitzenverband, die KassenĂ€rztliche Bundesvereinigung (KBV) und der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) unterstĂŒtzen diese Linie. In einer Stellungnahme von Mitte Juni betonten sie die Konsistenz des Vorhabens.
Doch der Bundesrechnungshof sieht das anders. Nach PrĂŒfung eigener Daten geht die Behörde von jĂ€hrlichen Ausgaben von lediglich 40 Millionen Euro aus. Die Minderausgaben wĂŒrden zu keinen nennenswerten Einsparungen fĂŒhren. Dennoch begrĂŒĂt auch der Bundesrechnungshof die Streichung aus GrĂŒnden der fehlenden Evidenz.
Die GKV-Reform im gröĂeren Kontext
Die Homöopathie-Streichung ist Teil eines Sparpakets mit einem Zielvolumen von rund 20 Milliarden Euro. Die schwarz-rote Koalition hat sich bereits auf wesentliche Eckpunkte geeinigt:
- Erhöhung der Zuzahlungen von mindestens 5,00 auf 7,50 Euro
- KĂŒrzung des Krankengeldes von 70 auf 65 Prozent des Bruttolohns
- Abschaffung der beitragsfreien Familienversicherung fĂŒr Ehepartner
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Der Verband Pharma Deutschland warnt vor den Folgen fĂŒr den Forschungsstandort und möglichen LieferengpĂ€ssen. Eine aktuelle YouGov-Umfrage zeigt ein geteiltes Bild: 61 Prozent der Befragten lehnen die Sparziele generell ab. Die spezifische Streichung homöopathischer Mittel wird jedoch mehrheitlich positiv bewertet.
Zeitplan verschoben
Die politische Entscheidung wurde kurzfristig vertagt. Die abschlieĂende Lesung im Bundestag ist nun fĂŒr den 10. Juli 2026 geplant. UrsprĂŒnglich sollte sie Ende Juni stattfinden. Damit bleibt den Akteuren zusĂ€tzliche Zeit fĂŒr die Debatte ĂŒber die kĂŒnftige Ausrichtung des Leistungskatalogs und die Verteilung der finanziellen Lasten.
